Waldorfschulen

Ganztagsangebot bedarfsgerecht weiter ausbauen ­ Flexibilisierung an weiterführenden Schulen ermöglichen Ganztagsangebote bieten sowohl die Chance, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, als auch die schulische Förderung der Schülerinnen und Schülern zu vertiefen.

Gerade auch durch die anteilige Flexibilisierung der Landesmittel wird den Schulen darüber hinaus die Möglichkeit eröffnet, außerschulische Partner in den Schulalltag einzubinden, Profilsetzungen wahrzunehmen, regionale Kontexte zu berücksichtigen und die Vielfalt der unterschiedlichen Bildungsträger vor Ort für eine umfassende Bildung der Kinder und Jugendlichen zu integrieren.

In den vergangenen Jahren konnte neben dem massiven Ausbau der Ganztagsangebote im Primarbereich an Grund- und Förderschulen auch das Angebot gebundener Ganztagsschulen an den weiterführenden Schulen kontinuierlich ausgeweitet werden. Inzwischen verfügt rund jede zweite Hauptschule über ein Ganztagsangebot, über 60 Prozent der Förderschulen halten ein Ganztagsangebot vor und mit dem Ausbau von 116 Gymnasien und 100 Realschulen schreitet auch an diesen Schulen erstmalig der Ganztagsausbau flächendeckend voran; Gesamtschulen verfügten bereits vor 2005 als einzige Schulform zu mehr als 90 Prozent über ein Ganztagsangebot.

Die Ganztagsprogramme der letzten Legislaturperiode können damit als ein Erfolg bewertet werden. Nach dem bisherigen erfolgreichen Ausbau stellen sich nun neue Herausforderungen. Hierbei müssen bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Ganztagsausbaus die Elternwünsche auch zukünftig konsequent Berücksichtigung finden. Zum einen ist es daher notwendig, um Eltern Wahlmöglichkeiten zu eröffnen und auch zu erhalten, sowohl Halbtagsals auch Ganztagsangebote in zumutbarer Entfernung anzubieten. Einen Zwang zum Ganztag kann und darf es nicht geben. Die Entwicklungen der letzten Jahre verdeutlichen, dass die Entscheidungen von Schulen, kein Ganztagsangebot einzurichten, in den unterschiedlichen Wünschen vor Ort begründet liegen. Ziel muss ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Ganztags- und Halbtagsschulen sein, bei erweiterter Flexibilisierung des Angebotes.

Zukünftig sollte daher, um auch weiterhin eine möglichst vielfältige Angebotsstruktur sicherzustellen, auch die Einrichtung von Ganztagszügen an einzelnen Schulen ermöglicht werden. So können z. B. an einer vierzügigen Schule zukünftig zwei Züge als Ganztagsschule und zwei Züge als Halbtagsschule angeboten werden. Diese Flexibilisierung würde sowohl die durch die von der Vorgängerregierung initiierte erfolgreiche Ganztagsoffensive der umfassenden Etablierung eines flächendeckenden Ganztagsangebots noch weiter beschleunigen als auch den unterschiedlichen Elternwünschen entsprechen.

Jedoch ist es falsch, beim Ganztagsausbau in die alte Praxis vor 2005 zurückzufallen und die übergroße Mehrheit der Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien, den Real- und Hauptschulen zukünftig beim Ausbau der Ganztagsangebote aus ideologischen Gründen erneut zu benachteiligen. Der rot-grüne Koalitionsvertrag sieht vor, das alte Ganztagsprivileg der Gesamtschulen wieder aufleben zu lassen. Dies ist für einen fairen Wettbewerb aller Schulformen nicht hinnehmbar. Der umfassende Ausbau der Ganztagangebote an allen Schulformen bildet einen zentralen Baustein zur Verbesserung der individuellen Förderung.

Trotz der angekündigten massiven Neuverschuldung der rot-grünen Minderheitsregierung, deren Lasten den Spielraum der heutigen Kinder und Jugendlichen über Jahrzehnte einengen wird, werden die zur Verfügung stehenden Mittel für den Ganztagsaubau begrenzt sein.

