Verschuldung

Begründung

Der grundgesetzlich geregelte Verzicht der Länder auf eine eigene strukturelle Neuverschuldung ab dem Jahre 2020, verlangt eine Haushalts- und Finanzpolitik, die bereits heute den Landeshaushalt auf die Erreichung der Null-Verschuldung ausrichtet. Die Konsolidierung des Landeshaushalts kann nicht ausschließlich auf der Ausgabenseite erfolgen, sondern muss auch die Einnahmenseite einbeziehen.

Die dramatischen Steuerausfälle infolge der Steuerrechtsänderungen auf Bundesebene haben jedoch die Einnahmen des Landes Nordrhein-Westfalen erheblich geschmälert. Allein die Maßnahmen des sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetzes vermindern die Landeseinnahmen um 880 Millionen Euro. Auch die nordrhein-westfälischen Kommunen erleiden dadurch weitere Steuerausfälle von mindestens 300 Millionen Euro jährlich. Diesem Trend muss konsequent entgegensteuert werden.

Im Zuge der Föderalismusreform I ist den Ländern durch eine Ergänzung in Art. 105 Abs. 2a Satz 2 Grundgesetz die Gesetzgebungskompetenz zur Bestimmung des Steuersatzes bei der Grunderwerbsteuer übertragen worden. Dem Bund ist die Kompetenz zur Festlegung einer einheitlichen Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer erhalten geblieben.

Der vor der grundgesetzlichen Neuregelung in § 11 Abs. 1 Grunderwerbsteuergesetz bundeseinheitlich bestimmte Steuersatz in Höhe von 3,5 v. H. gilt fort, solange ein Land seine Kompetenz zur Bestimmung des Steuersatzes nicht ausübt.

Zur Erfüllung der grundgesetzlich vorgeschriebenen Konsolidierung des Landeshaushaltes bis zum Jahr 2020, macht das Land Nordrhein-Westfalen - wie zuvor bereits sieben andere Bundesländer - nunmehr Gebrauch von der gewährten Gesetzgebungskompetenz zur Bestimmung des Steuersatzes bei der Grunderwerbsteuer. Ein eigenes Gesetz zur Bestimmung des Steuersatzes wurde bisher in den Ländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Saarland und Sachsen-Anhalt erlassen. In Schleswig-Holstein wird der Steuersatz ab dem 01.01.2012 ebenfalls auf 5 v. H. erhöht. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben entsprechende Änderungen angekündigt. Von dieser Möglichkeit macht nun auch das Land Nordrhein-Westfalen Gebrauch und passt den Steuersatz bei der Grunderwerbsteuer damit dem Bundesniveau an. Da durch die bestehenden Regelungen der Erwerb von Grundstücken gegenüber umsatzbesteuerten Erwerbsvorgängen privilegiert wird, ist die Anpassung des Steuersatzes zumutbar. Auch bei einem Steuersatz von 5 v. H. ist die Grunderwerbsteuer im Vergleich zur Umsatzsteuer durchaus moderat.

Infolge der Anhebung des Steuersatzes kann mit Mehreinnahmen in Höhe von 150 Mio. im Jahr 2011 und in den Folgejahren mit 400 Mio. gerechnet werden.

Die durch die Anhebung der Grunderwerbsteuer erzielten Einnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der strukturellen Verschuldung. Von der Erhöhung der Einnahmen profitieren auch die kommunalen Haushalte, da die Kommunen über den kommunalen Finanzausgleich 23 v. H. an vier Siebteln der Einnahmen der Grunderwerbsteuer erhalten. Auf diesem Wege leistet die Anpassung des Grunderwerbsteuersatzes auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der kommunalen Haushalte.

Besonderer Teil:

1. § 1 regelt die Höhe des Steuersatzes bei der Grunderwerbsteuer. Demnach beträgt beim Erwerb von Grundstücken in Nordrhein-Westfalen der Steuersatz 5 Prozent.

2. § 2 regelt das Inkrafttreten des Gesetzes zum 01.10.2011.

Norbert Römer Reiner Priggen Wolfgang Zimmermann Britta Altenkamp Sigrid Beer Bärbel Beuermann Mehrdad Mostofizadeh und Fraktion und Fraktion und Fraktion