Sicherstellung einer umfassenden Versorgung von Pädagogen mit dem Lehramt für sonderpädagogische Förderung

Welcher zukünftige Personalbedarf und welche zukünftigen Einstellungschancen bestehen bezüglich der einzelnen Lehrämter für sonderpädagogische Förderung?

Vorbemerkung der Kleinen Anfrage:

Im Rahmen der Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wird die Versorgung mit Fachpersonal, unabhängig vom jeweiligen Förderort, eine zentrale Rolle spielen. Ob Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Förderschulen, an allgemeinen Schulen unterrichtet werden oder ob dieser Unterricht an Schwerpunktschulen erfolgt oder darüber hinausreicht: Für diese Förderung werden eine Vielzahl von sonderpädagogischen Lehrkräften benötigt. Der Erhalt unterschiedlicher Förderorte und die Sicherstellung eines Peergroup-Bezugs sowie eines fachspezifischen Austauschs der Lehrkräfte mit den jeweiligen Förderschwerpunkten bedürfen eines umfassenden Personalangebots.

Im Internetangebot des Ministeriums für Schule und Weiterbildung werden Interessierten Prognosen zum Lehrerarbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen, Einstellungschancen für Lehrkräfte bis 2030 für die einzelnen Schulformen bereitgestellt (Stand 3/2011). Hierunter befindet sich auch das Lehramt für sonderpädagogische Förderung. In der genannten Prognose wird ausgeführt:

Allerdings bestehen zwischen den sonderpädagogischen Fachrichtungen beträchtliche Unterschiede im Hinblick auf die Beschäftigungsaussichten. Die Fachrichtungen Hören und Kommunikation sowie Sehen (beides mit geringer quantitativer Bedeutung), vor allem aber Emotionale und soziale Entwicklung (mit großer quantitativer Bedeutung) bieten hervorragende Einstellungschancen, die Fachrichtungen Lernen und Geistige Entwicklung sehr gute (beides mit großer quantitativer Bedeutung). In den Fachrichtungen Sprache sowie Körperliche und motorische Entwicklung (beides mit mittlerer quantitativer Bedeutung) bestehen dagegen nur eingeschränkte Chancen, da hier mit einer ausreichenden Bewerberzahl zu rechnen ist.

Diese Feststellung überrascht insofern, als dass auch zukünftig ein umfangreiches Angebot an sonderpädagogischen Lehrkräften der unterschiedlichen Förderschwerpunkte benötigt wird und zum Beispiel im auszubauenden Unterricht an allgemeinen Schulen nicht allein die Ausbildung als Sonderpädagoge entscheidend sein kann, sondern ebenso der jeweilige spezifische Förderschwerpunkt des sonderpädagogischen Lehramts im Interesse der Schüler Berücksichtigung finden muss.

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung verstärkt an anderer Stelle die bisherigen Ausführungen der Lehrerstellenprognose noch und erklärt: Sehen sowie Hören und Kommunikation bieten zwar ebenfalls hervorragende Beschäftigungsaussichten, doch haben beide Fachrichtungen nur einen geringen quantitativen Umfang. Die Einstellungschancen für die Fachrichtungen Sprache sowie Körperliche und motorische Entwicklung sind dagegen deutlich schlechter.

Diese Aussagen verwundern insofern, als dass Rückmeldungen aus Fachverbänden oder Personalversammlungen eher von einer Problematik bei der Besetzung von Stellen für Sonderpädagogen an den nordrhein-westfälischen Schulen berichten.

Darüber hinaus liegen Hinweise vor, dass sowohl an Förderschulen als auch im Gemeinsamen Unterricht, so zum Beispiel an Grundschulen, eine nicht unbeträchtliche Anzahl sonderpädagogischer Stellen durch Lehrkräfte ohne sonderpädagogisches Studium besetzt werden. Dies kann wegen unzureichender fachspezifischer Qualifikation Probleme hervorrufen.

1. Wie viele Lehrerstellen für Sonderpädagogischen Förderbedarf sind in nordrheinwestfälischen Schulen derzeit nicht besetzt (bitte aufschlüsseln nach Schulformen, Schulstandorten und jeweiligem Förderschwerpunkt)? Grundsätzlich werden die im Haushalt veranschlagten Lehrerstellen der Schulaufsicht zur Bewirtschaftung zugewiesen. Auf dieser Grundlage erhalten die Schulen eine Personalausstattung zur Abdeckung des sich nach der Verordnung zu § 93 Abs. 2 Schulgesetz ergebenden und von der Schulaufsicht anerkannten Stellenbedarfs. Eine Stellenbewirtschaftung auf Schulebene erfolgt nicht. Deshalb kann nicht festgestellt werden, inwieweit Stellen auf der Ebene einzelner Schulen unbesetzt sind.

