Studiengang

Trend trotz vieler guter Bemühungen im Einzelnen nicht umgekehrt hat, sondern sich eher verstärkt.

Nun ist es nicht unsere Position, der Grünen, einzustimmen in den Chor, den wir hier manchmal von der rechten Seite des Hauses hören, es muss einfach kürzer studiert werden. Dann kommt man mit ziemlich hilflosen bürokratischen Regelungen, mit Studiengebühren und mit Strafandrohungen. Das ist nicht unser Ding! Wer aus persönlichen Bildungsinteressen oder auch anderen Gründen länger studieren will, der kann das tun. Im Übrigen sind aus Querund Umwegen häufig die interessantesten Dinge entstanden. Auch ein Abbruch ohne Abschluss kann für Einzelne sinnvoll sein. Nicht sinnvoll ist aber für uns der Abbruch eines längeren Studiums aus Frust und ohne Perspektive. Nicht sinnvoll ist eine Verlängerung des Studiums, nur weil es unübersichtlich und strukturlos ist und weil die jungen Leute mit der schwierigen Verbindung von Studium und Familie und Berufstätigkeit oder Arbeit eben nicht zurechtkommen.

Entscheidend ist für uns Grüne dabei die Motivation und die Lebenszeit der jungen Menschen, mit denen unter den heutigen Verhältnissen eben leider zu oft Schindluder getrieben wird. Entscheidend ist, dass viele Studierende selbst finden, dass sie zu lange studieren. Deshalb ist unsere zentrale Forderung: Wir müssen das Studium so organisieren, dass die Studierenden, die es wollen, auch in angemessener Zeit studieren können. Aus diesem Grund ist ein Angebot von Studienprogrammen oder von Abschlüssennotwendig.

Hier eine Reihe von Anforderungen: Erstens brauchen wir ein Angebot, das vielfältig ist. Das ist ganz zentral, denn gegenüber der Zeit vor 30 Jahren sind die Interessen und auch die Möglichkeiten und Ziele der Studierenden vielfältiger geworden. Auch deswegen fordern wir die Ausdehnung der Fachhochschulen in bisherige Domänen der Universität. Ein Angebot, das überschaubar und übersichtlich ist und deswegen auch von vornherein zum Studium anreizt wie auch der Verlängerung von Studium entgegenwirkt! Ein Angebot, das überschaubar und übersichtlich ist im Kleinen wie im Großen durch die Schaffung neuer Abschlüsse wie auch durch die Modularisierung! Dass die tatsächliche Wahl erhöht wird und diese Freiheit der Wahl mit einer intensiveren Beratung verbunden wird! Ein Studium, das international bekannt, vergleichbar und attraktiv ist! Ein Angebot, das neue Studiengänge schafft, die sich besser auf die neuen Anforderungen im Beruf beziehen! Dabei ist es ganz entscheidend, das ist auch ein wesentlicher Punkt bei der Einführung von Bachelor und Master, dass wir die Chance haben, das Bleigewicht der Fakultätentage dabei rechts liegen zu lassen, denn Fakt ist, dass sich gegenwärtig auf den Fakultätentagen die Kräfte konzentrieren und zusammenschließen, die eigentlich das Alte bewahren wollen. Die Bachelor- und Masterstudiengänge erlauben und eröffnen uns durch das neue Akkreditierungsverfahren die Möglichkeit, dies zu umgehen.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Ein Angebot auch, das beiden Hochschultypen, Fachhochschulen wie auch Universitäten, die Ausbildung eigener Profile und gleichzeitig die Kooperation und den Übergang zwischen beiden erleichtern soll, und ein Angebot, das sich konzentriert auf die Aneignung von Qualifikationen, die in der Hauptsache darin bestehen, lebenslang Wissenschaft lernen und anwenden zu können!

Wir haben das auch gestern schon gehabt, wir reden viel vom lebenslangen Lernen. Wenn man sich die Wirklichkeit ansieht, ist es so, das Erststudium wird immer länger, offensichtlich auch wegen des Glaubens und wegen des Gefühls, man müsse für sein Leben ein für alle Mal alles gelernt haben. Nein, wir brauchen eine Studienstruktur, in der man wie in einem Baukastensystem kürzere Studienprogramme nach Interesse und Notwendigkeit mit kürzeren oder längeren Phasen von Familienfürsorge, Berufstätigkeit, Auslandsaufenthalten verbinden kann! Das erfordert in unseren Augen den Bachelor und Master, und zwar an Fachhochschulen und Universitäten. Das erfordert in unseren Augen eine wissenschaftliche Weiterbildung auf hohem Niveau.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Damit diese Studienprogramme mit der heutigen Lebenswirklichkeit der Studierenden besser zu verknüpfen sind und damit sie leichter die alten Fachgrenzen überschreiten können, müssen sie selbst in kleine Baukastenteile unterteilt werden und dann wieder in die Module, das heißt in inhaltlich definierte Lehr- und Lerneinheiten, die aus mehreren Veranstaltungen, Seminaren und so weiter bestehen und an deren Ende eine beschreibbare und auch prüfbare in sich geschlossene Qualifikation steht.

