Evaluation des vollschulischen Grundbildungsjahres in Hessen

Derzeit wird unter Federführung des Instituts für Qualitätsentwicklung im Rahmen des "Modellprojekt Blickpunkt BGJ" eine dreiphasige Evaluation des vollschulischen Grundbildungsjahres in Hessen durchgeführt. Zentrale Ziele sind laut einer Darstellung des Instituts für Qualitätsentwicklung die Generierung gesicherter Erkenntnisse über die (Ausbildungs)anschlüsse von Absolventen des BGJ an beruflichen Schulen; die Ermittlung von Faktoren, die den Übergang in eine Berufsausbildung und die Anerkennung als erstes Ausbildungsjahr fördern bzw. hemmen; die Erhebung von Entwicklungsbedarfen im Sinne einer Qualitätssteigerung und Optimierung des BGJ und schließlich die deutliche Steigerung der Anerkennung des BGJ auf die Berufsausbildung durch die ausbildende Wirtschaft bis 2008.

Im ersten Abschnitt des Modellversuchs wird für das Schuljahr 2005/2006 eine Bestandsanalyse zur Quantifizierung der erfolgten Abschlüsse, der Ausbildungsverträge insgesamt und des Besuchs anderer Bildungsgänge durchgeführt. Damit soll die Ausgangslage vor dem Inkrafttreten der neuen Verordnung über das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) in vollzeitschulischer Form beschrieben und analysiert werden. In einer zweiten Phase soll dann für das Schuljahr 2006/2007 analysiert werden, welche Effekte die neue Verordnung über das Berufsgrundbildungsjahr in vollzeitschulischer Form gehabt hat. Laut Institut für Qualtätsentwickung zielt die vergleichenden Evaluation der so erhobenen Daten, die bis zum 31. Dezember 2007 ausgewertet werden sollen, auf die Erfassung und Bewertung der Auswirkungen, die die neue Verordnung im Hinblick auf Qualität, Organisation, Verbleib und Bildungsströme hatte. Dieser Vergleich bildet die Grundlage für die abschließende dritte Phase, die bis März 2008 die Fertigstellung des Abschlussberichtes und den Ergebnistransfer vorsieht.

Die neue Verordnung, die am 1. August 2006 in Kraft getreten ist, beinhaltet einige wichtige Änderungen. Diese betreffen insbesondere die Zugangsvoraussetzungen (benötigt wird nun ein Hauptschulabschluss), die Verschiebung des Anmeldedatums vom 31. März auf den 30. April, die Einführung eines verpflichtenden Betriebspraktikums und die Einrichtung einer Abschlussprüfung. Sie ist allerdings erst im August 2006 in Kraft getreten und die Auswahl- und Aufnahmeverfahren für Schülerinnen und Schüler werden von beruflichen Vollzeitschulen üblicherweise bereits in den Monaten Februar/März vor Beginn des neuen Schuljahres durchgeführt. Die Übergangsregelung der Verordnung über das Berufsgrundbildungsjahr § 18 lautet: "Schülerinnen und Schüler, die spätestens im Schuljahr 2005/2006 in das Berufsgrundbildungsjahr aufgenommen worden sind, können die Ausbildung nach den bisherigen Vorschriften abschließen." Vorbemerkung der Kultusministerin:

Der erfolgreiche Besuch des Berufsgrundbildungsjahres in vollzeitschulischer Form kann unter bestimmten Voraussetzungen auf die Berufsausbildung angerechnet werden. Bis zum 31. Juli 2006 wurde dies durch eine Verordnung des Bundes geregelt. Ab dem 1. August 2006 erfolgt diese Regelung durch eine Verordnung des Landes Hessen. Die darin vorgesehene verpflichtende Anrechnung des BGJ wird vor allem von Vertretern der Wirtschaft als problematisch bezeichnet. Der Landesausschuss für Berufsbildung hat deshalb der Landesregierung empfohlen, eine begleitende Evaluation vorzunehmen.

