Ganztagsschulen

69 - MSW (Epl. 05) Deutliche Veränderungen waren auch bei den Übergängen von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen festzustellen. Zwar waren bis zum Schuljahr 2009/10 bei allen Schulformen die Anfängerzahlen im Jahrgang 5 rückläufig (z. T. nur geringfügig). Die Veränderungen gingen aber vorrangig zu Lasten der Hauptschulen, bei denen die Schülerzahlen um 36 v. H. abnahmen.

Nach einer vom Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) im August 2009 vorgelegten Prognose ist bis zum Schuljahr 2029/30 im Vergleich zum Schuljahr 2008/09 mit einem weiteren Rückgang der Schülerzahlen um 20 v. H. zu rechnen, der sich - bei unveränderten Übergangsquoten - mit 31 v. H. erneut vor allem zum Nachteil der Hauptschule auswirken wird.

Entwicklung der öffentlichen Hauptschulen Angesichts des erheblichen Schülerrückgangs stellte sich die Frage, ob die Hauptschulen noch die einschlägigen Vorgaben zur Mindestgröße von Schulen und zur Klassenbildung einhalten konnten. Diese sahen für die Hauptschule grundsätzlich zwei Parallelklassen pro Jahrgang und damit insgesamt zwölf Klassen vor, die regelmäßig jeweils 24 Schüler, zumindest aber 18 Schüler haben sollten. Die Regelgröße einer zweizügigen Hauptschule betrug dementsprechend 288 Schüler und die Mindestgröße 216 Schüler.

Diese Vorgaben konnten die Hauptschulen im Untersuchungszeitraum mit zunehmender Tendenz nicht mehr erfüllen, obwohl ihre Anzahl bis zum Beginn des Schuljahres 2009/10 bereits um 65 zurückgegangen war.

Dementsprechend wurden die verbliebenen 664 Hauptschulen immer kleiner. So erreichten gerade noch 337 Schulen (51 v. H.) die Regelgröße, 218 Schulen (33 v. H.) nur noch die Mindestgröße und 109 Schulen MSW - 70 (Epl. 05) (16 v. H.) unterschritten selbst diese. Insgesamt 166 Hauptschulen (25 v. H.) waren nicht mehr in der Lage, die für den geordneten Schulbetrieb vorgegebene Zweizügigkeit über alle Jahrgangsstufen einzuhalten; dabei blieb offen, ob die für diese zu kleinen Schulen im Schulgesetz vorgesehenen Ausnahmetatbestände - Weg zu anderer Schule nicht zumutbar, Hauptschule von entscheidender Bedeutung für soziale und kulturelle Entwicklung der Gemeinde - gegeben waren.

Der Richtwert von 24 Schülern je Klasse wurde, bezogen auf alle Hauptschulklassen des Landes, über den gesamten Untersuchungszeitraum unterschritten. Im Schuljahr 2009/10 betrug die durchschnittliche Klassenfrequenz nur noch 21,56 Schüler und war damit kleiner als jemals zuvor im Untersuchungszeitraum.

Die Schulträger reagierten auf diese Entwicklung z. T. durch Schulschließungen, indem sie entweder einen Standort ersatzlos wegfallen ließen oder aus mehreren Schulen eine Schule mit Teilstandorten bildeten. Andere Schulträger machten von der im Jahr 2006 neu geschaffenen Möglichkeit Gebrauch, unter bestimmten Voraussetzungen bestehende Hauptschulen mit einer bestehenden Real- oder Gesamtschule zu Verbundschulen zusammenzuschließen oder - ausnahmsweise - eine bestehende Haupt- oder Realschule um einen Zweig der jeweils anderen Schulform zu erweitern. Bis zum Schuljahr 2009/10 wurden insgesamt 18 Verbundschulen eingerichtet, zwei davon zum Schuljahr 2006/07, sechs zum Schuljahr 2008/09 und zehn zum Schuljahr 2009/10. Lediglich in drei Fällen handelte es sich dabei um den vorgesehenen Regelfall eines organisatorischen Zusammenschlusses von bestehenden Haupt- und Realschulen; in den übrigen Fällen wurden bestehende Hauptschulen um neue Realschulzweige erweitert.

Im Rahmen dieser Untersuchung ließ sich wegen des kurzen Erfahrungszeitraums nicht zuverlässig beurteilen, ob diese Bemühungen zu einer

- MSW (Epl. 05) Stabilisierung oder einem Anstieg der Schülerzahlen in den Hauptschulzweigen führen werden. Erste Entwicklungstendenzen deuteten eher in die gegenteilige Richtung. So hatten im vierten Jahr des Betriebes der beiden erstgegründeten Verbundschulen die Schülerzahlen in den Hauptschulzweigen abgenommen, während die Realschulzweige Schülerzuwächse erfuhren. Auch bei den sechs zum Schuljahr 2008/09 eingerichteten Verbundschulen wiesen die Hauptschulzweige im zweiten Jahr des Verbundes ganz überwiegend weiter sinkende Schülerzahlen aus, während diese bei den Realschulzweigen entsprechend zunahmen.

Als Ergebnis war jedenfalls festzustellen, dass zum Beginn des Schuljahres 2009/10 von den 396 Gemeinden in NRW 47 (12 v. H.) keine eigenständige Hauptschule mehr hatten und 242 (61 v. H.) nur noch eine.

Ausbau des Ganztagsangebotes

Im Rahmen der Qualitätsoffensive Hauptschule wurden bis zum Beginn des Schuljahres 2009/10 insgesamt 230 ehemalige Halbtags- und herkömmliche Ganztagshauptschulen in erweiterte Ganztagshauptschulen umgewandelt. Damit wurden - einschließlich der noch verbliebenen 107 herkömmlichen Ganztagshauptschulen - bereits 337 Hauptschulen (51 v. H.) im Ganztagsbetrieb geführt.

Herkömmliche Ganztagsschulen erhalten neben ihren Grundstellen für den normalen Unterricht einen Stellenzuschlag von 20 v. H. für den Ganztagsbetrieb. Bei den erweiterten Ganztagsschulen beträgt dieser Zuschlag 30 v. H. Der Ausbau erweiterter Ganztagsangebote im Hauptschulbereich hatte daher erhebliche finanzielle Auswirkungen. So wurden allein für den Ausbau im Jahr 2009 zum Beispiel 713 zusätzliche Stellen bzw. 30,5 Mio. im Landeshaushalt veranschlagt.