Zusammenarbeit zwischen Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und Hochschulen ­ Wie können im Zuge der Umsetzung der Praxissemester langfristige Nachteile für den ländlichen Raum vermieden werden?

Im Rahmen des neuen Lehrerausbildungsgesetzes Gesetz über die Ausbildung für Lehrämter an öffentlichen Schulen (Lehrerausbildungsgesetz ­ LABG) ist in § 12 auch das Praxissemester verankert. Hierzu wird in § 12 Abs. 3 ausgeführt: Es wird von den Hochschulen verantwortet und ist in Kooperation mit den Schulen sowie den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung durchzuführen.

In § 30 Hochschulgesetz ist die Zusammenarbeit zwischen den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und den Hochschulen gesetzlich geregelt. Dort heißt es in § 30 Absatz 1 HG NRW, dass an lehrerbildenden Universitäten Zentren für die Lehrerbildung als eigenständige Organisationseinheiten errichtet werden und diese Einrichtungen eng mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung zusammenarbeiten sollen. § 30 Absatz 1 Satz 10

HG NRW normiert, dass die Zusammenarbeit mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung Hochschule und Zentren durch Kooperationsvertrag regeln. Wie viele Zentren mit wie vielen Hochschulen zusammenarbeiten dürfen, lässt diese Regelung ausdrücklich offen.

Im Rahmen der Umsetzung des Praxissemesters sieht die Landesregierung nun aber offenbar eine ausschließliche Zuordnung eines der Zentren zu einer Hochschule vor. In ländlichen Regionen besteht im Zuge der Umsetzung des Praxissemesters im Lehramtsstudium die Sorge, dass durch diese Zuordnung ein Nachteil für den ländlichen Raum entstehen könnte.

Es wird die Befürchtung geäußert, dass Hochschulstandorte sowie deren unmittelbare Umgebung hierdurch bevorzugt werden könnten.

Lehramtsstudenten könnten ihre Praxissemester vermehrt an diesen Hochschulstandorten oder hochschulnahen Standorten absolvieren. Für die ländlichen Regionen könnte ein entsprechend negativer Effekt entstehen, so dass Lehramtsstudenten als Folge auch bei einem Berufseintritt diese Regionen meiden würden. Somit wird ein Effekt befürchtet, der zu einer Unterversorgung mit Lehrerinnen und Lehrern zum Beispiel an beruflichen Schulen in den ländlichen Regionen führen kann.

Von Seiten der Landesregierung ist laut vorliegenden Informationen nunmehr eine Zuordnung einer Hochschule zu einem der Zentren vorgesehen. Die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen einer Hochschule und mehreren Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung soll nach Einschätzung der Landesregierung demnach aufgrund eines zu umfangreichen Abstimmungsbedarfs sowie schriftlicher Vereinbarungen kaum möglich sein.

1. Wäre grundsätzlich die Zusammenarbeit zwischen einer Hochschule und mehreren Zentren für die schulpraktische Lehrerausbildung rechtlich möglich?

2. Wenn ja, welcher umfangreiche Abstimmungsbedarf sowie schriftliche Vereinbarungen stünden aus Sicht der Landesregierung der Nutzung einer solchen Möglichkeit entgegen (bitte einzeln aufschlüsseln)?

Die Lehrer ausbildenden Hochschulen in Nordrhein-Westfalen, vertreten durch den damaligen Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz Herrn Prof. Dr. Axel Freimuth, haben am 14.04.2010 mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung, vertreten durch die damalige Schulministerin Barbara Sommer, die Rahmenkonzeption zur strukturellen und inhaltlichen Ausgestaltung des Praxissemesters im lehramtsbezogenen Masterstudiengang unterzeichnet.

