Stromerzeugung

­ Mit der Solartagung Rheinland-Pfalz bietet das Land ein landesweites Fachforum zur Errichtung von Solarstrom- und Solarthermieanlagen an.

­ Die Information der Bürgerinnen und Bürger über Fördermöglichkeiten und Einspeisevergütungen nach dem EEG wird weiter ausgebaut (z. B. Verbraucherzentrale, Unser Ener-Kampagne).

­ Eine umwelt- und raumverträgliche Ausweisung und Erschließung von Freiflächen durch die Kommunen wird fachlich durch die Landesbehörden unterstützt.

Solarthermie

Die Solarthermie hatte im Jahr 2007 erst einen Anteil von 0,3 % am deutschen Gesamtwärmemarkt sowie von 4,1 % innerhalb des Erneuerbare-Energien-Wärmemarkts. Mit einem solaren Wärmepotenzial von ca. 300 000 Mio. kWh 1) bundesweit können ca. 20 % des gesamten Niedertemperaturwärmebedarfs für Warmwasserbereitung, Heizungsunterstützung, Prozesswärme (

Ausbaustrategien

­ Zukünftig sollten bei ganzjährigem Warmwasserbedarf keine Heizungen ohne solarthermische Unterstützung betrieben werden.

In Kombination mit Wärmepumpen oder Biomasse arbeiten solarthermische Anlagen besonders effizient.

­ Energetisch sanierte Bestandsgebäude, deren jährlicher Wärmebedarf (Heizung und Warmwasser) zu mindestens 10 % regenerativ, u. a. durch solarthermische Anlagen gedeckt wird, werden vom Land gefördert.

­ Durch eine gezielte Beratung von Industrie und Gewerbe sowie privaten Haushalten zur Nutzung der solaren Wärme werden die Potenziale der Solarthermie erschlossen.

­ Kürzungen im Marktanreizprogramm des Bundes begegnen wir durch gezielte Information und Beratung bei der landesweiten Einführung wirtschaftlich interessanter, solarer Heizungstechniken.

­ In der Woche der Sonne werben wir landesweit mit Partnern für die Nutzung der Solarenergie.

­ Alle Akteure des Gebäudesektors werden fachlich in die Entwicklung des solaren Wärmemarktes eingebunden.

Solarinitiative Rheinland-Pfalz 2015

Am 23. Juni 2010 wurde gemeinsam von Herrn Ministerpräsidenten Kurt Beck und Frau Staatsministerin Conrad die Solarinitiative Rheinland-Pfalz gestartet.

Ein Ziel der Solarinitiative ist, dass in 2015 insgesamt 100 000 Photovoltaikanlagen auf Dachflächen in Rheinland-Pfalz installiert sind. Dies bedeutet eine Steigerung von derzeit ca. 31 500 installierten Anlagen (Stand Mai 2010) und einer Stromerzeugung von ca. 410 Mio.kWh/Jahr (ca.1,4 % des Stromverbrauchs Basisjahr 2007) auf eine Stromerzeugung von ca.1300 Mio. kWh/Jahr (ca.4,4 % des Stromverbrauchs Basisjahr 2007) 2).

Bei der Solarinitiative Rheinland-Pfalz setzt die Landesregierung auf die Bausteine:

­ Unterstützung kommunaler Ausbaukonzepte zur Solarenergienutzung,

­ Gezielte Öffentlichkeitsarbeit für die Bürgerinnen und Bürger,

­ Ausbau der Beratungsinfrastruktur für Bauherren und Sanierer,

­ Einrichtung einer Dachflächenbörse für Hausbesitzer und investitionswillige Anlagenbetreiber,

­ Förderprogramme des Landes zur Unterstützung von Solarinvestitionen,

­ Know-How-Transfer und Qualifizierung,

­ Aufbau von Energiegenossenschaften,

­ Gewinnen von Partnern und Multiplikatoren für einen verstärkten Ausbau der Solarenergienutzung,

­ Errichtung von Anlagen auf landeseigenen Gebäuden,

­ Erarbeiten von regionalen Energiekonzepten und Potenzialstudien als informelle Instrumente der Regionalentwicklung,

­ Förderung von Forschung auf dem Gebiet der Solarenergie,

­ Berücksichtigung der Interessen des Denkmalschutzes bei der Solarenergienutzung auf denkmalgeschützten Gebäuden,

­ Dokumentation und Statistik der Sonnenenergienutzung in Rheinland-Pfalz.

1) Vgl. „Energieversorgung für Deutschland", Seite 5 des Statusberichts des BMWi und des BMU für den Energiegipfel der Bundesregierung am 3. April 2006.

2) Hierbei wurde für eine Abschätzung eine gleichbleibende durchschnittliche Anlagengröße von 13,9 kWpeak (Durchschnitt für Anlagen kleiner 100 kWpeak 2009) angenommen.

