Gemeinsame Ausbildung von Berufsschullehrern durch die FH Gießen-Friedberg und die Justus-Liebig-Universität Gießen

In Hessen herrscht ein Mangel an Fachlehrern für berufsbildende Schulen. Die JLU Gießen bietet einen Aufbaustudiengang L4 für Absolventen der Agrar- sowie der Haushalts- und Ernährungswissenschaften an. Angesichts des akuten Bedarfs wäre eine Vernetzung von FH und Universität in diesem Bereich denkbar. Die FH könnte angehende Berufsschullehrer in den ingenieurswissenschaftlichen Fächern ausbilden und die JLU die pädagogischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Grundlagenfächer anbieten.

Diese Vorbemerkung des Fragestellers vorangestellt, beantworte ich die Kleine Anfrage im Einvernehmen mit der Kultusministerin wie folgt:

Frage 1. Wie beurteilt die Landesregierung den Bedarf an Lehrkräften für beufsbildende Schulen in den nächsten Jahren?

Das Lehramt an beruflichen Schulen zählt, wie auch das Lehramt an Hauptund Realschulen, zu den bei Lehramtsstudenten weniger nachgefragten Lehrämtern mit hohem Bedarf an einzustellenden Lehrkräften. Dieser kann daher nur unzureichend gedeckt werden. Bei steigenden Schülerzahlen in den Vollzeitschulformen der beruflichen Schulen wird diese Tendenz anhalten. Besonderer Bedarf besteht in den Berufsfeldern Metalltechnik und Elektrotechnik.

Hier existieren bereits Aufbaustudiengänge für Fachhochschulabsolventen an den Universitäten in Kassel und Darmstadt. Zusätzlich bestehen in den meisten Berufsfeldern Quereinstiegsmöglichkeiten in den Vorbereitungsdienst für Universitätsabsolventen mit passendem Abschluss.

Frage 2. Hat es seitens der Landesregierung oder der beiden Hochschulen bereits Überlegungen zu einer solchen Vernetzung in der Berufsschullehrerausbildung zwischen den Hochschulen gegeben?

Frage 3. Wenn nein, warum nicht?

Es haben in den Jahren 2002 bis 2004 intensive Gespräche auf der Ebene Wissenschafts- und Kultusministerium unter Einbindung der Hochschulen zur "Neukonzeption eines Studiengangs für das Lehramt an beruflichen Schulen" stattgefunden und werden auch fortgeführt.

Frage 4. Wenn ja, zu welchem Ergebnis haben diese Überlegungen geführt?

Frage 5. Gibt es bereits konkrete Pläne zu einer gemeinsamen Ausbildung von Berufsschullehrern an den beiden Gießener Hochschulen?

Zwischen der Justus-Liebig-Universität und der FH Gießen-Friedberg wurde im August 2004 die Vereinbarung "Kooperativer Modellstudiengang für das Lehramt an beruflichen Schulen" abgeschlossen. Dieses Konzept wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ausdrücklich begrüßt.

Neue Studiengänge, die eine Kooperation zwischen Universität und Fachhochschule in Hessen anstreben, können ab dem Jahr 2007 aus dem neu aufgelegten hessischen Studienstrukturprogramm unterstützt werden. Sollten die beiden Hochschulen hier eine erste Priorität für eine Anschubfinanzierung aus zentralen Mitteln vorschlagen und damit die Regelförderung im Rahmen der Leistungsabgeltung vorsehen, kann das Vorhaben in den ersten beiden Jahren entsprechend finanziell unterstützt werden.

Frage 6. Falls nein, hält die Landesregierung eine solche Vernetzung für wünschenswert und wird entsprechende Schritte einleiten?

In mehreren Gesprächen zwischen den beteiligten Ressorts, aber auch mit dem Hessischen Forum Wissenschaft-Wirtschaft ist diese Kooperation ausdrücklich begrüßt worden.

Das Hessische Forum Wissenschaft-Wirtschaft wird gemeinsam von der Landesregierung, der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände, der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Industrie- und Handelskammern und den Präsidentenkonferenzen der hessischen Universitäten und Fachhochschulen getragen. Es organisiert den Dialog über gemeinsame Themen insbesondere durch Workshops, Seminare oder andere Veranstaltungsformen. Dazu gehören Fragen sowohl zu Lehre und Studium wie auch zu Forschung und Entwicklung.

Die Konferenz der hessischen Fachhochschulen äußerte sich im gleichen Sinn.