Diese Rahmenkonzeption, entwickelt von einer gemischten Kommission aus Hochschul-, Schulvertretern und Vertretern des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, beschreibt in Konkretisierung des § 12 LABG Abs. 3 die Ausbildungsregionen für die allgemein bildenden Lehrämter, in denen zukünftig das Praxissemester durchgeführt werden soll. In der Zuordnungsmatrix (Rahmenkonzeption Seite 18) werden den universitären Standorten jeweils mehrere Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (vormals Studienseminare) zugeordnet (Ausnahme: Universität Bonn nur dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Bonn). So arbeitet die Universität Münster z. B. mit fünf Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung zusammen. Für die Lehrämter für das Berufskolleg und für die sonderpädagogische Förderung wurden ­ wie in der o.g. Rahmenkonzeption vereinbart - von Expertenkommissionen, bestehend aus Vertretern der betroffenen Hochschulen, der Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung, der Bezirksregierungen und dem Ministerium für Schule und Weiterbildung ergänzende Regelungen für diese Lehrämter getroffen. Den betroffenen Hochschulen wurden, ihrem quantitativen Bedarf entsprechend, ein oder mehrere in ihrem regionalen Umfeld tätige Seminare der jeweiligen Schulform zugeordnet.

Tragende Grundsätze aller Zuordnungen waren:

Schaffung eines ausreichenden Praxissemesterplatzangebotes in zumutbarer Entfernung zum Hochschulstandort, um den Studierenden ein ordnungsgemäßes Studium im Praxissemester zu ermöglichen - Prinzipien der Studierbarkeit und der Organisierbarkeit,

Gewährleistung der fachlichen Betreuung der Studierenden im Praxissemester durch ihre Hochschule und die lehramtsbezogenen Seminare der Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (vormals Studienseminare) - Prinzip der curricularen Kooperation und fachlichen Zusammenarbeit,

Schaffung von festen und dauerhaften Beziehungen zwischen den Hochschulen bzw. ihren Fachbereichen, den lehramtsbezogenen Seminaren an den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und den diesen zugeordneten Schulen ­ Prinzip der festen Kooperation.

Diese Prinzipien entsprechen dem Ziel des Lehrerausbildungsgesetzes vom 12. Mai 2009, eine verbindliche Kooperation von erster und zweiter Phase der Lehrerausbildung herzustellen.

Die Rahmenkonzeption zur strukturellen und inhaltlichen Ausgestaltung des Praxissemesters im lehramtsbezogenen Masterstudiengang ist jeweils fester Bestandteil der Akkreditierungen der Lehramtsstudiengänge durch die Universitäten, die zu einem weiten Teil schon abgeschlossen sind.

Die Universitäten schließen des Weiteren mit den zugeordneten Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und mit den dortigen lehramtsbezogenen Seminaren Kooperationsvereinbarungen ab. Auf der Basis dieser regionalen Kooperationsvereinbarungen erfolgen dann die dauerhaften konzeptionellen, curricularen und personellen Abstimmungen, die eine gleichsinnige und erfolgreiche Ausbildung der Studierenden durch die Hochschule und die Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung im Praxissemester sicherstellen sollen.

3. Wie will die Landesregierung verhindern, dass zukünftig Lehramtsstudierende ihr Praxissemester überwiegend an Hochschulstandorten oder hochschulnahen Standorten absolvieren?

4. Wenn die Landesregierung diese Einschätzung nicht teilt, dass auf diesem Wege den ländlichen Regionen Nachteile entstehen können: Warum nicht?

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung hat den Hochschulen in der gemeinsam beschlossenen Rahmenkonzeption eine Praktikumsplatzgarantie gegeben (Rahmenkonzeption S. 12). Mit einem landesweit einheitlichen online gestützten Verfahren wird u.a. aus Gründen einer gleichmäßigen Be- und Entlastung der Schulen eine räumliche Gleichverteilung der Studierenden nach Möglichkeit angestrebt. Das Praxissemester ist Teil der universitären Ausbildung. Es kann Funktionen der Lehrerversorgung nicht übernehmen.

5. Welche Kooperationsvereinbarungen bestehen bislang zwischen welchen Hochschulen und welchen Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (bitte einzeln aufschlüsseln)?

Eine Kooperationsvereinbarung haben bis zum Zeitpunkt der Beantwortung folgende Universitäten und Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung abgeschlossen:

Universität Bochum mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung in Bochum und Hagen

Universität Paderborn mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung in Detmold und Paderborn und dem Seminar Berufskolleg Bielefeld

Universität Wuppertal mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung Düsseldorf, Mönchengladbach, Neuss und Solingen.