Wer sich da auskennt, meine Damen und Herren, und der Pressesprecher der SPD-Fraktion hat das ja gleich gesehen: Ich habe hier vieles vorgetragen, was sich auch in anderen Dokumenten findet, unter anderem in denen des Wissenschaftsrates.

(Abg. Frau Berk [SPD]: Alles!) Alles kann man überhaupt nicht sagen, Frau Berk, dann haben Sie das nicht studiert, denn die Verknüpfung dieser Punkte ist erstens die eine entscheidende Sache, die zweite entscheidende Sache ist die produktive Anwendung in der Politik. Darüber reden wir heute, und da komme ich jetzt zu Bremen und zu der Frage der offenen Türen.

Der Senat hat in seiner Antwort auf unsere Anfrage die Empfehlungen des Wissenschaftsrates insgesamt positiv bewertet und wiedergegeben. Das freut mich auch. Er hat aber eine entscheidende Passage nicht bewertet und auch nicht gewürdigt. Der Wissenschaftsrat hat auch geschrieben, ich darf zitieren: Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Hochschulen, die Chance zu nutzen, um notwendige curriculare Reformen umgehend einzuleiten und neue Studiengänge zu konzipieren. Jetzt kommt der entscheidende Satz: Die Reform der Studiengänge und Studienabschlüsse wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie systematisch und entschlossen vorangetrieben wird.

An dieser systematischen und dieser entschlossenen Umsetzung mangelt es eben bisher in Bremen.

Das kann man auch in der Antwort des Senats lesen. Bisher sind die neuen Abschlüsse in der Regel nur dort eingeführt worden, wo ohnehin etwas Neues gemacht worden ist. Also, da, wo man neue Studiengänge einrichtet, wo man sie reparieren musste, da hat man gesagt: Gut, in einigen Fällen machen wir daraus den Bachelor oder Master.

Die Masterstudiengänge sind zum großen Teil international ausgerichtete Spezialitäten. Das ist auch gut, aber sie sind eben nur kleine Ausschnitte im Studiengang. Zum Teil sind sie faktisch Aufbaustudiengänge, für die ja auch Geld genommen wird.

Bachelorstudiengänge sind noch die Ausnahme. Es gibt bis jetzt ganz wenig, auch in der Planung.

Gleichzeitig können wir sehen, dass in der letzten Zeit mindestens so viele neue herkömmliche Diplomstudiengänge eingerichtet worden sind. Von der Abstimmung unter hochschulübergreifenden Abschlüssen will ich nicht reden, weil außer der Schwerstgeburt Medieninformatik dort bisher noch nichts passiert ist.

Bachelor und Master richtig gleichberechtigt in traditionellen großen Fächern einzuführen ist bisher nur in ein, zwei Fällen angedacht, vorzüglich kann man da in der Universität die Chemiker nennen. Da aber, wo es nach übereinstimmender Meinung besonders notwendig wäre, nämlich in den großen, wenig strukturierten geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen, ist komplett Fehlanzeige. Das heißt, die neuen Studienprogramme sind noch Nischen, und aus diesem Nischendasein führt nur ein großer Schritt, ein kräftiger Schritt auf breiter Front voran. Zum Beispiel: Bachelorabschlüsse an Universitäten kann man gar nicht einführen, wenn man sie nicht gemeinsam konzipiert. Sie werden nicht einen Bachelor in einem Fach und dann in zwei Jahren den anderen, sondern da muss man einen Entwurf machen, wie die sich zueinander verhalten, denn die werden die alten Fächer ja nicht eins zu eins abbilden, sondern da wird man etwas Neues machen, und das kann man nur insgesamt machen, und diese Methode so nach und nach und peu à peu wird einfach nicht greifen können. Deswegen, sage ich, ist in Bremen die Tür nicht offen.

