Auswirkungen der ständigen Mittelkürzungen auf die Philipps-Universität Marburg

Am 31. August 2006 war in der lokalen Presse der Universitätsstadt Marburg zu lesen, dass die Lehrbeauftragten/wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Philosophie der Philipps-Universität Marburg alle ihre unentgeltlichen Lehrveranstaltungen - insgesamt 15 Seminare - im Grund- und Hauptstudium ausfallen lassen.

Vorbemerkung des Ministers für Wissenschaft und Kunst: Ursächlich für die Situation im Institut für Philosophie war, dass zwei vertretungsweise Einstellungen von wissenschaftlichen Mitarbeitern nicht realisiert werden konnten und sich elf Lehrbeauftragte daraufhin weigerten, vorgesehene Lehraufträge ohne Vergütung durchzuführen.

Die Universitätsleitung hat für das laufende Wintersemester Lehrauftragsmittel zur Verfügung gestellt, um die obligatorisch durchzuführenden Lehrveranstaltungen sicherzustellen.

Diese Vorbemerkungen vorangestellt, beantworte ich die Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1. Wie hoch waren die jährlichen Mittelzuweisungen des Landes an die PhilippsUniversität Marburg von 1999 bis heute?

Ausgehend von einem Vergleichswert in 1998 von ca. 169 Mio. hat sich die finanzielle Grundausstattung seit 1999 wie folgt entwickelt:

Hinzu kommen Mittel für konkrete Projekte (Innovationsbudget, Innovationsfonds) sowie Baumittel (Einzelplan 18).

Frage 2. Nach welchen Kriterien werden die Mittel des Landes innerhalb der PhilippsUniversität Marburg verteilt?

Das Präsidium der Philipps-Universität Marburg hat im Juli 2004 ein Konzept beschlossen, das unter Berücksichtigung des damaligen Gesamtbudgets der Universität, der im Vorjahr zugewiesenen Fachbereichsbudgets, des damaligen Konzepts des Landes zur leistungsorientierten Mittelzuweisung an die Hochschulen (LOMZ) sowie des Stellenwerts und der Vernetzung der Fächer in der Universität wesentliche Grundlage für die Budgetzuweisung der Jahre 2005 und 2006 war. Besondere Umstände der Fachbereiche (unter anderem Stand und Entwicklung der Studierendenzahlen) wurden im Einzelfall ergänzend berücksichtigt. Die hochschulinterne Budgetzuweisung hat sich an vielfältigen Gesichtspunkten orientiert, die nicht auf wenige abstrakte Kriterien reduziert werden können. Parameter der Lehrqualität (im Sinne von numerischen Größen in einer Formelsteuerung) konnten bei der Mittelzuweisung keine Rolle spielen, weil hierfür keine geeigneten Indikatoren verfügbar waren. Für das Jahr 2007 wird das Budgetierungskonzept, entsprechend den aus den Jahren 2005 und 2006 gewonnenen Erkenntnissen, überarbeitet.

Frage 3. Welche Fachbereiche profitieren wie von der Verteilung verglichen mit den vom Land zugewiesenen Clusterpreisen?

Die in der Fragestellung zum Ausdruck kommende, vereinfachte Betrachtung erscheint problematisch, weil sie außer Betracht lässt, dass aus dem LOMZ-Aufkommen auch alle Kosten für zentrale Einrichtungen und Aufgaben zu decken sind. Darüber hinaus wird das Grundbudget durch ein Erfolgsbudget ergänzt, sodass Fachbereiche LOMZ-konform über höhere Budgets verfügen können als jene, die sich nur aus Clusterpreisen und Studierendenzahlen ergeben. Weiterhin ist auf sehr unterschiedliche Situationen in einzelnen Fächern innerhalb eines Fachbereichs hinzuweisen und darauf, dass bei jährlich deutlich schwankenden Studierendenzahlen Verschiebungen auftreten können. Schließlich ist auch denkbar, dass Fächer mit einer auf das Minimum reduzierten Ausstattung aus wissenschaftsimmanenten Erwä gungen unabhängig von der Zahl der Studierenden erhalten werden sollen.

Im Übrigen ist grundsätzlich darauf hinzuweisen, dass die Verteilung der Landesmittel nach LOMZ nicht darauf ausgerichtet ist, in gleicher Weise bei der Verteilung innerhalb der Hochschulen angewandt zu werden.

Dies vorausgeschickt, gibt es Fachbereiche, bei denen die intern zugewiesenen Mittel den Betrag überschreiten, der sich rechnerisch nach der LOMZFormel des Landes ergeben würde. Nach den Parametern des Jahres 2004 sind dies die Fachbereiche Evangelische Theologie, Geschichte und Kulturwissenschaften, Fremdsprachliche Philologien und Geowissenschaften.

Frage 4. Welche Rolle spielen die jeweiligen Studierendenzahlen, Parameter der Lehrqualität und Studierendenzahlentwicklung bei der Mittelzuweisung an der Philipps-Universität Marburg?

Hierzu verweise ich auf die Antwort zu Frage 2.

Frage 5. Wie beurteilt die Landesregierung die Rolle des so genannten Mittelbaus, insbesondere als Qualifikationstätigkeit wie als regulierender Bestandteil des Lehrkörpers?

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbringen wissenschaftliche Dienstleistungen zur Organisation, Vorbereitung und Durchführung von Forschung und Lehre. Hierzu gehört auch, Studierenden Fachwissen und praktische Fertigkeiten zu vermitteln und sie in der Anwendung wissenschaftlicher Methoden zu unterweisen, soweit dies zur Gewährleistung des erforderlichen Lehrangebots notwendig ist. Sie sollen darüber hinaus Gelegenheit zu selbstbestimmter Forschung und zu hochschuldidaktischer Qualifizierung erhalten. Beide Tätigkeiten dienen in erster Linie der wissenschaftlichen Qualifikation der Beschäftigten.

Frage 6. Wie hoch wäre nach fachlichen Kriterien und Einschätzung des jeweiligen Fachbereichs der Personalbedarf in den einzelnen geisteswissenschaftlichen Fächern an der Philipps-Universität Marburg und wie viele Stellen sind vorhanden, wie viele sind besetzt?

Es gibt derzeit keine vom Präsidium gebilligten Stellenpläne der Fachbereiche, deshalb ist eine Unterscheidung von Stellen und besetzten Stellen nicht möglich. Am Fachbereich 3 (Gesellschaftswissenschaften und Philosophie) waren zum 10. November 2006 100 Personen beschäftigt.