Krankenkassen

Die Krankenkassen werden jetzt Vorschläge unterbreiten für eine Umsetzung, und wir werden dann in weitere Gespräche eintreten, wobei wir, und da ist die Große Anfrage sehr richtig beantwortet, natürlich vorhandenes Know-how und Erfahrungen nutzen wollen. Selbsthilfe ist, das habe ich schon gesagt, ein wichtiger Baustein in der Bürgerkommune.

Selbsthilfe setzt dann aber auch als solcher Baustein Beteiligung und entsprechende Beteilungsstrukturen voraus, und in diesem Sinne kann ich mich dem hier ausgesprochenen Dank an alle, die sich ehrenamtlich in dieser Stadt, in der Schwesterstadt und im Land engagieren im Bereich der Selbsthilfe, in vollem Umfang anschließen, und ich hoffe, dass sich viele auch motiviert fühlen, sich vielleicht zukünftig auch einzubringen. - Danke schön!

(Beifall bei der SPD und bei der CDU) Präsident Weber: Meine Damen und Herren, weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Die Aussprache ist geschlossen.

Die Bürgerschaft (Landtag) nimmt von der Antwort des Senats, Drucksache 15/370, auf die Große Anfrage der Fraktionen der CDU und der SPD Kenntnis.

Meine Damen und Herren, es besteht unter den Fraktionen und mit dem Abgeordneten Tittmann Einvernehmen darüber, dass wir jetzt noch den Tagesordnungspunkt 27 aufrufen.

Schutz der deutschen Sprache

Meine Damen und Herren, die Beratung ist eröffnet.

Als Erster hat das Wort der Abgeordnete Tittmann.

Abg. Tittmann (DVU): Herr Präsident, meine Damen und Herren! Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheit ihres Geistes und ihrer Sprache, nimmt oder raubt. Diese Erkenntnis Immanuel Kants in das Bewusstsein zu rufen, ist gerade heute notwendiger denn je.

Meine Damen und Herren, unsere Muttersprache ist durch eine Überflutung mit englischen Begriffen völlig verhunzt worden. Jüngst schrieb ein tonangebendes Bremer Blatt: Wo ist unsere schöne Muttersprache geblieben? (Lachen bei der SPD)

Ich weiß nicht, was es darüber zu lachen gibt! Na ja, ich meine, Sie wollen ja auch hier eine türkische Diskussion und türkische Parlamentsreden haben.

Dann kann ich mir schon vorstellen, dass Sie darüber lachen!

Herr Präsident, ich darf zitieren: Ein Bummel durch die Bremer Innenstadt, und man versteht nur noch Bahnhof! Geschäfte haben open, verkaufen einen Cup Kaffee oder haben irgendwelche News zur neuen Underwear, die ganz Touch-Feeling ist. Tatsächlich erblickt man auf Schritt und Tritt ein schreckliches Kauderwelsch, das die deutsche Sprache überschwemmt: Meeting statt Sitzung, Provider statt Anbieter und so weiter.

Noch vor 100 Jahren machte Deutsch Englisch und Französisch den Rang streitig. Wer in der Welt etwas zu sagen hatte, veröffentlichte es auf Deutsch.

Heute sind sich nicht einmal diejenigen zu schade, ihre Vorträge auf Englisch vorzutragen, deren Beruf Erforschung und Lehre der deutschen Sprache und Literatur ist. Gleiches gilt für den Kulturbereich. Deshalb sollte hier bei Bildung, Wissenschaft und Kultur durch die zuständigen Senatoren endlich gegengesteuert werden.

(Abg. Mützelburg [Bündnis 90/Die Grünen]: Keine Opern mehr auf Italienisch!) Hören Sie doch zu! Ich habe hier das Wort und nicht Sie, also halten Sie sich daran! Wenn Sie etwas zu sagen haben, kommen Sie nach vorn!

Während in Frankreich und in Polen ein Gesetz zum Schutz der eigenen Sprache auf den Weg gebracht wurde, üben sich hierzulande politisch Verantwortliche in unerträglicher Sprachpanscherei. Sie sollten sich einmal durch den Kopf gehen lassen, was ein namhafter Sprachkritiker wie Professor Walter Krämer vom Verein Deutsche Sprache zu bedenken gibt!

