Auch hier ist die Verbraucherzentrale NRW ein kompetenter Partner

Berücksichtigung des demografischen Wandels - auch im Sektor der Finanzprodukte für Senioren

I. Der Landtag stellt fest: Bankgeschäfte werden bereits heute bedeutend von der demografischen Entwicklung beeinflusst. Die Generation der über 55jährigen besitzt mehr als die Hälfte des gesamten Geldvermögens in Deutschland - rund zwei Billionen Euro. Damit sind sie im besonderen Maße von einer qualitativ hochwertigen Beratung bei Finanzprodukten abhängig.

Auch hier ist die Verbraucherzentrale NRW ein kompetenter Partner. Mit 57 Beratungsstellen bietet sie ein flächendeckendes Netz ortsnaher Verbraucherberatungen. Durch den Abschluss der finanziellen Vereinbarung mit der Verbraucherzentrale NRW im Jahr 2007 wurde erstmals eine mehrjährige finanzielle Planungssicherheit geschaffen, die bisher bundesweit einmalig ist.

Seniorinnen und Senioren führen Bankgeschäfte meist ausschließlich bei ihrer Hausbank aus. Bislang bietet nur ein geringer Teil der Banken altersspezifische Produkte an, obwohl die Generation der über 50jährigen bei vielen etablierten Banken und Sparkassen fast die Hälfte aller Kunden ausmacht.

Bei der Vergabe von Krediten an Seniorinnen und Senioren sind Banken oft zurückhaltend.

Übliche Annuitätendarlehen eignen sich auf Grund ihrer langen Laufzeiten von 25 bis 30 Jahren nicht für Seniorinnen und Senioren. Immobilienkredite, kleine Verbraucherdarlehen, Überziehungslinien, Kreditkarten oder Ratenzahlung: die Geldinstitute fürchten, dass Menschen ab einem gewissen Alter ihre Schulden nicht mehr restlos abbezahlen können. Ob sie schuldenfrei sind, eine üppige Rente beziehen oder besonders vermögend sind ist dabei oft unrelevant. In der Regel gilt: je älter der Kunde, desto kleiner die Chance, Geld zu erhalten.

Mit Blick auf die zunehmende Lebenserwartung und den steigenden Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. Es gilt umzudenken und bedürfnisorientierte Lösungen im Sinne einer generationgerechten Teilhabe zu finden. Notwendig ist die Entwicklung spezieller Kreditprodukte für Ältere, die in vielen anderen Ländern längst gängige Praxis sind.

In den USA und in Großbritannien ist der Immobilienverzehr via Umkehrdarlehen (Reverse Mortgages) schon seit Jahren fester Bestandteil der Alterssicherung. Seniorinnen und Senioren mit abbezahlter oder nur gering belasteter Immobilie nehmen eine Hypothek auf, die entweder als einmalige Summe oder als monatliche Rente ausgezahlt wird. Im Gegensatz zum klassischen Darlehen bleibt der Kredit aber so lange tilgungsfrei, bis der Eigentümer verstirbt oder auszieht (z.B. in ein Altersheim) ­ dann wird die Kreditschuld aus dem Immobilienerlös beglichen. Hierzulande suchte man derartige Produkte derzeit noch vergebens.

Auch die Auswahl des Beratungspersonals durch die Finanzinstitute spielt eine große Rolle.

Bei der seriösen Vermittlung von Finanzdienstleistungen ist die Herstellung einer vertrauensvollen Bank-Kunden-Beziehung von entscheidender Bedeutung. Gerade Seniorinnen und Senioren schätzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders, zu denen sie bereits ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben.

Darüber hinaus sind die kundenfreundliche Gestaltung von Filialen sowie weitere Serviceleistungen wichtige Faktoren eines qualitäts- und kundenorientierten Finanzdienstleisters.

Zu einem umfassenden Serviceangebot gehören gute Erreichbarkeit der Filiale sowie ein barrierefreier Zugang. Hilfestellungen müssen selbstverständlicher werden, beim Ausfüllen von Formularen, bei der Erläuterung von wenig vertrauten Fachbegriffen, bei der Lesbarkeit von Kontoauszügen oder im Umgang mit Bankautomaten.

II. Der Landtag beschließt:

1. Die Landesregierung wird aufgefordert, im Sinne einer flächendeckenden Verbraucherberatung - auch im besonderen Interesse älterer Menschen in NRW - das bestehende Beratungsstellennetz zu erhalten und - wo nötig - zu ergänzen.

2. Wir erwarten von Seiten des Finanzdienstleistungssektors, dass er auf die besonderen Anforderungen des demographischen Wandels reagiert, mit dem Ziel,

· eine Steigerung des Serviceausbaus und Produktentwicklung - insbesondere für ältere Menschen - herbeizuführen;

· bestehende Hürden, die innovativen Angeboten im Wege stehen, zu beseitigen;

· darauf hinzuwirken, dass die Geschäftsstellen der Finanzdienstleister ausreichend senioren- und behindertengerecht ausgestattet sind bzw. werden und

· einzelne, bereits bewährte Beispiele aus der Praxis stärker zu bewerben.