Zur Unterstützung für die Bauherren werden neue Fördermöglichkeiten aus dem 10-Millionen-Förderprogramm des Umweltministeriums für hochenergieeffiziente Gebäude geschaffen. Seit 1. Juli 2010 können Hausbesitzer einen Zuschuss von 1 500 Euro für eine energetische Dachsanierung im Zusammenhang mit der zusätzlichen Installation einer Photovoltaikanlage beantragen.

Geothermie

Tiefengeothermie

Durch die tektonischen Besonderheiten im Oberrheingraben existieren hier gute thermische Bedingungen für die Nutzung der Tiefengeothermie. Mit dem Kraftwerk in Landau wurde in Rheinland-Pfalz im Jahr 2007 das erste industrielle geothermische Kraftwerk in Deutschland ans Netz gebracht.

Die Tiefengeothermie steht als vergleichsweise junge Technologie am Anfang ihrer Entwicklung und ist noch mit einer Reihe von Problemen behaftet, die schrittweise zu lösen sind. Für eine wirtschaftliche und sichere Nutzung der tiefen Erdwärme zur Stromund Nutzwärmeerzeugung wird auch in den kommenden Jahren ein hoher Bedarf an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bestehen.

Die Erkenntnisse aus den seismischen Ereignissen rund um das Geothermiekraftwerk bei Landau werden in die weitere Entwicklung der Tiefengeothermie in Rheinland-Pfalz, aber auch darüber hinaus, einfließen. Hierbei sind vor allem Betriebskonzepte zu entwickeln, die Risiken aus der Seismizität minimieren.

Die Landesregierung setzt sich mit einer Geothermie-Initiative im Bundesrat für eine Stärkung der Rechte von Anwohnern in der Nähe von Geothermie-Bohrungen ein. Durch die Erweiterung der Pflicht zur Prüfung der Umweltverträglichkeit auf alle über 1 000 m tiefen Geothermiebohrungen sollen zukünftig deren Auswirkungen in einem Planfeststellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung geprüft werden.

Die Erschließung und Nutzbarmachung des theoretisch unbegrenzten, aber durch die Kosten limitierten Potenzials der Tiefengeothermie bleibt ein wichtiger Baustein beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz, den es vorsichtig weiterzuentwickeln gilt.

Ausbaustrategien:

­ Die von der Landesregierung unterstützte behutsame Weiterentwicklung der Tiefengeothermie berücksichtigt die Erkenntnisse aus den seismischen Aktivitäten in Landau.

­ Das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz hat einen geothermischen Ressourcen-Atlas erstellen lassen. Er bietet potenziellen Investoren wichtige Informationen, um das Fündigkeitsrisiko von Bohrungen zu senken.

­ Die Forschung zur Optimierung geophysikalischer Explorationsverfahren (z. B. Magnetotellurik, kalibrierte Temperaturprognosen auf Basis von 3-D-Modellen etc.) wird weiter vorangetrieben.

­ Die Datenlage zum Untergrund einschließlich des Grundwassers und der Geothermie wird landesweit vervollständigt.

­ Auf Anregung des Landes Rheinland-Pfalz werden im Rahmen eines EU-Interreg-IV-Projektes in einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg, Hessen, dem Elsass und den Kantonen Basel-Land und Basel-Stadt geologische und geophysikalische Informationen für den tiefen-geothermisch relevanten Teil des Oberrheingrabens erfasst und in ein digitales dreidimensionales Modell überführt.

Oberflächennahe Geothermie

Die oberflächennahe Erdwärme als landesweit nutzbare Ressource ermöglicht durch den Einsatz von Wärmepumpen eine kostengünstige Versorgung mit regenerativer Energie für den Heizungsbereich. Im Jahr 2008 wurden in Rheinland-Pfalz bereits in über 32 % aller Neubauten Wärmepumpen zu Heizzwecken eingebaut.

Das Energiepotenzial thermaler Quellen soll künftig für Heizung und Warmwasserbereitung genutzt werden. Die Erdwärmenutzung und die Nutzung thermaler Quellen setzen anspruchsvolle Energiestandards im Neubau und in der Gebäudesanierung voraus. Ein lokal beschränktes, aber erschließbares Wärmepotenzial stellen Grubenwässer dar.

Ausbaustrategien:

­ Durch eine kompetente Beratung durch das Landesamt für Geologie und Bergbau und die Transferstelle für rationelle und regenerative Energienutzung an der Fachhochschule Bingen zum Einsatz von Wärmepumpen, auch in Kombination mit Solarthermie und Biomasse, wird ein hoher technischer und Energieeffizienz-Standard bei der Nutzung der oberflächennahen Erdwärme erreicht.

­ Das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz hat einen Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden vorgelegt. Er unterstützt Investoren sowie Ingenieure und Architekten bei der Umsetzung.

­ Durch Informationsangebote und Veranstaltungen zur Geothermie und Verwendung von Wärmepumpen (u. a. Wärmepumpentagung) werden Bauherren, Planer und Architekten über die bestverfügbaren Techniken informiert.