Erstmals wird deshalb eine Verordnung einer Schulform im Sinne eines Qualitätsmanagements umfangreich evaluiert. Der vorliegende Bericht stellt die Phase 1 einer Gesamtevaluation dar, in der die bekannten Strukturprobleme des BGJ empirisch erfasst werden. In einer folgenden zweiten Phase (nach Schuljahr 2006/2007) werden die Auswirkungen der neuen Verordnung untersucht, um dann in einer dritten Phase eine Analyse und eine Auswertung vornehmen zu können (2008).

Das Funktionieren des Qualitätsmanagements wird dadurch hergestellt, dass die Ergebnisse dieser Studie in einer Neufassung einer BGJ-Verordnung einbezogen werden. Dies geschieht dann zum 1. August 2009. In dieser neuen Verordnung werden die Ergebnisse der Evaluation und das Außerkrafttreten der gültigen Anrechnungsverordnung zum 31. Juli 2009 berücksichtigt.

Diese Vorbemerkungen vorangestellt, beantworte ich im Einvernehmen mit dem Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung die Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1. Fand die neue Verordnung über das Berufsgrundbildungsjahr in vollzeitschulischer Form vom 18. Mai 2006 flächendeckend und vollständig, auch hinsichtlich der Zugangsvoraussetzung Hauptschulabschluß, Anwendung auf alle Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2006/2007 das vollschulische Berufsgrundbildungsjahr absolvieren?

Zur Beantwortung dieser Frage wurde eine Befragung aller hessischen Berufsschulen mit der Schulform BGJ mit dem nachfolgenden Fragenkatalog durchgeführt:

Wie viele Schülerinnen und Schüler werden im Schuljahr 2006/2007 im BGJ unterrichtet?

Wie viele Schülerinnen und Schüler davon wiederholen nach § 18 der BGJVO diese Schulform?

Wie viele Schülerinnen und Schüler werden gemäß Entscheid der Schulleiterin bzw. des Schulleiters nach § 4 Abs. 1 ohne Hauptschulabschluss beschult?

Werden die BGJ-Schülerinnen und BGJ-Schüler nach der neuen Stundentafel unterrichtet?

Die Umfrage ergab folgendes Ergebnis:

Von den 2916 von der Umfrage erfassten Schülerinnen und Schüler wiederholen 27 Schülerinnen und Schüler die Schulform. Lediglich 73 Schülerinnen und Schüler besitzen keinen Hauptschulabschluss, was einem Anteil von 2,5 v.H. entspricht (im Vgl. dazu: im Schuljahr 2005/2006 besaßen 4,1 v.H. aller BGJ-Schülerinnen und BGJ-Schüler keinen Hauptschulabschluss).

Die wiederholenden Schülerinnen und Schüler wurden nach § 18 (Übergangsregelung) und die Schülerinnen und Schüler ohne Hauptschulabschluss nach § 4 Abs. 1 (Zugangsvoraussetzungen und Aufnahme) aufgenommen.

Alle erfassten Schülerinnen und Schüler werden nach der neuen Stundentafel unterrichtet, das heißt die neue Verordnung wird flächendeckend umgesetzt.

Frage 2. Falls nein:

a) Hinsichtlich welcher Kriterien, in welchem Umfang und aus welchen Gründen wurde der neuen Verordnung für den Schülerjahrgang 2006/2007 ganz oder teilweise nicht entsprochen?

b) Welche Aussagekraft können nach Auffassung der Landesregierung unter diesen Umständen die Ergebnisse der vergleichenden Evaluation haben, die auf die Auswirkungen der neuen Verordnung im Vergleich der Schuljahre 2005/2006 und 2006/2007 ausgerichtet ist?

