An welchen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in Rheinland Pfalz gab es in den vergangenen fünf Jahren

Universität Trier

a) Biogeographie: Caenorhabdatitis elegans, Homo sapiens Chromosom 11, Vitis Vinifera

b) Ökotoxikologie/Toxikologie: DNA-Addukte, Comet Essays.

9. An welchen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in Rheinland-Pfalz gab es in den vergangenen fünf Jahren bzw. gibt es welche Forschungsprojekte zu Chancen und Risiken, zu Folgeabschätzungen des Einsatzes von Gen- und Biotechnologie, insbesondere aus dem rechtlichen, philosophischen und sozialwissenschaftlichen Bereich (bitte nach Forschungsarbeiten und den einzelnen Hochschulen bzw. Einrichtungen aufschlüsseln)?

In besonderer Weise widmet sich die Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH der wissenschaftlichen Untersuchung und Beurteilung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen für das individuelle und soziale Leben des Menschen und seiner natürlichen Umwelt. Die medizinischen Disziplinen sind ein Schwerpunkt der Akademie.

Von April 1998 bis März 2000 hat sich eine Projektgruppe der Europäischen Akademie mit dem Projekt „Ethische Fragen und gesellschaftliche Folgen der Humangenetik" beschäftigt. Die Ergebnisse der Erforschung des menschlichen Genoms sowie deren diagnostischer und klinischer Einsatz wurden auf ethische, rechtliche und gesundheitsökonomische Fragen hin überprüft, die sich aus den gewonnenen Handlungsoptionen und der daraus resultierenden Entscheidungsunsicherheit ergeben und für deren Behandlung noch keine eingespielten und akzeptierten gesellschaftlichen Verfahren vorliegen. Das Projekt wurde durch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation unterstützt.

Ein weiteres Projekt „Embryo Experimentation in Europe. Biologisch-medizinische, rechtliche und philosophische Aspekte" befasst sich übergreifend mit der Embryonenforschung. Da durch grenzüberschreitende Forschungsaktivitäten und die Prozesse der europäischen Integration nationale Regelungen in zunehmendem Maße problematisch werden, soll im Rahmen des Projektes, das noch bis Frühjahr 2002 läuft, untersucht werden, ob und ggf. wie Empfehlungen für den Umgang mit der unterschiedlichen kulturellen Identität innerhalb eines vereinten Europas zu entwickeln sind. Neben den relevanten biomedizinischen Aspekten sollen daher vor allem auch Aspekte, die sich aus der Rechtstradition und den moralischen Hintergründen der einzelnen europäischen Länder ergeben, in den Empfehlungen berücksichtigt werden.

An der Universität Mainz wurde 1994 explizit zu diesem Zweck das Institut für Molekulargenetik, gentechnologische Sicherheitsforschung und Beratung durch die Landesregierung eingerichtet. Das Institut stellt aber nicht auf die rechtlichen, philosophischen und sozialwissenschaftlichen Probleme ab, sondern versucht, die naturwissenschaftliche Basis abzusichern. Bei der gentechnologischen Sicherheitsforschung geht es vor allem um die Entwicklung und Anwendung von empfindlichen Methoden zum Nachweis gentechnisch veränderter Organismen.

Außerdem wurde im Jahr 2001 an der Universität Mainz ein interdisziplinärer Arbeitskreis zu Ethik und Recht in der Medizin eingerichtet, der den einschlägigen Sachverstand in diesem Bereich der biomedizinischen Forschung bündelt und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachbereichen Medizin, Theologie, Ethik und Sozialwissenschaft in die Problemstellungen mit einbindet. Forschungs- und Lehrgegenstände des neuen universitären Schwerpunktes sind u. a. die Risiken der Gentechnik. Beteiligt sind auch außeruniversitäre Institutionen und Personen.

Eine Arbeitsgruppe der Universität Kaiserslautern untersucht die Frage, inwieweit die gesetzlichen Regelungen im Bereich der Biotechnologie den biologischen Möglichkeiten und ethischen Konzepten angemessen sind.

Das Fachgebiet Philosophie hat seit dem Wintersemester 1995/1996 in jedem Semester zu den o. g. Fragen Vorlesungen angeboten und folgende Publikationen veröffentlicht:

­ Gemeinsamkeiten und Gegensätze von Medizin und Religion aus philosophischer Sicht. Religiöse Begründungen für medizinisches Verhalten.

­ Über die Bedeutung der Bioethik für Entscheidungen in Wissenschaft und Technik.

­ Ethische Dimensionen des Nichtwissens.