Es gibt keine entschlossene und systematische Reform in Richtung neue Abschlüsse.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Es gibt da auch ganz praktische Probleme, dass zum Beispiel die Hochschule Bremen gegen ihre Überzeugung noch Diplomstudiengänge einrichtet, weil dies noch erheblich schneller geht als das Akkreditieren bei den neuen Akkreditierungsinstanzen. Es gibt auch abwartende Haltungen offensichtlich an den Hochschulen gegenüber dem Neuen. Ich weiß nun gut, dass der Senat nicht mit der Brechstange da herangehen kann, aber ich sehe auch kein Zeichen von Überzeugungsarbeit. Ich sehe auch kein Zeichen, dass man den Druck von Argumenten mit Anreizen dafür verbindet, dort etwas zu machen und Modelle zu entwickeln. Man kann nicht über Jahre traditionelle Studiengänge in ihrer Einrichtung mit vielen tausend DM unterstützen aus dem ISP, aber bei den neuen Studiengängen sagen, das müsst ihr zum Nulltarif machen. Das ist einfach das falsche Signal!

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Das Gleiche gilt für die Modularisierung, das ist das entscheidende Kettenglied in der Feinstruktur.

Auch hier suggeriert der Senat, das wäre alles ein Selbstläufer. Das ist es aber nicht, weil man auch hier den großen Schritt machen muss und nicht dieses Verfahren so nach und nach. Auch hier sehe ich keine wirkliche Förderung dieser Politik auch durch Maßnahmen und auch durch finanzielle Mittel von Seiten des Senats.

Im Februar 1998, erfahren wir, hatte sich die Senatorin, damals Frau Kahrs, vorgenommen, Vereinbarungen mit den Hochschulen abzuschließen, bisher gibt es die nicht. Ich kann noch nicht erkennen, mit welcher Philosophie und mit welchem Schwerpunkt und inwieweit die Hochschulen neue Studienabschlüsse nach Meinung des Senats einführen sollen. Darüber gibt es bisher noch keine Einigung.

Wenn das aber nicht passiert, dann besteht wirklich die Gefahr, dass das eine Nische bleibt, dass diese Abschlüsse immer eine Abweichung vom Normalen bleiben und dann womöglich auch noch Billigvarianten herauskommen und ihnen nicht zugetraut wird, dass sie sich auf dem Markt durchsetzen. Das ist dann eine Prophezeiung, die sich dann in der Tat selbst erfüllt. Unser Vorstoß will dieser Reform zum Erfolg verhelfen, indem wir darauf bestehen, dass sie wirklich in die Tiefe und in die Breite der heutigen Hochschulen geführt wird.

Meine Damen und Herren, ich will und muss zur

Frage des Teilzeitstudiums dann vielleicht in einem zweiten Beitrag noch etwas sagen. Ich möchte abschließend noch einmal die Grundlinie betonen. Wir wissen sehr wohl, dass in Bremen auf vielen Baustellen an den Hochschulen sehr viel und auch gut gearbeitet wird, wir kennen aber inzwischen wirklich auch den Sanierungsbedarf. Wir akzeptieren den Raubbau an der Lebenszeit vieler Studierenden nicht, wir wollen sie aber keineswegs jetzt über einen Kamm der Studienzeitverkürzung scheren. Wir wollen die Vielfalt der Studienwege vergrößern, wir wollen sie international attraktiver machen.

Wir wollen übrigens auch das Studieren unter schwierigen Lebensumständen erleichtern. Jeder kennt ja die Schwierigkeiten, die junge Frauen haben und auch Leute haben, die arbeiten müssen. Das wollen wir besser vereinbar machen. Wir wollen ernst machen mit lebenslangem Lernen. Dafür, finden wir, sind gestufte Studienabschlüsse besser geeignet. Wir sind angesichts der Bedeutung von zahlreichen und guten Hochschulabsolventen für unsere Region nicht der Meinung, dass wir uns wie bisher noch viel Zeit lassen dürfen.

Die Voraussetzungen, da haben Sie Recht, sind in Bremen geschaffen. Wir haben jetzt alle Freiheit, zum richtigen Zeitpunkt einen großen Schritt voran zu tun, wenn wir uns dann hierüber einig werden. ­ Danke schön!

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen) Vizepräsident Ravens: Das Wort erhält der Abgeordnete Jäger.

