Frauen in Wissenschaft und Forschung in Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz verfügt über ein großes Potenzial an hochqualifizierten Frauen. Mehr junge Frauen als Männer erwerben heute die Hochschulzugangsberechtigung, mehr junge Frauen nehmen ein Studium auf. Nach wie vor aber scheinen Frauen in Wissenschaft und Forschung und insbesondere in wissenschaftlichen Spitzenpositionen unterrepräsentiert und von Benachteiligungen betroffen zu sein. Dies gilt besonders für bestimmte Studiengänge und für den Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung. Ziel einer zeitgemäßen Wissenschafts- und Hochschulpolitik ist die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre bis in höchste Positionen. Dies ist ein Gebot der Geschlechtergerechtigkeit und stellt gleichermaßen eine allgemeine Notwendigkeit dar: Die Gesellschaft darf das Potential hochqualifizierter Frauen nicht ungenutzt lassen. In Rheinland-Pfalz ist der Gedanke des Gender Mainstreaming fest verankert, u. a. dadurch, dass alle Gesetzesvorhaben der Landesregierung unter dem Gesichtspunkt ihrer Auswirkungen auf die Geschlechter geprüft werden.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Landesregierung:

I. Anteil von Frauen am wissenschaftlichen Personal

1. Wie hat sich der Anteil von Frauen am gesamten hauptberuflich wissenschaftlich tätigen Personal an rheinland-pfälzischen Hochschulen in den letzten zehn Jahren entwickelt?

2. Wie stellt sich seine Verteilung auf die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen dar?

3. Wie viele Professorinnen (absolut und prozentual an der gesamten Professorenschaft) gibt es derzeit im Land, aufgeschlüsselt nach Disziplinen und Besoldung?

4. Welche Entwicklung ist bezüglich der Berufungen von Frauen in den letzten zehn Jahren erkennbar? (Bitte ebenfalls nach wissenschaftlichen Disziplinen aufgeschlüsselt.)

5. Wie steht Rheinland-Pfalz im Ländervergleich dar?

6. Wie groß ist der Anteil von Frauen an den so genannten Juniorprofessuren?

7. Wie hoch ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen der Fachbereichs- und Hochschulleitungen?

8. Wie groß ist der Frauenanteil an den Habilitationen und Promotionen im Land?

9. Welche Entwicklung ist diesbezüglich in den letzten Jahren erkennbar?

10. In welchen Fächergruppen schlossen Frauen besonders häufig Promotionen und Habilitationen ab?

11. Sind der Landesregierung Gründe bekannt, die eine Unterrepräsentanz von Frauen in Wissenschaft und Forschung erklären?

II. Frauen an außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Rheinland-Pfalz

1. Wie hoch ist der Anteil von Frauen an außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Land, an denen eine Landesbeteiligung besteht oder die eine institutionelle Förderung durch das Land erhalten (aufgeschlüsselt nach Einrichtungen)?

2. Wie hoch ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen in diesen Einrichtungen?

3. Sind in diesen Forschungseinrichtungen Gleichstellungsbeauftragte bestellt?

III. Anteil der Studentinnen an den Studierenden in Rheinland-Pfalz

1. Wie hoch ist der Anteil von Studienanfängerinnen im Land?

2. Wie groß ist der Anteil weiblicher Studierender in den verschiedenen Fächergruppen?

3. Welche Entwicklung ist in den letzten zehn Jahren erkennbar?

4. Wie hoch ist der Anteil der Absolventinnen im Land (aufgeschlüsselt nach Studienfächern)?

5. Welche spezifischen Programme existieren, um junge Frauen speziell für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge zu motivieren?

6. Welche Entwicklung ist hinsichtlich der Wahl naturwissenschaftlicher und technischer Studiengänge durch Frauen in den letzten Jahren zu verzeichnen?

IV. Förderprogramme und Chancengleichheit

1. Welche Programme existieren in Rheinland-Pfalz zur Herstellung von Chancengleichheit im Hochschulbereich?

2. Welche besonderen Maßnahmen zur Frauenförderung in der Wissenschaft existieren im Land?

3. An welchen rheinland-pfälzischen Hochschulen gibt es interne Anreizsysteme zur Herstellung der Chancengleichheit?

4. Welche Erfahrungen gibt es mit diesen Anreizsystemen?

5. Welche Erkenntnisse lieferte der Bericht der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung „Frauen in der Wissenschaft ­ Entwicklung und Perspektiven auf dem Weg zur Chancengleichheit" (2000)?