Der Sonderforschungsbereich „Umwelt und Region" der Universität Trier beschäftigt sich auch intensiv mit den gesellschaftlichen Rückwirkungen der Forschungsergebnisse. Ein Projekt zielt auf die Entwicklung von Umweltmanagementstrategien ab und ist deshalb auf eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Fachbereichen Jura (u. a. Gentechnik-Gesetz; EG-Richtlinien; internationale Gesetzgebung), Ökonomie und Sozialwissenschaft angewiesen. Bereits 1993 wurde die Problematik in Seminaren bearbeitet (Prof. Dr. Dickertmann). Folgende beispielhaft genannten Vorlesungen und Übungen beschäftigen sich derzeit mit dem Problemfeld:

a) Ringvorlesung: Informationsgehalt lebender Systeme für die Raumbewertung

b) Bioanalytik I

c) Gentechnische Methoden

d) DNA-Fingerprinting (Blockveranstaltung)

e) Biogene Stoffe mit toxischem Potenzial.

10. An welchen Hochschulen gab es in den vergangenen fünf Jahren im Rahmen des Studium generale oder integrale Veranstaltungen aus den o. g. Bereichen (bitte nach Veranstaltungen und den einzelnen Hochschulen aufschlüsseln)?

Vom Studium generale der Universität Mainz werden jedes Semester mit unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichen Schwerpunkten Veranstaltungen zu der Thematik angeboten. So läuft in diesem Semester ein Seminar zur Ethik im Genzeitalter. Die Veranstaltungen des Studium generale vom Sommersemester 1997 bis zum Sommersemester 1999 zu dieser Thematik sind beispielhaft in Anlage VII dargestellt. Auch der neu gegründete interdisziplinäre Arbeitskreis „Recht und Ethik" in der Medizin bietet eine Veranstaltungsreihe in diesem Semester an.

Universität Kaiserslautern (Beispiele): Vortrag 2000

Prof. Dr. Dr. Heinrich Zankl, Fachbereich Biologie, „Pränatale Diagnostik" Vortragsreihe 2000

MISP ­ Modellierung im interdisziplinären Studienprogramm „Gentechnologie ­ Fluch oder Segen?" Komplettes Programm unter http://www.uni-kl.de/MISP/mispkurs00.html Vortrag 2000

Prof. Dr. Helmut J. Schmidt, Fachbereich Biologie „Welche Chancen und Risiken bietet die Gentechnik für die Ökologie?" Vortrag 1996

Prof. Dr. Peter Propping, Universität Bonn „Wie gleich, wie frei, wie brüderlich ist der Mensch? Einsichten aus der Humangenetik". Universität Trier

­ Biogeographie-Kolloquium

­ Sonderforschungsbereich „Umweltanalyse und Umweltmanagementstrategien für eine nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum".

11. Welche wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes waren in den vergangenen fünf Jahren personell oder auch finanziell an welchen Unternehmensgründungen in den o. g. Bereichen beteiligt?

Die Universität Mainz war und ist bisher zu keinem Zeitpunkt personell und finanziell an Unternehmensgründungen beteiligt, die von Angehörigen der Universität initiiert wurden. Lediglich das Klinikum beabsichtigt, sich an der Ausgründung der Firma Immunogenetics aus der Hämatologie/III. Medizinische Klinik zu beteiligen.

Nach den vorliegenden Erkenntnissen waren auch keine sonstigen wissenschaftlichen Einrichtungen oder Hochschulen finanziell an Unternehmensgründungen beteiligt.

12. Wie viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus rheinland-pfälzischen Hochschulen haben in den vergangenen fünf Jahren eine Genehmigung für Nebentätigkeiten in privaten Betrieben aus den o. g. genannten Bereichen erhalten?

Die Nebentätigkeitsgenehmigungen in der Universität Mainz werden nicht nach einzelnen Fachrichtungen gesondert geführt. Im klinischen Bereich liegen ca. 100 Nebentätigkeitsgenehmigungen vor, die jedoch nur in geringerem Umfange (geschätzt fünf bis zehn) Unternehmensgründungen der Biomedizin zuzuordnen sind. An der Universität selbst sind 20 einschlägige Genehmigungen erteilt (Fachbereiche Medizin und Biologie).

In der Universität Kaiserslautern haben acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Genehmigung für Nebentätigkeiten in den o. g. Bereichen erhalten.

In der Universität Trier liegen keine Nebentätigkeitsgenehmigungen für diese Bereiche vor.

13. Welche Projekte aus den o. g. Bereichen wurden in den vergangenen fünf Jahren von der Stiftung Innovation gefördert (bitte nach Projekten, Geförderten und Förderbeträgen aufschlüsseln)?

In den vergangenen fünf Jahren hat die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation acht Projekte mit einer Gesamtsumme von 13,2 Mio. DM gefördert, darunter auch die Untersuchung zu ethischen Fragen und gesellschaftlichen Folgen der Humangenetik (s. Anlage VIII). In den vergangenen fünf Jahren hat nur die Universität Mainz Anträge aus dem medizinischen Bereich an die Stiftung gestellt.

