„Fit für den Job"

Als ein Element der Arbeitsmarktinitiative „Neue Chancen: 6 000 plus für Jung und Alt" sollen mit dem Programm „Fit für den Job" die Chancen von Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz durch berufsnahe Qualifizierungen verbessert werden. Das Programm startete Anfang November in Zusammenarbeit von Landesregierung und Regionaldirektion Rheinland-Pfalz und Saarland.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Welche Maßnahmen beinhaltet das Programm im Einzelnen?

2. Welche Ziele sind damit verbunden?

3. Welche jungen Menschen werden mit diesem Programm angesprochen?

4. Welche weiteren Maßnahmen unternimmt die Landesregierung, damit allen ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen ein Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt wird?

Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheithat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 9. Dezember 2005 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Mit der Maßnahme „Fit für den Job" fördert die Landesregierung berufsvorbereitende und berufshinführende Maßnahmen für rheinland-pfälzische Jugendliche.

Auf Grundlage der in der Nachvermittlungsaktion durchgeführten Eignungstests beziehungsweise nach Durchführung einer Eingangsanalyse zur Erfassung der fachlichen, methodischen, sozialen und persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie der individuellen Motivation der Jugendlichen wird eine berufshinführende Qualifizierungsmaßnahme mit Werkstattcharakter, in der vor allem praxisnahe Einblicke in Berufsbilder und fachbezogene Qualifikationen vermittelt werden, durchgeführt.

Die Umsetzung erfolgt landesweit über Träger. Eine bedarfsgerechte Verteilung auf die Regionen in Rheinland-Pfalz wird über einen Schlüssel, der sich an den Schulabgängerzahlen der jeweiligen Regionen orientiert, erreicht. „Fit für den Job"-Projekte werden als Gruppenmaßnahmen durchgeführt, die sozialpädagogisch begleitet werden.

Die Qualifizierungsmaßnahmen beinhalten folgende Elemente:

­ Stärkung der Sozialkompetenz zur Herausbildung und Festigung der persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die junge Menschen für die Aufnahme einer Ausbildung oder Arbeit benötigen.

­ Um die jungen Menschen auch in ihrem persönlichen Umfeld zu stabilisieren, werden Kenntnisse zur wirtschaftlichen Kompetenz vermittelt.

­ Zentrales Element ist die Vermittlung beruflicher Grundfertigkeiten und -kenntnisse aus Teilgebieten anerkannter beruflicher Bildungsgänge in den mit den Jugendlichen festgelegten Berufsfeldern. Die Vermittlung der fachpraktischen Fertigkeiten wird durch fachtheoretischen Unterricht ergänzt. Ein Betriebspraktikum stellt einen Bezug zur Praxis her.

Des Weiteren wird im Bedarfsfall eine Sprachförderung angeboten.

Auch wenn die einzelnen Bausteine von „Fit für den Job" theoretische Elemente enthalten, liegt der Schwerpunkt immer auf betriebs- und praxisnaher Bildung. Ergänzt werden die Qualifizierungsmaßnahmen durch ein Bewerbungstraining und eine im Projektzeitraum vorgehaltene nachsorgende Begleitung, um eine Verbesserung ihrer Chancen auf eine Ausbildung zu erreichen.

Solange der Einstieg in eine Berufsausbildung in diesem Ausbildungsjahr noch möglich ist, werden auch für Jugendliche in „Fit für den Job"-Maßnahmen weiter Bemühungen unternommen, um ihnen die direkte Aufnahme einer Ausbildung zu ermöglichen.

Zu 2.: Ziel der Landesregierung ist es, jedem Jugendlichen eine Chance zu bieten. Junge Menschen brauchen eine Perspektive, um optimistisch in ihre persönliche und berufliche Zukunft sehen zu können.

Auch wenn die Lage am Ausbildungsmarkt schwierig ist, soll kein Jugendlicher unversorgt bleiben. Wenn den benachteiligten Jugendlichen in diesem Jahr noch keine Ausbildungsstelle geboten werden kann, gilt es, durch Maßnahmen ihre Chancen auf eine Ausbildungsstelle im nächsten Ausbildungsjahr zu verbessern. „Fit für den Job" ist eine Maßnahme, die das Ziel hat, die Chancen benachteiligter Jugendlicher auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz konsequent nutzbar zu machen.

Durch die Praxisnähe der Maßnahme sollen Jugendliche, die keine oder nur geringe Motivation für schulische Maßnahmen zeigen, motiviert und aktiviert werden, sich zu qualifizieren und weiter an ihrem Ziel, eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle zu finden, festhalten.