6. Inwieweit sind die Empfehlungen des Programms „Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre" (2001) der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung in Rheinland-Pfalz umgesetzt?

7. Inwieweit sind die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Chancengleichheit von 1998 in Rheinland-Pfalz berücksichtigt?

8. Welche Hochschulen im Land sind mit dem „Total E-Quality Science Award" ausgezeichnet?

9. WelcheWeiterbildungsmöglichkeitenfürWissenschaftlerinnengibtesinRheinland-Pfalz?

10. Wie beurteilt die Landesregierung die Errichtung des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS) mit Sitz in Bonn?

V. Frauenbeauftragte an Hochschulen in Rheinland-Pfalz

1. Wie viele Frauenbeauftragte an Hochschulen gibt es im Land?

2. Wie sind diese miteinander vernetzt?

3. Wie erfolgt die Bestellung der Frauenbeauftragten?

4. Existieren an rheinland-pfälzischen Hochschulen Frauenbüros?

5. An welchen rheinland-pfälzischen Hochschulen existieren Frauenförderpläne, und werden diese regelmäßig fortgeschrieben?

6. Welche Maßnahmen zur Umsetzung von „Gender Mainstreaming" wurden bisher an den rheinland-pfälzischen Hochschulen ergriffen?

VI. Vereinbarkeit von Beruf und Familie

1. Welche Konzepte und Einrichtungen gibt es zur Vereinbarung von wissenschaftlicher Tätigkeit und Familie?

2. In welcher Form wird an den Hochschulen in Rheinland-Pfalz eine Kinderbetreuung angeboten?

3. Welche Hochschulen im Land haben das Zertifikat „Familiengerechte Hochschule" der gemeinnützigen Hertie-Stiftung?

4. Verfügt die Landesregierung über Kenntnisse, an welchen rheinland-pfälzischen Hochschulen flexible Arbeitszeitmodelle bestehen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Geschlechter verbessern?

VII. Frauen- und Geschlechterforschung

1. Welche Aktivitäten gibt es im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung im Land?

2. Existieren speziell diesen Themenfeldern gewidmete Lehrstühle an rheinland-pfälzischen Universitäten?

Das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur hat die Große Anfrage namens der Landesregierung

­ Zuleitungsschreiben des Chefs der Staatskanzlei vom 5. Dezember 2005 ­ wie folgt beantwortet:

I. Anteil von Frauen am wissenschaftlichen Personal

1. Wie hat sich der Anteil von Frauen am gesamten hauptberuflich wissenschaftlich tätigen Personal an rheinland-pfälzischen Hochschulen in den letzten zehn Jahren entwickelt?

2. Wie stellt sich seine Verteilung auf die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen dar?

Fragen 1. und 2. werden anhand der Anlage 1 gemeinsam beantwortet. Dabei sind die Angaben für Professorinnen/Professoren und das sonstige hauptberufliche wissenschaftliche und künstlerische Personal getrennt dargestellt, da diese Daten nur gesondert erfasst sind.

Der Anteil von Frauen am wissenschaftlichen Personal ­ ohne Professorinnen und Professoren ­ der Universitäten und Fachhochschulen ist von 26,3 % 1995 auf 35,0 % 2004 angestiegen. Dabei ist der Anstieg bei den Universitäten höher (25,6 % auf 34,7 %) als bei den Fachhochschulen (37,7 % auf 38,7 %). Verteilt auf die unterschiedlichen Disziplinen ist der größte Teil der Frauen in den Sprach- und Kulturwissenschaften tätig (45,6 % an Universitäten). Auf dem 2. Platz liegt die Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (42,4 % an Universitäten). Der Frauenanteil am wissenschaftlichen und künstlerischen Personal in den Ingenieurwissenschaften an Universitäten konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 7,4 % in 1995 auf 19,5 % in 2004 mehr als verdoppelt werden.

