Unterrichtsausfallstatistik

Die Anregung des LRH zur Einführung einer Unterrichtsausfallstatistik an allen Schulen hatte das Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) nicht aufgegriffen. Allerdings erhebt es seit dem Jahr 2001 regelmäßig seit dem Jahr 2005 jährlich - die Unterrichtserteilung / den Unterrichtsausfall an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen des Landes. Hierbei stützt sich das MSW auf Meldungen von (zuletzt) 602 zufällig ausgewählten Schulen, die sich - rückblickend - auf einen Zeitraum von zehn Schultagen beziehen. Der Anteil des ersatzlos ausgefallenen Unterrichts ging danach von 4,3 v. H. im Jahr 2001 auf 2,0 v. H. im Jahr 2008 zurück.

Nach der letzten Veröffentlichung des MSW fielen im Schuljahr 2008/09 rd. 2,3 v. H. des Unterrichts ersatzlos aus.

Im Mai 2006 hatte die damalige Landesregierung anlässlich der Beantwortung einer Kleinen Anfrage eine flächendeckende Gesamterhebung der Unterrichtsversorgung in NRW in Aussicht gestellt. Diese Gesamterhebung gibt es bis heute nicht. In ihrer Antwort auf die Große Anfrage 40 von Februar 2010 hat die Landesregierung vielmehr ausgeführt, die Einführung einer zentralen, flächendeckenden und ganzjährigen Dokumentation von Unterrichtserteilung und Unterrichtsausfall werde bei einem vorsichtig kalkulierten, durchschnittlichen wöchentlichen Zeitaufwand von mindestens einer Stunde je Schule Ressourcen im Umfang von rund 220 Stellen beanspruchen. Handlungsleitend für die Landesregierung sei jedoch, dass weniger Stellen in Bürokratie und mehr Stellen in die Unterrichtserteilung fließen sollten.

Anlass der erneuten Prüfung des Unterrichtsausfalls war es, in einem angemessenen zeitlichen Abstand zu der vorangegangenen Untersuchung des LRH festzustellen, ob und in welchem Umfang sich die Situation unterdessen verbessert hat. Darüber hinaus sollten auch Erkenntnisse dahingehend gewonnen werden, ob die Stichproben des MSW, die nur einen Bruchteil des Schuljahres abbilden und von den früheren Untersuchungsergebnissen des LRH deutlich abweichen, ein zutreffendes Bild über Unterrichtserteilung und -ausfall an den Schulen des Landes vermitteln.

Der LRH hat gemeinsam mit den Staatlichen Rechnungsprüfungsämtern bei von ihm ausgesuchten Schulen den Unterrichtsausfall und die dafür maßgeblichen Gründe für das komplette Schuljahr 2008/09 erhoben.

Die Prüfung wurde ausschließlich bei öffentlichen allgemeinbildenden Schulen - Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen - durchgeführt. Wegen der äußerst zeitaufwändigen Erhebungen wurde die Untersuchung auf eine aussagekräftige Stichprobe von insgesamt 105 Schulen und rund 2,7 Mio. Unterrichtsstunden begrenzt.

Trotz verschiedener Unzulänglichkeiten und aufgetretener Auswertungsprobleme boten die geprüften Unterlagen insgesamt betrachtet eine Datengrundlage, die verwertbare Erkenntnisse im Sinne des Erhebungszieles zuließ. Der LRH hat unklare Sachverhalte immer zugunsten der Schulen gewertet, sodass der tatsächliche Unterrichtsausfall höher gewesen sein dürfte, als nachfolgend dargestellt.

Aus den Planabweichungen abzüglich des Vertretungsunterrichts errechnet sich der Unterrichtsausfall.

Die in die Stichprobe einbezogenen Unterrichtsstunden wurden zunächst auf Abweichungen vom Stundenplan untersucht. Planabweichungen lagen für den LRH immer dann vor, wenn der Unterricht entweder gar nicht oder nicht durch die vorgesehene Lehrkraft erteilt wurde. Dabei wurde Unterricht in besonderer Form, zu dem unstreitig z. B. Schulfahrten, Wandertage und Projekttage gehören, nicht als Planabweichung, sondern als regulärer Unterricht gewertet. Kritisch betrachtet der LRH in diesem Zusammenhang jedoch die festgestellten vielfältigen Unterrichtsvarianten, die sich in den Klassenbüchern der weiterführenden Schulen nach den Zeugniskonferenzen oder vor den Ferien fanden, wie z. B. Eisessen, Chillen auf dem Schulhof oder das Sehen von Filmen wie Harry Potter, Asterix, Ice Age. Gleichwohl hat er auch diese Varianten ausnahmslos als Unterricht in besonderer Form gewertet.

Im Ergebnis wurden auf diese Weise über alle geprüften Schulformen Planabweichungen in einem Umfang von 317.083 Unterrichtsstunden (rd. 11,7 v. H.) ermittelt. Gegenüber der Ende der 90er Jahre vom LRH durchgeführten Erhebung stellte dies eine Verbesserung um 2,2 Prozentpunkte dar.

Nach den getroffenen Feststellungen konnte ein Großteil der Planabweichungen durch Vertretungsregelungen aufgefangen werden.

Insoweit war zunächst ein - im Vergleich zu der früheren Erhebung des LRH - deutlicher Anstieg des klassischen, durch eine Lehrkraft erteilten Vertretungsunterrichts zu verzeichnen. Dabei machte es für den LRH keinen Unterschied, ob die Lehrkraft fachfremden Unterricht oder Unterricht nach Stundenplan erteilte.