Zu 3.: „Fit für den Job" ist eine Maßnahme, die auf die individuellen Bedarfe benachteiligter junger Menschen ausgerichtet ist. Oft kommen sie aus sozial schwierigen Familienverhältnissen, haben Sprachprobleme oder Lernschwierigkeiten, viele haben keinen oder einen unzureichenden Schulabschluss und sind daher schwer zu vermitteln.

Diese Jugendlichen bemühen sich gemeinsam mit den von den allgemein bildenden Schulen abgehenden Jugendlichen ­ die zum Teil gute und sehr gute Haupt- oder Realschulabschlüsse oder auch das Abitur vorweisen können ­ um Ausbildungsplätze. „Fit für den Job" ist als nachgelagerte Maßnahme konzipiert. Das eigentliche Ziel ist immer, den Jugendlichen eine Ausbildungsstelle zu bieten. Nur wenn dies trotz vielfältiger Bemühungen, beispielsweise im Rahmen der Nachvermittlungsaktion, nicht gelingt, ist „Fit für den Job" eine wirksame Möglichkeit, die Chancen der Jugendlichen für das neue Jahr zu verbessern.

Zu 4.: „Fit für den Job" ist eine der Maßnahmen, mit denen die Landesregierung frühzeitig auf die Ausbildungsmarktsituation im Herbst dieses Jahres reagiert hat.

Sie ist ein Element der Arbeitsmarktinitiative „Neue Chancen: 6 000 plus für Jung und Alt", die die Landesregierung unter anderem zur Verbesserung der Chancen junger Menschen am Ausbildungsmarkt gestartet hat.

Ein weiterer Förderansatz der Arbeitsmarktinitiative ist „Zusätzliche Chancen auf Ausbildung", bei dem durch einen Ausbildungszuschuss und sozialpädagogische Betreuung der Jugendlichen weitere Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche erschlossen werden. Zusätzlich werden Sonderprojekte gefördert, die zum Beispiel auf die Problemlagen von Betrieben, die bisher nicht bereit oder in der Lage waren, Ausbildungsplätze anzubieten, eingehen.

Die anderen Förderansätze der Arbeitsmarktinitiative dienen ebenfalls dazu, die Chancen der jungen Menschen auf eine Ausbildungsstelle zu verbessern. „Fit für den Job" durch eine praxisnahe Qualifizierung, „Nachholender Schulabschluss" durch Kurse, die die Jugendlichen auf den Hauptschulabschluss vorbereiten, und „Zusatzjobs für arbeitslose Jugendliche", indem sie junge Menschen aktivieren und motivieren, sich zu qualifizieren und um eine Ausbildungsstelle zu bemühen.

Diese neuen Maßnahmen fügen sich in das bereits bestehende Angebot des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit ein. „JobFüxe" sind an rheinland-pfälzischen Hauptschulen tätig und unterstützen junge Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf, indem sie über Berufe informieren, in Praktika vermitteln und bei der Ausbildungsplatzsuche helfen. Dabei nutzen sie ihre Kontakte zu Arbeitsverwaltung, Kammern, Betrieben und weiteren Akteuren.

Im Fokus der „Jugendscouts" stehen insbesondere benachteiligte Jugendliche, die sie durch ihre aufsuchende Arbeit erreichen und denen sie Unterstützung bei der Integration ins Erwerbsleben anbieten.

Um die Übergangschancen von einzelnen Teilnehmern am Bundesprogramm „Einstiegsqualifizierung für Jugendliche" zu unterstützen, fördert das Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit so genannte „Berufsmentorinnen und Berufsmentoren", die den Jugendlichen und Betrieben bei Bedarf sozialpädagogische Begleitung sowie Förder- und Stützunterricht anbieten.

Auch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau hält diverse Ansätze zur Verbesserung der Chancen junger Menschen auf Ausbildung bereit, zum Beispiel das Darlehensprogramm zur Förderung von Ausbildungsplätzen, die Förderung der Verbundausbildung und die Förderung der Ausbildungsakquisiteure. Einige dieser Ansätze sind ebenfalls in die Arbeitsmarktinitiative „Neue Chancen: 6 000 plus für Jung und Alt" eingeflossen. Über ein Zuschussprogramm in Zusammenarbeit mit der BASF werden zum Beispiel in diesem Jahr rund 400 Ausbildungsplätze geschaffen.

Alle Maßnahmen der Landesregierung zur Ausbildungsmarktsituation werden am Ovalen Tisch des Ministerpräsidenten gebündelt.