Was Internationalität beweisen soll, werde von Ausländern oft als Anbiederung empfunden, und der übermäßige Gebrauch von englischen Begriffen sei nur Imponiergefasel, mit dem niemand Weltläufigkeit signalisieren könne. Auch nach Einschätzung des Direktors des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim stoßen aus dem Englischen in das Deutsche übernommene Wörter immer mehr auf Unverständnis unter unseren Bürgerinnen und Bevölkerung. Nicht nur ältere Menschen fühlen sich durch die Flut so genannter Anglizismen auf den Arm genommen. Dabei dürfen Sie nicht vergessen, dass nur rund die Hälfte der Deutschen in den alten Bundesländern und nur ein Viertel in den neuen Bundesländern über Englischkenntnisse verfügt.

Meine Damen und Herren, die deutsche Sprache gehört zu den europäischen Sprachen mit den ältesten schriftlichen Zeugnissen. Sie ist über 1200 Jah re alt. Sie ist mehr als nur ein Mittel zur Verständigung, sie ist eines der höchsten Kulturgüter, Ausdruck des Empfindens und der Seele der Deutschen, und das soll auch so weiterhin bleiben, meine Damen und Herren. Der Wahrung und dem Schutz der deutschen Sprache als Ausdruck nationaler Identität kommen deshalb eine herausragende Aufgabe zu. In diesem Sinne bitte ich Sie, dem DVU-Antrag zuzustimmen und damit ein Zeichen gegen die bewusste Verhunzung unserer Muttersprache zu setzen! - Ich bedanke mich!

Präsident Weber: Als Nächster hat das Wort der Abgeordnete Teiser.

Abg. Teiser (CDU) : Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Mützelburg, ich hätte mich gefreut, wenn Sie der Aufforderung von Herrn Tittmann, doch nach vorn zu kommen, gefolgt wären, dann hätte ich mir das ersparen können, aber es ist, wie es ist, es ist abgesprochen, also werde ich dazu auch etwas sagen, wenn auch nicht viel.

Herr Tittmann, ich habe mir die Mühe erspart herauszusuchen, wie oft ähnliche Anträge schon gestellt worden sind, auch in diesem Haus, (Abg. Frau Linnert [Bündnis 90/Die Grünen]: Schutz des Deutschen Schäferhundes fehlt noch!) und ich glaube, es geht Ihnen auch nicht darum, mit Ihren Kollegen hier in diesem Parlament in eine Auseinandersetzung einzutreten über das Für und Wider irgendwelcher Argumente, sondern Sie stellen hier Ihre Anträge, das verstehe ich vielleicht auch, weil Sie sie stellen müssen, Sie müssen einen Nachweis erbringen, was Sie hier gemacht haben, das wird in München abgehakt, und dann wird da festgestellt, dass Sie wieder Ihre drei Anträge gestellt haben.

Herr Tittmann, die Frage ist nicht, in welcher Sprache man sich ausdrückt, sondern die Frage ist immer, wie man Sprache benutzt.

(Beifall bei der CDU, bei der SPD und beim Bündnis 90/Die Grünen)

So wie Sie die deutsche Sprache benutzen - ich habe mir das hier vorhin so mitgeschrieben, eigentlich soll man es nicht so machen --, aber wenn Sie von Kulturgütern und Muttersprache reden und sich dann gleichzeitig darauf berufen, dass die deutsche Sprache 1200 Jahre alt ist, dann werden viele der Sprachgelehrten der vergangenen Jahrhunderte wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn Sie Ihre Aussprache hören, aber darauf wollte ich gar nicht hinaus.

Der Punkt ist nicht, ob man englische Begriffe, französische Begriffe, internationale Begriffe benutzt, sondern wie man Sprache benutzt, und so wie Sie die Sprache benutzen, da muss ich Ihnen sagen, das ist sehr viel schlimmer, als wenn irgendwo ein englischer Begriff auftaucht, irgendjemand sich in ausländischer Sprache unterhält. Das, was Sie mit der deutschen Sprache machen, wie Sie sie benutzen, das ist das, was Angst bei Leuten hervorruft und was auch Gefahr hervorruft, nicht der Begriff, der irgendwo an einem Kaufhaus steht und den Sie vielleicht nicht verstanden haben.

