Zukunftsperspektiven für Bremerhaven

Der Senat beantwortet die Große Anfrage wie folgt:

1. Wie bewertet der Senat den derzeitigen Stand der Erschließung des zu einem Gewerbegebiet, und wie beurteilt der Senat die Perspektiven im Hinblick auf die Ansiedlung gewerblicher Unternehmen in diesem Bereich?

Das Gewerbegebiet Carl-Schurz-Kaserne liegt im Norden von Bremerhaven, in unmittelbarer Nähe zu den Container- und Autoterminals sowie zu den Industriegebieten Weddewarden-Ost und Speckenbüttel. Die Ansiedlungssicherheit ist durch den genehmigten Bebauungsplan gegeben. Die infrastrukturelle Herrichtung durch z. B. Beseitigung von Altlasten, Ausbau des Straßensystems innerhalb des Geländes oder durch die Verlegung der öffentlichen Ver- und Entsorgungseinrichtungen, sowie Rückbau bzw. Herrichtung von Gebäuden wird zurzeit umgesetzt. Die hafennahe Lage, sofortige Verfügbarkeit und gute Verkehrsanbindung der Flächen ist ein entscheidender Vorteil für die Vermarktung des Gebietes.

Bis heute sind auf dem insgesamt ca. 125 ha großen Areal, davon ca. 70 ha Gewerbeansiedlungsfläche, folgende Vermarktungsergebnisse zu verzeichnen: Verträge Anzahl Fläche ca. Verkauf 9 9,8 ha Erbbaurecht 4 5,0 ha mit insgesamt ca. 210 neuen bzw. gesicherten Arbeitsplätzen, sowie zusätzlich insgesamt zurzeit 33 Mietverträge mit insgesamt. ca. Büro/Hallen/Außenfläche von 5,9 ha.

Im Gegensatz zu den im Süden der Stadt liegenden Gewerbeflächen gestaltet sich die Vermarktung im Norden der Stadt Bremerhaven trotz einiger spezifischer Standortvorteile insgesamt schwierig, was u. a. auf die allgemein schlechte gesamtwirtschaftliche Lage, die noch nicht komplett umgesetzte Erschließung des Carl-Schurz-Geländes, aber insbesondere die viel zu geringe Loco-Quote des Hafenstandortes Bremerhaven zurückzuführen ist.

Um die Loco-Quote in Bremerhaven zu erhöhen ist eine Akquisitionsstelle bei der BIS eingerichtet worden. Sie soll Instrumente und Lösungen erarbeiten, die geeignet sind, gezielt ansiedlungsrelevante Unternehmen zu identifizieren. Durch Einsatz intensiver Marketingaktivitäten sollen dann auf dieser Grundlage die Gewerbeflächen hinter den Container Terminals, d. h. Weddewarden-Ost, Speckenbüttel und insbesondere das Carl-Schurz-Areal, transparent kommuniziert und in Frage kommenden Unternehmen, unter Darlegung der jeweils relevanten Standortvorteile Bremerhavens, zur Ansiedlung angeboten werden.

Im Rahmen dieser Gesamtplanungen wurden durch das ISP 87,3 Mio.? zur Verfügung gestellt werden. Von diesem Betrag konnten bereits 83,3 Mio.? bewilligt und 40,3 Mio.? verausgabt werden. Weitere Maßnahmen befinden sich derzeit in der Umsetzung, so dass noch ca. 4 Mio.? zur Bewilligung anstehen.

2. Welche Entwicklung hat der südliche Fischereihafen seit 1999 genommen, und welche weiteren Entwicklungsperspektiven sieht der Senat?

Durch die Erschließung des Gewerbegebietes Bohmsiel im Süden des Fischereihafens wurden in verkehrsgünstiger Lage zur Autobahn, (ausgebaute B71mit Anschluss zur BAB und mit Nähe zum zukünftigen Wesertunnel/Erschließung des Weser-Ems-Gebietes) interessante Gewerbeflächen zur Verfügung gestellt. Das Gewerbegebiet Bohmsiel umfasst nach der abschließenden Herrichtung bis 2003 rd. 40 ha (brutto). Von der vermarktungsfähigen Nettofläche von rund 26 ha sind rund ha bereits verkauft, bzw. stehen noch 9 ha für weitere Ansiedlungen zur Verfügung.