IV. Forschungen mit dem Hintergrund medizinischer Anwendungen Vorbemerkung:

Zu den Fragen 1 bis 13 werden im Folgenden nur diejenigen Hochschulen und Einrichtungen genannt, die Forschungen im entsprechenden Frageumfeld bearbeitet haben.

Für den Bereich der Unternehmen gilt für die Fragen 3 bis 8, dass Forschungsarbeiten im Wesentlichen in den staatlichen Forschungseinrichtungen umgesetzt werden. Soweit Unternehmen Forschungen in diesen Bereichen betreiben, liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Diese könnten auch zur Vermeidung der Verletzung schutzwürdiger Interessen Dritter nicht offen gelegt werden.

1. Welche Projekte zur Forschung an embryonalen Stammzellen von Mäusen oder weiteren Tierarten werden derzeit wo in Rheinland Pfalz durchgeführt?

Die Universität Mainz verweist auf den Forschungsbericht des Fachbereichs Medizin und konkretisiert beispielhaft drei Projekte zur Forschung an embryonalen Stammzellen von Mäusen:

a) I. Medizinische Klinik: Gewebespezifische Inaktivierung von Genen zur Erforschung der Wachstumsfaktoren

b) Anatomie: Knock-out-Experimente zur Erforschung strukturbildender Proteine

c) Institut für Toxikologie: Untersuchungen zu Transkriptionsfaktoren und Onkogenen an embryonalen Stammzellen von Mäusen.

2. Werden in Rheinland-Pfalz bereits medizinisch-therapeutische Versuche mit Hilfe von Kulturen aus embryonalen oder adulten Stammzellen tierischer Herkunft an Tieren durchgeführt? Wenn ja, welcher Art sind diese?

Im Institut für Virologie der Universität Mainz werden Knochenmarktransplantationen (hämatopoetische Transplantationen) durchgeführt. Die Universität Mainz betreibt ein Labor für gentechnisch veränderte Mauskonstrukte (Knock-out- und transgene Mäuse), das dem Stammzellenschwerpunkt der Deutschen Forschungsgemeinschaft assoziiert wurde.

3. In welchem Umfang werden in rheinland-pfälzischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Forschungen mit gentechnischen Methoden zur Entwicklung oder Herstellung von Pharmazeutika i. S. der Proteinsubstitution durchgeführt?

Im Bereich der medizinischen Forschung der Universität Mainz existieren Arbeitsgruppen zur Proteomics. Dieses Arbeitsfeld wird in naher Zukunft sicherlich noch weiter verstärkt werden. Darüber hinaus werden Mausmodelle zur Tumorgenese in verschiedenen Arbeitsgruppen generiert (Gentransfer). Die Techniken zum Proteinersatz sind in sehr vielen Arbeitsgruppen etabliert, dienen aber der Grundlagenforschung und weniger der Pharmakaproduktion.

4. In welchem Umfang und zu welchen Fragestellungen werden in rheinland-pfälzischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Arbeiten zur Entwicklung oder Herstellung von Pharmazeutika i. S. von Antisense RNA durchgeführt?

An der Universität Mainz werden im Sonderforschungsbereich „Mechanismen der Tumorabwehr und ihrer therapeutischen Beeinflussung" auch im weiteren Sinne Arbeiten zur Antisense RNA durchgeführt. Auch das „Ausknocken" einzelner Gene ist etabliert.

Diese Methodik wird durchgängig in beinahe allen Arbeitsgruppen der Biomedizin verwendet.

5. In welchen Umfang und zu welchen Fragestellungen werden in rheinland-pfälzischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Arbeiten und Entwicklungen im Bereich der Gentherapie durchgeführt?

An der Universität Mainz werden Arbeiten zur Gentherapie im Wesentlichen in der III. Medizinischen Klinik, Abteilung Hämatologie, im Bereich der Vektorenentwicklung und zur Entwicklung von Therapiegenen durchgeführt.

6. Welche Tierarten und wie viele Versuchstiere werden dabei jährlich benutzt?

An der Universität Mainz werden zurzeit für medizinische Anwendungen vorwiegend Mäuse und Ratten gehalten. Daneben existiert noch eine geringe Anzahl Schweine (Minipigs) für die Chirurgie zur Herz-Kreislaufforschung, Kaninchen, Hamster, Fische und Amphibien. Eine genaue Anzahl der jährlich für gentechnische Forschung eingesetzten Tiere ist nicht feststellbar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass etwa 1 000 Tiere in der gesamten gentechnischen Forschung und davon ca. 20 Tiere im erfragten Bereich der Gentherapie eingesetzt werden.