Ausbildung

Voraussetzung für die Einstellung der Bewerberinnen und Bewerber ist die vertragliche Verpflichtung zur Teilnahme an einer Fortbildungsmaßnahme zum Erwerb einer sonderpädagogischen Sockelqualifikation. Für die Einstellung der Bewerberinnen und Bewerber an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen besteht darüber hinaus die vertragliche Verpflichtung, im Wege der Nachqualifizierung die Befähigung für das Lehramt für Sonderpädagogik zu erwerben. Eine generelle Öffnung des Seiteneinstiegs für Personen ohne Lehramtsstudium besteht an Förderschulen nicht. Ferner ist zu beachten, dass in den Förderschulen im berufsbildenden Bereich naturgemäß ein hoher Anteil an grundständig ausgebildeten Berufsschullehrkräften eingesetzt wird.

Im Gemeinsamen Unterricht ist eine Differenzierung zwischen allgemeiner und sonderpädagogischer Stellenbesetzungssituation nicht möglich. Insoweit wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.

Ferner werden an den Förderschulen nach den Amtlichen Schuldaten für das Schuljahr 2010/11 insgesamt 4.174 Lehrkräfte ohne Zweite Staatsprüfung beschäftigt (Fallzählung). Es handelt sich hier im Wesentlichen um Fachlehrer und Fachlehrerinnen sowie um Studienreferendare und Studienreferendarinnen. Da diese Lehrkräfte zumeist auf Stellen geführt werden, für deren Besetzung keine zweite Staatsprüfung Voraussetzung ist, wurde auf eine schulscharfe Darstellung verzichtet.

3. Warum werden die Einstellungschancen zum Beispiel für Sonderpädagogen mit den Förderschwerpunkten Sprache sowie Körperliche und motorische Entwicklung in der genannten Prognose so negativ beurteilt?

Das Einstellungsangebot für das Lehramt für Sonderpädagogik beläuft sich nach der aktuellen Lehrerarbeitsmarktprognose des Ministeriums für Schule und Weiterbildung auf durchschnittlich gut 400 voll ausgebildete Lehrkräfte im Jahr. Der jährliche Einstellungsbedarf liegt durchschnittlich bei rund 750. Die Einstellungschancen sind somit hervorragend. Allerdings bestehen zwischen den sonderpädagogischen Fachrichtungen beträchtliche Unterschiede im Hinblick auf die Beschäftigungsaussichten. Die Fachrichtungen Hören und Kommunikation sowie Sehen (beides mit geringer quantitativer Bedeutung), vor allem aber Emotionale und soziale Entwicklung (mit großer quantitativer Bedeutung) bieten hervorragende Einstellungschancen, die Fachrichtungen Lernen und Geistige Entwicklung sehr gute (beides mit großer quantitativer Bedeutung). In den Fachrichtungen Sprache sowie Körperliche und motorische Entwicklung (beides mit mittlerer quantitativer Bedeutung) bestehen dagegen nur eingeschränkte Chancen, da hier mit einer ausreichenden Bewerberzahl zu rechnen ist und sich derzeit bereits viele Lehrkräfte mit dieser Fachrichtung im System befinden.

Dabei ist zu bedenken, dass Lehrkräfte ihre Lehramtsbefähigung in zwei sonderpädagogischen Fachrichtungen erwerben. Lehrkräfte mit der Fachrichtungen Sprache oder Körperliche und motorische Entwicklung werden bereits heute überwiegend in ihrer zweiten Fachrichtung eingesetzt, da dort ein wesentlich größerer Bedarf besteht. Hat eine Lehrkraft mit der Fachrichtungen Sprache oder Körperliche und motorische Entwicklung beispielweise auch die Fachrichtung Emotionale und soziale Entwicklung oder Lernen vorzuweisen, so hat auch diese Lehrkraft künftig sehr gute Einstellungschancen, muss jedoch damit rechnen, verstärkt im Bereich der stark nachgefragten Fachrichtung eingesetzt zu werden.

Dieser Zusammenhang wird auf Seite 3 der von der Fragestellerin zitierten Broschüre des Ministeriums für Schule und Weiterbildung ausführlich erläutert.

4. Welche Maßnahmen will die Landesregierung zukünftig ergreifen, um sowohl an den allgemeinen Schulen als auch an den Förderschulen eine umfassende Lehrerstellenversorgung mit den jeweils benötigten Förderschwerpunkten sicherzustellen?

Es ist Ziel der Landesregierung, alle freien und besetzbaren Stellen sowohl im Bereich der Förderschulen als auch im Bereich des Gemeinsamen Unterrichts an allgemein bildenden Schulen zu besetzen und auf diese Weise den Schulen qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen.

Um bereits frühzeitig junge Menschen auch für ein Lehramt für sonderpädagogische Förderung zu begeistern, wirbt die Landesregierung an den Schulen intensiv für den Lehrerberuf. Oberstufenschülerinnen und -schüler werden zudem auf Berufsbildungsmessen (sogenannte über den Lehrerberuf informiert und beraten. Abiturientinnen und Abiturenten sollen ein Eignungspraktikum absolvieren, um ihre Eignung und Neigung für den Lehrerberuf zu reflektieren. Auch die genannte Prognose zum Lehrerarbeitsmarkt soll die Entscheidung für ein sonderpädagogisches Studium begleiten.

Bereits ausgebildeten Lehrkräften werden Qualifikationserweiterungen (Zertifikatskurse) zur Erlangung sonderpädagogischer Kompetenzen im Rahmen der Lehrerfortbildung angeboten: Lehrkräfte, die auf Grund eines schulformspezifischen oder fachspezifischen Bewerberüberhangs aktuell kein Einstellungsangebot erhalten haben, haben die Möglichkeit, sich auf bestimmte Stellen für Förderschulen und den Gemeinsamen Unterricht zu bewerben, wenn sie sich verpflichten, eine sonderpädagogische Qualifikationserweiterung wahrzunehmen oder entsprechende Studienleistungen nachzuholen.

5. Wie will die Landesregierung zukünftig gewährleisten, dass bei einem weitergehenden Ausbau des Besuchs von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen dort ein fachlicher Austausch der Sonderpädagogen mit den jeweiligen übereinstimmenden Förderschwerpunkten sichergestellt ist?

Der zunehmende Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in allgemeinen Schulen wird dazu führen, dass Lehrkräfte für Sonderpädagogik in deutlich höherem Maße als bisher ihren Arbeitsplatz in diesen allgemeinen Schulen haben und mit den Lehrkräften der allgemeinen Schulen zusammen arbeiten. Dabei gilt es, die in einer fachspezifischen Ausbildung grundlegend erworbenen und in der Praxis weiterentwickelten fachspezifischen Kompetenzen in diesen Prozess aktiv einzubringen und somit den Kompetenztransfer zwischen den Lehrämtern zu unterstützen.

Gleichermaßen erhält auch der professionelle Austausch mit Lehrkräften anderer Fachrichtungen oder Lehrämter sowie beteiligter Berufsgruppen eine zentrale Bedeutung.