Verträge Anzahl Fläche ca. Verkauf 17 17 ha Option 1 0,5 ha

Damit wurden insgesamt ca. 350 neue Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert.

Im südlichen Fischereihafen sind die zur Verfügung stehenden Gewerbeflächen weitgehend mit hafenbezogenen Gewerbebetrieben belegt, als größere Neuansiedlung ist hier z. B. das Fliesenwerk zu nennen.

Entwicklungsperspektiven bietet der südliche Fischereihafen noch im Bereich des Industriegebietes Luneort (Bruttoerschließungsfläche knapp 60 ha). Mit der Umsetzung des 1. Bauabschnittes wurde begonnen. Neuere Planungen haben ergeben, dass das Gewerbegebiet Luneort spezifische Bedingungen für die Ansiedlung von Unternehmen der Windenergiebranche insbesondere der Offshore-Industrie erfüllt. Insofern ist eine Herrichtung dieses Bereiches für Produktionsunternehmen dieser Zukunftsbranche gutachterlich gestützt. Eine entsprechende Vorlage wird den Wirtschaftsförderungsausschüssen am 27. März 2003 vorgelegt werden.

3. Mit welchen Maßnahmen hat der Senat den Fisch- und Lebensmittelwirtschaftsstandort Bremerhaven seit 1999 weiter gestärkt und wettbewerbsfähig gehalten?

Mit der Vergrößerung der Fischereihafen-Doppelschleuse für PAN-MAX Schiffsgrößen, dem Ausbau der Verkehrserschließung (B 71 neu, Modernisierung und Ausbau des Regionalflughafen Luneort, Sanierung der Straßeninfrastruktur), der Einrichtung eines Sensorik Labors beim TTZ-Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik (BILB) und insbesondere dem Bau eines branchen- und themenbezogenen Gewerbe-, Gründer- und Entwicklungszentrums für biologische Anwendungen in der Lebensmittelwirtschaft das konkret ausgerichtet ist auf Start Up-Unternehmen aus diesem Bereich, hat der Senat den veränderten Bedürfnissen, speziell der am Standort angesiedelten Unternehmen der Ernährungswirtschaft, Rechnung getragen. Auch durch die Entscheidung der Bundesregierung, den Neubau des Instituts für Fischereiökologie der Bundesforschungsanstalt für Fischerei im Fischereihafen von Bremerhaven zu errichten, konnten die jahrelangen Bemühungen, dieses Institut in Bremerhaven anzusiedeln und damit den maritimen Wissenschaftsstandort Bremerhaven auszubauen, erfolgreich weiterentwickelt werden.

Die Errichtung eines touristischen Schwerpunktes im Fischereihafen (Schaufenster) und die umfangreiche infrastrukturelle Erneuerung und Umgestaltung des Fischereihafens zu einem modernen Gewerbegebiet mit differenziertem Dienstleistungsangebot hat die Attraktivität dieses Standortes nicht nur für Unternehmen der Lebensmittelindustrie erhöht.

Ergänzt wird dieses Angebot durch ein umfassendes Beratungs- und Bestandspflegeangebot der Wirtschaftsförderungseinrichtungen BIS und FBG.

4. Welche Aufwertung hat der Verkehrslandeplatz Luneort genommen, und wie bewertet der Senat die Stellung des Landeplatzes für die Region unter diesen neuen Bedingungen?

Im Jahr 1987 fassten die Bremische Bürgerschaft und der Senat der Freien Hansestadt Bremen den Beschluss den Verkehrslandeplatz am bisherigen Standort im südlichen Fischereihafen/Luneort zu modernisieren und auszubauen, was in mehreren Bauabschnitten mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 25 Mio.? erfolgreich umgesetzt wurde.