­ Das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz fördert Konzepte zur Nutzung geothermischer Energie aus Thermalwasser oder Grubenwasser aus stillgelegten Bergwerken (z. B. in Herdorf und Bad Ems).

Windkraft

Die weitere Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Strommarkt wird zum Großteil durch den Ausbau der Windkraft getragen werden. Ihre technische Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren hat die Wirtschaftlichkeit der Windkraft erheblich gesteigert. Sie stellte in 2007 mit ca. 43 % landesweit den höchsten Anteil an der Bruttostromproduktion aus erneuerbaren Energieträgern.

In 2009 produzierten 1 021 Windkraftanlagen im Land bei einer installierten Leistung von 1 300 MW ca. 2 000 Mio. kWh Strom.

Das durch die regionalen Raumordnungspläne bereitgestellte Flächenangebot für die Windkraft beläuft sich derzeit landesweit auf ca. 42,2 km². Die Summe aller Vorrang- und Vorbehaltsflächen umfasst damit 0,2 % der Landesfläche in Rheinland-Pfalz.

Vor allem der Austausch älterer Anlagen durch moderne, leistungsfähigere Anlagen, das sogenannte „Repowering", bietet große Perspektiven für den weiteren Ausbau der Windkraft im Land.

Mit Anlagen modernster Bauart und deren Installation an windhöffigen Standorten könnten mit 60 % der heute vorhandenen Anlagenstandorte rund 30 % des Stromverbrauches unseres Landes erzeugt werden. Rheinland-Pfalz verfügt in seinen Mittelgebirgen über Standorte mit Windbedingungen, wie sie in Küstennähe vorliegen.

Ausbaustrategien:

­ Die Landesregierung sieht im Repowering bestehender Anlagen einen wesentlichen Schwerpunkt in Bezug auf den weiteren Ausbau der Windkraft.

­ Für die Nutzung des hohen Ausbaupotenzials der Windkraft werden mit den Planungsträgern Standort- und Repowering- Konzepte entwickelt werden, die Menschen-, Natur- und Raumverträglichkeit mit Windhöffigkeit und leistungsstarker Anlagentechnik verbinden.

­ Mit der rheinland-pfälzischen Windenergie-Tagung hat das Land eine Plattform für alle Fragen rund um die Windenergie geschaffen.

­ Der Direktverbrauch von Windstrom eröffnet energieintensiven Unternehmen oder Unternehmen an Verbundstandorten die Möglichkeit, preiswerten, regenerativ erzeugten Strom zu Kosten in Höhe von

­ Für einen weiteren Ausbau der Erneuerbaren, insbesondere der Windkraft, und deren Einbindung in sichere Versorgungsstrukturen unterzeichnete das Land am 21. Juni 2010 eine Absichtserklärung für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und der RWE Rheinland-Westfalen Netz AG bei der effizienten, zeit- und bedarfsgerechten Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen für den Ausbau der erneuerbaren und dezentralen Stromerzeugung.

Wasserkraft

Die Wasserkraft hat in Rheinland-Pfalz heute einen Anteil von ca. 3 bis 3,5 % am Bruttostromverbrauch. Da die Erschließung der Potenziale der Großwasserkraft weitgehend abgeschlossen ist, wird vor allem über die Kleinwasserkraft ein Ausbaupotenzial auf ca. 4 bis 5 % gesehen.

Ausbaustrategien:

­ Aufgrund des begrenzten Potenzials erfolgt der Ausbau der Wasserkraft in Rheinland-Pfalz mit den Betreibern und Inhabern von Wasserrechten vor allem durch die Modernisierung vorhandener Anlagen mit dem Ziel, deren Stromerzeugungseffizienz und gleichzeitig die Fisch- und wasserwirtschaftliche Verträglichkeit zu steigern.

­ Das Land unterstützt die Reaktivierung von Anlagen der kleinen Wasserkraft, wo sie unter Berücksichtigung des Wasserangebotes und der Gewässerökologie wirtschaftlich darstellbar ist.

­ Die effiziente und naturverträgliche Nutzung der Wasserkraft wird durch die Erarbeitung modellhafter Umsetzungskonzepte begleitet.

Biomasse

Die Biomasse nach EEG und der biogene Abfallanteil tragen derzeit zu ca. 3 % zur Deckung des rheinland-pfälzischen Gesamtstromverbrauchs bei.

Die Lagerfähigkeit der Biomasse ermöglicht deren Einsatz als Ausgleichsenergie insbesondere bei der Strom-, aber auch Wärmeproduktion durch fluktuierende regenerative Energiequellen wie Wind oder Solarenergie. Dadurch kommt der Biomasse eine besondere Bedeutung unter den Erneuerbaren zu.

Die beschränkte Flächenverfügbarkeit begrenzt allerdings den Anbau von Energiepflanzen (z. B. Mais, Getreide, Miscanthus). Daher gelten für den Anbau die Grundsätze einer strikten Nachhaltigkeit, Naturverträglichkeit und des Vorrangs der Nahrungsmittelproduktion.