Der aktuelle Stellenbedarf und die Personalausstattung (in Stellen) an öffentlichen Förderschulen nach Schulstandorten und dem jeweiligen Hauptförderschwerpunkt der Schule wurden mit der IT-Anwendung Schulinformations- und Planungssystem ­ ermittelt (Stand 15.07.2011). Die Daten können der Tabelle in der Anlage 1 entnommen werden. Insgesamt wird der Stellenbedarf an den Förderschulen (14.552 Stellen) durch die derzeit in gebuchte Personalausstattung (im Umfang von 14.627 Stellen) abgedeckt.

Eine gegenüber dem sich rechnerisch ergebenden Stellenbedarf zu geringe Personalausstattung an einzelnen Schulen bedeutet nicht automatisch, dass der Unterrichtsbedarf dieser Schule nicht gedeckt werden kann. Vielmehr kann die Schulaufsicht vor Ort bestehende Besonderheiten (z.B. im Hinblick auf die Alters- bzw. Schwerbehindertenermäßigung) im Rahmen der Personalzuweisung berücksichtigen. Auf der anderen Seite bedeutet eine sich gegenüber dem rechnerisch ergebenden Stellenbedarf zu hohe Personalausstattung an einzelnen Schulen nicht automatisch eine Überversorgung dieser Schule.

Bei der Interpretation der Daten ist zu beachten, dass die Unterrichtsversorgung einzelner Schulen nicht immer vollständig abgebildet sein kann, da die Daten aus nur eine stichtagsbezogene Momentaufnahme wiedergeben. Alle sich noch in Bearbeitung befindlichen Vorgänge wie z. B. Veränderungen in der Personalzuweisung, Neueinstellungen, Pensionierungen, Beginn oder Beendigung von Erziehungsurlaub, Elternzeit oder Altersteilzeit, Beurlaubungen, Veränderungen im Beschäftigungsumfang können in einer stichtagsbezogenen Abfrage nicht berücksichtigt werden. Eine manuelle Kontrolle der zum Stichtag 15.07.2011 in schulscharf erfassten Daten durch die Bezirksregierungen würde einen innerhalb des für die Beantwortung von Kleinen Anfragen zur Verfügung stehenden Zeitraums nicht zu leistenden Arbeitsaufwand verursachen. Wegen der im Übrigen bei der Interpretation der Daten aus zu beachtenden Besonderheiten wird exemplarisch auf die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 3216 der Abgeordneten Marlies Stotz, SPD, verwiesen (Vgl. LT-Drucksache 14/9153 vom 04.05.2009).

Die Stellen für den Gemeinsamen Unterricht in der Sekundarstufe I werden im Haushalt im Förderschulkapitel ausgebracht. Zur Abdeckung des Bedarfs für den Gemeinsamen Unterricht werden Lehrkräfte aus dem Förderschulkapitel bedarfsgerecht an die Allgemeinen Schulen abgeordnet. Diese Lehrkräfte werden im dem Stellenbedarf und der Personalausstattung der Allgemeinen Schule zugerechnet. Zudem wird der Mehrbedarf für integrative Lerngruppen auch häufig durch allgemeine Lehrkräfte abgedeckt. Insofern ist eine Differenzierung zwischen allgemeiner und sonderpädagogischer Stellenbesetzungs- und Personalausstattungssituation im Gemeinsamen Unterricht nicht möglich.

In der Primarstufe werden die Stellen für den Gemeinsamen Unterricht im Grundschulkapitel veranschlagt. Die Personalausstattung der Grundschulen erfolgt stets zur Deckung des Gesamtbedarfs. Eine Differenzierung zwischen allgemeiner und sonderpädagogischer Stellenbesetzungs- und Personalausstattungssituation ist auch in diesem Bereich nicht möglich, zumal im Umfang des Grundbedarfs des allgemeinen Bildungsgangs sonderpädagogischer Bedarf auch mit Grundschullehrkräften abgedeckt werden kann.

2. Wie viele Stellen für sonderpädagogische Förderung sind gegenwärtig an Förderschulen und im Gemeinsamen Unterricht von Pädagogen ohne sonderpädagogisches Studium besetzt (bitte aufschlüsseln nach Schulformen, Schulstandorten und jeweiligem Förderschwerpunkt)?

Die Zahl der Lehrkräfte mit Zweiter Staatsprüfung an Förderschulen im Bereich Grund- und Hauptschulen an den einzelnen Schulstandorten, die nicht über ein sonderpädagogisches Lehramt verfügen, kann der Tabelle in Anlage 2 entnommen werden (Quelle: Amtliche Schuldaten für das Schuljahr 2010/11, Kopfzählung). Von insgesamt 16.451 Lehrkräften verfügen 1.302 Lehrkräfte nicht über ein sonderpädagogisches Lehramt.