c) Wie begegnet die Landesregierung der Kritik, dass Phase 2 des Evaluationsprozesses zeitlich falsch angelegt sei, da in dieser Phase etwas untersucht werden solle, was aufgrund der noch nicht erfolgten flächendeckenden Umsetzung der neuen Verordnung zum vorgesehenen Zeitpunkt noch gar nicht untersuchbar sei?

d) Beabsichtigt die Landesregierung Änderungen im Zeitplan der Evaluation, z.B. eine Verschiebung des Evaluationszeitraumes der 2. Phase oder andere Maßnahmen, um für die Erhebung der Vergleichszahlen über eine geeignete Datenbasis zu verfügen, die die Effekte der neuen Verordnung über das Berufsgrundbildungsjahr in vollzeitschulischer Form tatsächlich messbar macht?

Falls ja, wie sehen diese Änderungen aus und bis wann sollen sie realisiert sein, falls nein, warum nicht?

e) Wie bewertet die Landesregierung die handwerklichen Fehler im Rahmen des oben genannten Verfahrens, wer hat sie politisch zu verantworten und wie stellt die Landesregierung sicher, dass künftig solche Fehler vermieden werden?

Wegen der flächendeckenden Umsetzung der Verordnung entfällt die Beantwortung der Frage 2.

Frage 3. Welche Kosten sind insgesamt für die Evaluation des BGJ veranschlagt und wie verteilen sich diese auf die drei Phasen?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind für die Evaluation zwei Phasen geplant.

Insgesamt sind dabei für die Evaluation 786.400 veranschlagt. Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung ist an der Evaluation und der Finanzierung beteiligt.

Von den Gesamtkosten entfallen auf die erste Phase 355.900 und auf die zweite Phase 430.500. Vom Europäischen Sozialfonds (ESF) werden 46 v.H. der veranschlagten Kosten übernommen.

Eine Verlängerung des Projektes bis 30. Juni 2008 ist möglich und in Planung. Die Kosten für diese Verlängerung (dann dritte Phase) werden sich auf 127.377 belaufen.

Frage 4. Welche Mittel sind in der dritten Phase des Modellprojektes für die Erstellung des Abschlussberichtes veranschlagt und Mittel in welcher Höhe sind für den Ergebnistransfer vorgesehen?

Der Verlängerungsantrag ist derzeit in der fachlichen Prüfung, sodass ein endgültiger Budgetbedarf noch nicht vorliegt. Vorgesehen sind ein Abschlussbericht und eine Gesamtevaluation der Ergebnisse. Die im Verlängerungsantrag vorgelegten Inhalte sind derzeit in der fachlichen Prüfung.

Frage 5. Wie sind die beruflichen Schulen (gegebenenfalls welche beruflichen Schulen) in den Prozess des Ergebnistransfers eingebunden und werden sie hierzu gegebenenfalls mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet, falls ja, in welcher Höhe und für welchen Zeitraum?

Falls nein, warum nicht?

Die betroffenen Schulen sind wie folgt in den Ergebnistransfer eingebunden: Zwecks Offenlegung der Ergebnisse und Herstellung von Transparenz werden die Ergebnisse auf vier regionalen Veranstaltungen präsentiert.

Zwei Veranstaltungen fanden bereits statt:

- Am 28. November 2006 in Frankfurt (Süd 2), eingeladen waren die Schulleiterin bzw. der Schulleiter aus 26 Schulen und eine BGJLehrkraft; vertreten waren 24 Schulen.

- Am 28. November 2006 in Darmstadt (Süd 1), eingeladen waren 16

Schulen, von denen 13 vertreten waren.

Für die Regionen Nord und Mitte finden die Veranstaltungen am 7. Februar 2007 und am 12. Februar 2007 statt.

Dieses Projekt ist als Evaluationsprojekt angelegt. Es werden außer der zentral vorgenommenen Evaluation keine Maßnahmen angesetzt, sodass die Bereitstellung von Ressourcen (mit Ausnahme der in Frage drei erwähnten) nicht notwendig ist.