Betrachtet man die Entwicklung seit dem Jahr 1995, so ist festzustellen, dass der Anteil der Professorinnen sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen bis zum Jahr 2004 kontinuierlich gestiegen ist. Der Frauenanteil betrug 1995 an den Universitäten 8,9% und an den Fachhochschulen 7,4%, 2004 lag er bei jeweils 11,8 % an Universitäten und Fachhochschulen.

3. Wie viele Professorinnen (absolut und prozentual an der gesamten Professorenschaft) gibt es derzeit im Land, aufgeschlüsselt nach Disziplinen und Besoldung?

In 2004 waren von insgesamt 1 606 Professuren 189 mit Professorinnen im Land besetzt. Dies entspricht einem Anteil von 11,8 %, sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen. Hiervon entfällt der größte Teil auf die Sprach- und Kulturwissenschaften (Universitäten: 20,7 %) und Kunst und Kunstwissenschaften (Universitäten: 19,6 %; Fachhochschulen: 25,4 %). Nach Besoldungsgruppen differenziert traten weiterhin deutliche Unterschiede zutage: Je höher die Besoldungsstufe ist, desto niedriger ist auch der Anteil der Frauen: Bei den C4 Professuren bei 8,3 %, bei C3 bei 10,7% bei C2 bei 15,7 %. In der W-Besoldung ergibt sich ein ähnliches Bild: 10,0 % W3-, 25 % W2-Professuren und 21,2 % W1 (Juniorprofessuren). Hierzu wird auf Anlage 2 verwiesen.

4. Welche Entwicklung ist bezüglich der Berufungen von Frauen in den letzten zehn Jahren erkennbar? (Bitte ebenfalls nach wissenschaftlichen Disziplinen aufgeschlüsselt.)

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) hatte für das Jahr 1997 erstmals eine Umfrage über die Zahl der Bewerbungen, Ruferteilungen und Ernennungen auf Hochschulprofessuren durchgeführt und die Daten den Regierungschefs des Bundes und der Länder in ihrem Bericht „Datenmaterial zu Frauen in Führungspositionen an Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen" vorgelegt. Die Regierungschefs haben die BLK gebeten, diese Daten fortlaufend zu aktualisieren. Derzeit liegt die neunte Fortschreibung des Datenmaterials für den Zeitraum 1997 bis 2004 vor. Für diesen Zeitraum können die Daten vorgelegt werden.

Schwankungen haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt und sind abhängig von der Bewerberlage und den ausgeschriebenen Professuren. (s. Anlage 3)

5. Wie steht Rheinland-Pfalz im Ländervergleich dar?

Wie bereits in der Beantwortung zu Frage 4 ausgeführt, liegt entsprechendes Datenmaterial in Form eines Ländervergleiches für den Zeitrauem 1997 bis 2004 vor (Anlage 4). Bezüglich der Entwicklung in den letzten Jahren zeigt diese Tabelle, dass der Frauenanteil an den Berufungen an Universitäten und Fachhochschulen seit 1997 gewissen Schwankungen unterworfen ist. Von 13,3 % in 1997 gab es in 2003 einen erfreulichen Aufwärtstrend (27,3%), wodurch Rheinland-Pfalz im Bereich der Universitäten den Spitzenplatz belegte, jedoch fiel der Wert in 2004 auf 11,1 % zurück.

An den Fachhochschulen ergibt sich ein ähnliches Bild: 30,3 %1997, 9,7 % 2000 und 11,3 % 2004.

Im Ländervergleich wird deutlich, dass diese Schwankungen in allen Bundesländern vorkommen. Für die Universitäten liegt der Länderdurchschnitt in 2004 bei 17,5 %, RP: 11,1 %. Für die Fachhochschulen bei 21,0 %, RP: 11,3 %.

6. Wie groß ist der Anteil von Frauen an den so genannten Juniorprofessuren?

Betrachtet man den Bereich der Juniorprofessuren, so betrug der Anteil der Frauen, die 2004 auf W 1-Stellen berufen wurden 23,8 %.

Nach einer aktuellen Umfrage bei den Universitäten des Landes liegt der Anteil der Frauen bei den derzeit besetzten Juniorprofessuren bei 24,05 %.