Durch zwei sich kreuzende asphaltierte Start- und Landebahnen mit einer Länge von 1.200 m bzw. 658 m, ein Rollbahnsystem und ein bedarfgerechtes Vorfeld, ein Passagierterminal, einen Raum für Frachtabfertigung, den bedarfsgerechten Neubau von Hangars und Parkplätzen sowie die Ansiedlung einer Luftwerft und der Errichtung eines Büro-, Lager- und Werkstattgebäudes für die Firma OPTIMARE Sensorsysteme AG hat sich ein tiefgreifender Funktionswandel vollzogen. Darüber hinaus wird demnächst die Zulassung für den Instrumentenflugbetrieb angestrebt.

Mit der Umsetzung der baulichen Maßnahmen erfolgten die Festsetzung eines Bauschutzbereiches nach § 17 die Zulassung zum Nachtflugbetrieb, die Zulassung für Flugzeuge bis 14 t und die Änderung der Flugbetriebszeit dahingehend, dass in beschränktem Umfang ein 24-Stunden Betrieb zugelassen ist.

Insofern sind die Mindestanforderungen an einen Platz erfüllt, der dem Einsatz von ein- oder mehrmotorigen Luftfahrzeugen im gewerblichen Bereich, einer für Bremerhaven typischen Größenordnung, gerecht wird. Dabei wurden die einschlägigen Flugbetriebsvorschriften sowie die Unternehmensstrukturen und -strategien ansässiger und potentieller Firmen und zukünftiger Vorhaben (z. B. Passagierzubringer für Kreuzfahrtterminal) berücksichtigt.

Der Ausbau sorgt nicht nur für eine deutliche Steigerung des Betriebswertes, sondern schuf erst die Voraussetzung zur Erhöhung des Verkehrswertes der Anlage.

Bis zum Ausbau gab es am Flugplatz Bremerhaven insgesamt vier Arbeitsplätze.

Bis heute hat sich diese Zahl auf inzwischen 46 Vollzeitkräfte und acht Teilzeitkräfte in sechs Betrieben erhöht. Dabei lässt sich die Kausalität zwischen Ausbau und Firmenansiedlung ganz deutlich belegen. Die Steigerung der Qualität der Flugplatzinfrastruktur erhöhte die Nachfrage nach Firmengründungen am Platz.

Neben der OPTIMARE Sensorsysteme AG mit 21 Wissenschaftlern, Ingenieuren, Technikern und Büroangestellten hat sich ein luftfahrttechnischer Betrieb mit insgesamt neun Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften am Platz niedergelassen.

Mit dem Ausbau und der damit verbundenen, erheblich gestiegenen Nachfrage des gewerblichen Verkehrs stellt der Flugplatz einen wichtigen Beitrag zur Profilierung des Oberzentrums Bremerhaven dar und erlangt für Bremerhaven als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Tourismusstandort eine immer wichtigere Funktion.

Der Senat geht davon aus, dass sich mit der Entwicklung des Flugplatzes ein regionalwirtschaftlicher Vorteil für die Region Bremerhaven ergeben hat. Der Platz stellt mit der bedarfsgerechten Ausstattung eine außerordentlich wichtige Infrastruktureinrichtung für die gesamte Wirtschaftsregion dar und bewirkt ihre günstige überregionale Anbindung. Der Platz ist bestens für die zukünftigen Herausforderungen ausgestattet und sollte dies bei ständiger Anpassung an die technische Entwicklung im Luftverkehr auch weiterhin bleiben.

5. Wie bewertet der Senat die Stellung der Hochschule Bremerhaven, des und des Technologie-Transfer-Zentrums (TTZ) im bundes- und europaweiten Vergleich? Inwieweit hat sich nach Einschätzung des Senats seit 1999 durch die vorgenannten Einrichtungen ein maritimes Kompetenzzentrum in Bremerhaven entwickelt, und welche Entwicklungen wird der Senat zukünftig unterstützen?

Die Hochschule Bremerhaven gehört mit ihren derzeit 1733 Studierenden zu den Fachhochschulen mittlerer Größe im Bundesgebiet. Sie stellt für Bremerhaven und das nördliche Niedersachsen moderne, wohnortnahe Studienplätze bereit und bietet gemeinsam mit dem Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven auch der Wirtschaft der Region forschungsbasierte Dienstleistungen und Kooperationsmöglichkeiten.