Berufsbildungsgesetz

August 2011 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Finanzminister wie folgt beantwortet: Vorbemerkung der Kleinen Anfrage Praktika nach dem Studium spielen für junge Leute eine immer größere Rolle beim Berufseinstieg. Die DGB-Jugend stellte im Mai 2011 ein Positionspapier vor, in dem die These vertreten wird, dass die bereits fertig ausgebildeten und hoch qualifizierten jungen Menschen nicht im eigentlichen Sinne Praktikanten und Praktikantinnen sind, sondern in vielen Fällen Scheinpraktika machen, die reguläre Stellen ersetzen.

Weiterhin fand die DGB-Jugend in einer Befragung von 674 Hochschulabsolventen und Absolventinnen heraus, dass 81 % ihre Arbeit als vollwertig und 75 % sich als fest in den Betriebsablauf eingeplant bewerteten.

1. Wie definiert die Landesregierung ein Praktikum, um es von einem regulären Arbeitsverhältnis zu differenzieren?

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hält keine eigene Definition von Praktikum vor. Der Begriff wird für unterschiedliche Arten von Rechtsverhältnissen genutzt, die sich wie folgt beschreiben lassen:

Die für Praktika im Bereich der beruflichen Bildung maßgeblichen Rahmenbedingungen werden durch das Berufsbildungsgesetz des Bundes festgeschrieben. So beschreibt

§ 26 dass Praktika zum Erwerb beruflicher Fähigkeiten dienen: Hierbei liegt der Schwerpunkt auf dem Lernzweck zum Erwerb beruflicher Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder beruflicher Erfahrungen, ohne dass es sich um Berufsausbildung im Sinne des handelt.

Weiterhin gibt es gesetzlich nicht geregelte Praktika, die sich dadurch auszeichnen, dass der Praktikant Einblick in einen Beruf erhalten soll oder will. Beispiele hierfür sind Schülerpraktika, Praktika gemäß einer Studienordnung oder andere, freiwillige Praktika zur beruflichen Orientierung. Eine Vergütung ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen.

Schließlich gibt es Rechtsverhältnisse, die allgemein als Praktika bezeichnet werden, die aber tatsächlich keine sind. Hier wird zwar formal auf einen Lernzweck oder das Erwerben von Fertigkeiten, Kenntnissen, Fähigkeiten oder beruflicher Erfahrungen abgestellt, aber durch den sog. Praktikanten wird eine Arbeitsleistung erbracht. Es handelt sich hier aber um vergütungspflichtige Arbeitsverhältnisse, deren Höhe sich an gültigen Tarifverträgen zu orientieren hat.

2. Gibt es eine Anlaufstelle für Praktikanten, die mit ihrer Praktikumsstelle Probleme haben?

Nach Wissen der Landesregierung existiert eine solche Stelle nicht.

3. Wird durch Kontrollen beziehungsweise Gutachten überprüft, ob Arbeitsplätze durch Praktika ersetzt werden?

Seitens der Landesregierung gibt es dazu weder Kontrollen noch Erkenntnisse.

4. Ist der Landesregierung bekannt, wie viele Praktika tatsächlich in feste Arbeitsverhältnisse übergehen?

Siehe Antwort zu Frage 3

5. Hält die Landesregierung eine Aufwandsentschädigung von mindestens 300 pro Monat, wie es die DGB-Jugend fordert, für angemessen?

Eine Betragsfestlegung kann etwaigen Missbrauch nicht verhindern.

Viel wesentlicher ist die Betonung der Einbindung des Praktikums in Ausbildung und Kompetenzerwerb, wofür sich die Anbieter von Praktikumsstellen oft auch im Rahmen von Zielvorgaben, Ausbildungs- oder Lehrplänen gegenüber den entsendenden Ausbildungsstätten verpflichten und engagieren sollen und müssen.

Motivation und Engagement für gute Praktika soll gefördert werden. Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen benötigten dazu weiterhin Flexibilität und Selbstentscheidungskompetenz auch in Bezug auf etwaige Aufwandsentschädigungen.