Nach dem erfolgreichen Ganztagsausbau der vergangenen Jahre unterscheiden sich nach Informationen des Ministeriums für Schule und Weiterbildung die Versorgungsquoten der einzelnen Schulformen mit einem Ganztagsangebot zum 1. August 2010 jedoch nach wie vor deutlich. An den Grundschulen erreicht diese Quote rund 86 Prozent, an den Waldorfschulen rund 65 Prozent und an den Förderschulen rund 64 Prozent. Die gebundenen Ganztagsangebote an Hauptschulen liegen demnach bei rund 50 Prozent, die Realschulen und die Gymnasien, denen der Ausbau unter der damaligen rot-grünen Landesregierung verwehrt wurde, erreichen inzwischen aufgrund der Ganztagsoffensive rund 23 bzw. rund 22 Prozent. Die Gesamtschulen erreichen mit rund 95 Prozent den mit Abstand höchsten Wert.

Anstatt daher als Automatismus zunächst den wenigen im Halbtag verbliebenen Gesamtschulen den Ganztag zu ermöglichen und damit zur alten Gesamtschulprivilegierung zurückzukehren, sollten gezielt die Angebote an denjenigen Schulformen ausgebaut werden, die in der Vergangenheit unter Rot-Grün diskriminiert wurden, und sollten die begrenzten finanziellen Mittel des Landes nicht prioritär den wenigen verbliebenen Gesamtschulen ohne Ganztag bereitgestellt werden, da die Schulen dieser Schulform bereits heute nahezu vollständig über den Ganztag verfügen.

Der Koalitionsvertrag von SPD und Grünen zeigt auch im Bereich der sogenannten Gemeinschaftsschulen eine deutliche ideologische Bevorzugung des Ganztagsbaus, der dort mit Priorität erfolgen soll. Dieses kann in der Folge im Rahmen begrenzter finanzieller Ressourcen tatsächlich nichts anderes als eine Bevorzugung der Gemeinschaftsschulen und die Diskriminierung anderer Schulformen und damit der dortigen Kinder, Eltern und Lehrer bedeuten. Darüber hinaus würde bei einem massiven Ausbau der sogenannten Gemeinschaftsschulen als automatische Ganztagsschulen mittelfristig die Entscheidungsfreiheit der Eltern abgeschafft werden, die eine Wahl zwischen einem Ganztags- und Halbtagsangebot wünschen.

I. Der Landtag stellt fest,

1. dass in der vergangenen Legislaturperiode das gebundene Ganztagsangebot an den Förderschulen, den Haupt- und Realschulen sowie den Gymnasien massiv ausgeweitet wurde,

2. dass der bedarfsgerechte Ganztagsausbau in der laufenden Legislaturperiode fortgesetzt werden muss,

3. dass es sich bei dem Ganztagsausbau um Angebote handeln muss und sich kein Zwang zum Besuch von Ganztagsschulen entwickeln darf, um Eltern auch zukünftig Wahlmöglichkeiten zu erhalten.

II. Der Landtag fordert die Landesregierung auf,

1. sicherzustellen, dass wie bei allen bestehenden Schulen auch den bereits neu genehmigten Ganztagsschulen aller Schulformen Vertrauensschutz gewährt wird,

2. zukünftig den Ganztagsausbau bedarfsgerecht fortzusetzen und nicht aus ideologischen Gründen einzelne Schulformen zu bevorzugen,

3. die Möglichkeit der Flexibilisierung des Ganztagsangebots an weiterführenden Schulen und somit an einzelnen Schulen sowohl Züge im Halb- als auch im Ganztag zu eröffnen,

4. bis zum Ende des laufenden Kalenderjahres einen Plan zur Umsetzung vorzubereiten und dem Landtag vorzulegen,

5. beginnend mit dem kommenden Schuljahr eine bedarfsgerechte Flexibilisierung an allen weiterführenden Schulen zu ermöglichen.