Unterrichtsstunde

Allerdings stellte sich nicht jede als vertreten deklarierte Unterrichtsstunde als klassische Vertretung heraus. So wurden wiederholt verschiedene Klassen / Kurse einer Jahrgangsstufe oder vereinzelt auch mehrerer Jahrgangsstufen bei Ausfall einer Lehrkraft zusammengefasst und dann gemeinsam unterrichtet. Der LRH hat auch die Zusammenführung von Lerngruppen als Vertretungsunterricht gewertet, sieht aber gleichwohl zumindest dann Unterschiede zum klassischen Vertretungsunterricht, wenn die neu gebildete Gruppe eine Größe erreicht, bei der ein adäquater Unterricht nicht mehr möglich ist.

Eine weitere Vertretungsform war das Eigenverantwortliche Arbeiten (EVA), bei dem Schüler vorbereitete Aufgaben erhielten, die dann innerhalb der Unterrichtsstunde - meistens in der Schule - ohne Anwesenheit einer Lehrkraft bearbeitet und ggf. später von den Fachlehrern kontrolliert wurden. EVA kam weit überwiegend in den Oberstufen von Gymnasien und Gesamtschulen zum Einsatz und konnte im Regelfall anhand der Klassenbücher und Kurshefte oder sonstiger Unterlagen nachvollzogen werden. Dagegen hatten einige Gymnasien und Gesamtschulen die Aufgabenerteilung nicht dokumentiert. Die Schulleitungen trugen dazu vor, in der Oberstufe seien alle nicht planmäßig erteilten Stunden als durch EVA vertreten anzusehen.

Der LRH hat trotz verbliebener Vorbehalte auch die in der Kategorie EVA erfassten Stunden als Vertretungsunterricht gewertet, wenn entsprechende Nachweise vorlagen.

Im Ergebnis war danach festzustellen, dass die Schulen etwa die Hälfte der Planabweichungen, nämlich 158.774 Unterrichtsstunden, durch Vertretungen aufgefangen hatten. Der weit überwiegende Anteil davon entfiel auf Vertretungen durch eine andere Lehrkraft (121.531 Stunden), gefolgt von EVA (21.550 Stunden) und Lerngruppenzusammenführungen (15.693 Stunden).

Die Differenz zwischen den Planabweichungen und den Vertretungsstunden belief sich auf insgesamt 158.309 Unterrichtsstunden, die ersatzlos ausfielen. Das entsprach einem Unterrichtsausfall an den untersuchten Schulen von rund 5,8 v. H.

Das nachstehende Schaubild verdeutlicht, wie sich die Planabweichungen von insgesamt 11,7 v. H. So fielen beispielsweise bei den Grundschulen durchschnittlich nur 2,4 v. H. des stundenplanmäßigen Unterrichts aus, bei den Gesamtschulen hingegen 7,9 v. H. Die geringste Ausfallquote einer einzelnen Schule lag bei 0,6 v. H., die höchste bei 11,1 v. H.

Der LRH hat seine Ergebnisse auf alle 5.152 allgemeinbildenden Schulen der untersuchten Schulformen hochgerechnet und dabei das unterschiedliche Gewicht der Schulformen am Gesamtunterrichtsvolumen berücksichtigt. Danach waren in NRW insgesamt rund 4,7 Mio. Unterrichtsstunden ersatzlos ausgefallen. Das entsprach einem gewichteten Unterrichtsausfall von rund 4,8 v. H.

Unterrichtsausfall nach Gründen:

Die Prüfung war auch darauf ausgerichtet, die maßgeblichen Gründe für den Unterrichtsausfall im Einzelnen zu ermitteln. Der LRH hat die aufgetretenen Ausfallgründe insgesamt 20 Kategorien zugeordnet. Dabei zeigte sich, dass fast die Hälfte des festgestellten Unterrichtsausfalls auf schulorganisatorische Gründe zurückzuführen war (z. B. Konferenzen / Dienstbesprechungen, vorzeitiges Unterrichtsende an Tagen der Zeugnisausgabe, Elternsprechtage) und damit auf Gründe, die die Schulen beeinflussen konnten. Dementsprechend fanden sich gerade bei den schulorganisatorischen Gründen neben den negativ aufgefallenen Schulen immer wieder positive Gegenbeispiele, bei denen aus demselben Anlass keine oder nur wenige Stunden ausgefallen waren. Gemessen an den drei besten Schulen jeder Schulform hat der LRH allein bezogen auf den schulorganisatorischen Ausfall ein landesweites Optimierungspotenzial von 1,7 Prozentpunkten weniger Unterrichtsausfall errechnet.

Ein nicht unerheblicher Anteil des Unterrichtsausfalls insgesamt war darauf zurückzuführen, dass das MSW den Schulen (erneut) erlaubt hatte, an bis zu vier Unterrichtstagen im Schuljahr ganztägig Zeugniskonferenzen und schulinterne Fortbildungen zu veranstalten. Wenn alle Schulen diese Möglichkeit vollständig ausgeschöpft hätten (auch hier gab es viele Gegenbeispiele), hätte dies alleine einen landesweiten Unterrichtsausfall von rd. 2 v. H. verursacht.