(Beifall bei der CDU, bei der SPD und beim Bündnis 90/Die Grünen)

Das Einzige, wozu mich Ihr Antrag wirklich veranlasst hat, ist, ich habe erst überlegt, führst du jetzt mit ihm eine Debatte über Globalisierung, Internationalisierung, Großmärkte, nein, habe ich mir gedacht, das tust du nicht, das versteht er nicht, sondern ich habe mir wenigstens einmal die Mühe gemacht herauszusuchen, was eigentlich Verhunzen und Panschen bedeutet. Ich weiß nicht, ob Sie die Rede selbst geschrieben haben. Verhunzen heißt im Prinzip verderben, verunstalten, ich weiß nicht, ob solche Begriffe irgendetwas verderben oder verunstalten, und Panschen heißt mischend verfälschen oder mit Händen und Füßen im Wasser patschen.

Das hätten Sie machen sollen, statt diesen Antrag zu stellen!

(Beifall bei der CDU, bei der SPD und beim Bündnis 90/Die Grünen) Präsident Weber: Als Nächster hat das Wort der Abgeordnete Tittmann.

Abg. Tittmann (DVU): Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Teiser, ich kann Sie beruhigen, ich schreibe alle meine Reden und Anträge selbst. Ich brauche dazu nicht München und. (Abg. Frau Hövelmann [SPD]: Der Coach ist ja da!) Herr Präsident, meine Damen und Herren, es überrascht mich überhaupt nicht, wenn Überfremdungsfanatiker, (Lachen bei der SPD) die das deutsche Volk in eine multikulturelle Gesellschaft verwandeln möchten, Deutsch mit Füßen treten, meine Damen und Herren. Ich frage mich, wie es dazu kommen konnte, einmal etwas überspitzt gesagt und behauptet, dass Taxifahrer in Zagreb, Prag, Budapest, Sofia, Warschau, Moskau, Kiew und so weiter Fahrgästen aus Deutschland die auf Englisch vorgetragenen Fragen auf Deutsch zu beantworten wissen! Jedenfalls ist es so, dass Globalisierungspropagandisten jenes hohe Kulturgut, um das uns das Ausland beneidet, in den Dreck treten. Frankreich, Polen und so weiter sichern ihre Sprache durch ein Sprachschutzgesetz, aber das scheint Ihnen ja entgangen zu sein, und setzen ihre Sprache nach wie vor als Kulturwaffe ein.

Jedes, aber auch jedes europäische Volk, und sei es noch so klein, achtet und schützt seine eigene Sprache. Sie aber als von deutschen Bürgern gewählte Volksvertreter beweisen mit der Ablehnung dieses Antrages Ihr gebrochenes Verhältnis zur nationalen Identität, und dafür sollten Sie sich schämen! - Danke!

(Abg. Frau Jansen [SPD]: Es gibt nur einen, der sich schämen muss!) Präsident Weber: Herr Abgeordneter Tittmann, wenn ich mir das erlauben darf zu sagen: Wenn man Ihre Reden hört, benutzen Sie Sprache, und das kann man mit Sprache machen, zu unglaublichen Hetzkampagnen gegen Menschen, gegen ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ich glaube, darüber sollten Sie einmal nachdenken, wie Sie Sprache hier im Parlament gebrauchen und missbrauchen.

(Starker Beifall bei der SPD, bei der CDU und beim Bündnis 90/Die Grünen)

Meine Damen und Herren, weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Damit ist die Beratung geschlossen.

Wir kommen zur Abstimmung.

Wer dem Antrag des Abgeordneten Tittmann, DVU, mit der Drucksachen-Nummer 15/385 seine Zustimmung geben möchte, den bitte ich um das Handzeichen!

(Dafür Abg. Tittmann [DVU])

Ich bitte um die Gegenprobe!

Meine Damen und Herren, ich stelle fest, die Bürgerschaft (Landtag) lehnt den Antrag ab.

Damit wären wir für heute mit der Tagesordnung soweit durch. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen, schönen, nicht so arbeitsreichen Feierabend, und wir sehen uns morgen ausgeruht wieder.

Ich schließe die Sitzung.