Versicherung

Einer aktuellen Mitteilung der Bundespsychotherapeutenkammer vom 22. Juni war zu entnehmen, dass immer mehr Menschen in Deutschland an psychischen Erkrankungen leiden.

Zugleich müssen viele Patienten offenbar monatelang auf einen notwendigen Termin beim Psychotherapeuten warten. Die Bundespsychotherapeutenkammer hat deshalb Alarm geschlagen und beklagt, dass es zu wenige Praxen gebe und eine bessere Versorgung der betroffenen Menschen nötig sei.

1. Wie beurteilt die Landesregierung die derzeitige Versorgungssituation mit Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen?

In Nordrhein-Westfalen sind derzeit alle Bedarfsplanungsbezirke (Städte und Kreise) für eine Zulassung zur psychotherapeutischen Versorgung der Patientinnen und Patienten gesetzlicher Krankenkassen gesperrt, da der rechnerische Versorgungsbedarf von 110 % überschritten wird. Folglich können in Nordrhein-Westfalen derzeit keine weiteren Zulassungen zur psychotherapeutischen Versorgung ausgesprochen werden.

Die Bedarfsplanung innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung beruht auf Verhältniszahlen (Einwohnerinnen und Einwohner - Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer) aus den 90er Jahren und bildet den heutigen Versorgungsbedarf nicht ausreichend ab.

Die Landesregierung hält eine Weiterentwicklung der Bedarfsplanung für erforderlich, auch damit unverhältnismäßige Wartezeiten in der psychotherapeutischen Behandlung abgebaut werden können. Entsprechend wird von der Landesregierung auf der Bundesebene, da der Bundesgesetzgeber zuständig ist, interveniert.

2. Wie stellt sich die entsprechende Versorgungssituation aktuell für die Städte Ratingen und Heiligenhaus dar?

Nach der geltenden Bedarfsplanung liegt der Versorgungsgrad in der psychotherapeutischen Versorgung in Heiligenhaus bei 137 % und in Ratingen bei 184 %.

Für die beiden Städte liegen der Landesregierung keine Angaben zu Wartezeiten vor. Der Landesregierung bekannt sind aber eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer und Recherchen einer gesetzlichen Krankenkasse auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte.

Nach der Studie der Bundespsychotherapeutenkammer Wartezeiten in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung (2011) beträgt im Kreis Mettmann die durchschnittliche Wartezeit bis zum Erstgespräch ca. 111 Tage. Nach Recherchen einer gesetzlichen Krankenkasse im Juni 2011 beträgt die Wartezeit im Kreis Mettmann bei GKV-Patientinnen und GKV-Patienten ca. 26 Tage.

3. Welche Schlüsse zieht die Landesregierung aus den Verlautbarungen der Bundespsychotherapeutenkammer hinsichtlich einer Unterversorgung psychisch kranker Menschen?

Die Landesregierung strebt seit 2010 eine Weiterentwicklung der ambulanten Bedarfsplanung an und hält eine Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden ärztlichen und psychotherapeutischen Kapazitäten, der demografischen Entwicklung und der sich verändernden Morbidität der Bevölkerung für erforderlich. Die Weiterentwicklung der Bedarfsplanung ist auch Gegenstand des derzeit beratenen Versorgungsstrukturgesetzes.

4. Wie beurteilt die Landesregierung die Entwicklung der Fallzahlen psychischer Erkrankungen in Nordrhein-Westfalen?

Aus Sicht der Landesregierung macht die in den vergangenen Jahren zu beobachtende Zunahme von behandlungsbedürftigen psychisch kranken Menschen den besonderen Handlungsbedarf für die Weiterentwicklung der Präventions- und Hilfeangebote für Betroffene deutlich. Daher ist die Verbesserung von Prävention, Früherkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen ein Schwerpunkt der Gesundheitspolitik der Landesregierung.

Gesicherte Erkenntnisse über die Ursachen der ansteigenden Fallzahlen liegen nicht vor; es ist allerdings davon auszugehen, dass der Anstieg nicht allein auf eine Zunahme psychischer Erkrankungen (z. B. in Bezug auf Demenzen aufgrund der demografischen Entwicklung) zurück zu führen ist, sondern auch darauf, dass psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen heute eher wahrgenommen und schneller diagnostiziert werden. Außerdem ist festzustellen, dass bei den Betroffenen die Bereitschaft gestiegen ist, Behandlungsangebote in Anspruch zu nehmen.

5. Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung zur Information der Bevölkerung über psychische Erkrankungen?

Der Bevölkerung stehen zahlreiche und vielfältige Möglichkeiten zur Information über psychische Erkrankungen zur Verfügung. Sie reichen von den Informations- und Aufklärungsmaßnahmen der in der Prävention und Hilfe für psychisch kranke Menschen tätigen Einrichtungen und Institutionen über die Aufklärung durch die unteren Gesundheitsbehörden bis zu Aktivitäten der Selbsthilfegruppen.

Informations- und Aufklärungsmaßnahmen über psychische Erkrankungen sind auch Bestandteil von Projekten, die die Landesregierung fördert. Beispielhaft zu nennen sind die jährlichen Aktionswochen im Rahmen der Landespräventionskampagne Sucht hat immer einer Geschichte. Ferner hat die Landesgesundheitskonferenz im Rahmen der Entschließung 2010 die Durchführung einer Landesinitiative zu Erhalt und Verbesserung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beschlossen. Diese Initiative beinhaltet auch Aufklärungsmaßnahmen für die Bevölkerung über psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.