Abg. Jäger (CDU) : Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Dr. Kuhn hat es eben noch einmal skizziert, Vorschläge für eine durchgreifende Studienreform, so nennt die Fraktion der Grünen ihr jüngstes Papier zur Hochschulpolitik. Patchworkpapier möchte ich es an dieser Stelle einmal nennen, aber vielleicht haben Sie auch nicht das Ziel gehabt, alles zu erschlagen, sondern hier erst einmal Teile des Ganzen aufzuzeigen und sie zu einem Mosaik zusammenzuführen.

Einen Teil haben wir ja schon beim letzten Mal debattiert, Fachhochschule ausbauen, da standen sich zumindest Grüne und CDU durchaus näher, als manch anderen und uns selbst das manchmal lieb ist. Den nächsten Punkt, wissenschaftliche Weiterbildung, diskutieren wir beim nächsten Mal, da bleiben heute Bachelor und Master ­ zum wiederholten Male, das ist nicht die erste Debatte, insofern muss die Debatte hier im Parlament auch nicht so tief greifend sein ­ und das Teilzeitstudium.

Als die Grünen die Redezeit auf 15 Minuten für den ersten Redner hochgeschraubt haben, habe ich gedacht, die Länge der Redezeit und nicht der Inhalt definiert offenbar den angestrebten Eindruck von Reformwilligkeit der Grünen in Sachen Hochschulpolitik. Herr Dr. Kuhn, ich kann leider nicht erkennen, dass das, was Sie fordern, besonders revolutionär ist. In der Tat, um noch einmal mit den Türen zu spielen, sind da beide Türen offen. Deshalb will ich hier jetzt auch nicht einen Keil an jede Stelle hineintreiben, wo vielleicht Unterschiede sind, das hätte man in der Rede vielleicht auch noch herausarbeiten können, trotzdem wollen wir Gemeinsamkeiten feststellen und allenfalls Grenzen aufzeigen.

Zum Teilzeitstudium, Master und Bachelor! Hier finden wir nicht nur bei den Grünen das Modewort Patchworklebenslauf. Manchmal habe ich so den Eindruck, das ist die Legitimation für alles und nichts, und wir tun so, als wäre das der ideale Lebenslauf, ohne äußere Zwänge mit der Freiheit, tun und lassen zu können, was man will, sozusagen als Idealform der Selbstverwirklichung zwischen Bafög und Rente. Das kann man manchmal verstehen, das ist immer eine Frage, wer das sagt. Ich hoffe nicht, dass Sie es meinen.

(Beifall bei der CDU)

Insofern kann man dazu auch etwas anderes einwerfen, ich komme gleich dazu.

Dann gibt es das Stichwort von der Verkürzung der Studienzeit. In der Tat, da haben Sie schon vorgebaut, ist das unser erstes Thema, weshalb wir solche Dinge wollen. Das wird von Ihnen immer mehr als Nebeneffekt betrachtet. Ich sage, bei uns gilt die Studienzeitverkürzung als Priorität, wenn wir Modularisierung und ähnliche Dinge durchsetzen wollen, wobei wir noch immer nicht sehr trennscharf formulieren, wo denn die Modularisierung sinnvoll ist und wo nicht, vor allen Dingen, wie wir unsere eigene Rolle verstehen. Sind wir Kommentatoren, Ratgeber oder wie auch immer, wenn wir jetzt über die Hochschulen diskutieren? Wie können wir die Hochschulen, Herr Senator Lemke, begleiten, diesen Weg zu beschreiten, wie weit geht das über Anreizfunktionen? Diese Diskussion ist ja noch nicht geführt.

Ich weiß nur, dass mein Studium an der Universität Bremen ­ ich habe einmal Wirtschaftswissenschaften studiert ­ für mich immer ein Teilzeitstudium war. Eigentlich war es ein Vollzeitstudium, aber ich habe des Öfteren auf etwas langatmigen Bildungsdeputationssitzungen unter einem Ihrer Vorgänger, heute Bürgermeister, zugebracht. Heute sollen die Deputationssitzungen ja ein bisschen kerniger und entscheidungsorientierter sein, habe ich gehört. Insofern wissen wir auch als Parlamentarier, wie das mit der Teilzeit und der Vollzeit durcheinander geht. Auch die Senatsantwort macht ja sehr deutlich, dass, ich glaube, 35 Prozent der Studenten ihr Studium als Teilzeitstudium sehen.

Man muss bei den Begrifflichkeiten jetzt ein bisschen mit der Trennschärfe aufpassen, was wir denn damit meinen. Wenn wir vom Teilzeitstudium reden,