Ausbaustrategien. Der Ausbau der Bioenergienutzung muss mit einer weiteren Effizienzsteigerung einhergehen

Entsprechend der Ergebnisse der Biomasse-Potenzialstudie Rheinland-Pfalz des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) ist ein Anteil der Biomasse am Primärenergieverbrauch von ca. 4 % kurzfristig erschließbar, wobei sowohl der Wärme- als auch der Strombereich ausbaufähig sind.

Ausbaustrategien:

­ Der Ausbau der Bioenergienutzung muss mit einer weiteren Effizienzsteigerung einhergehen. Biomasse sollte daher vorrangig zur Erzeugung von Strom in Kombination mit Nutzwärme in KWK-Anlagen oder zur Erzeugung von Prozesswärme auf vergleichsweise hohem Temperaturniveau eingesetzt werden.

­ Die Effizienz der heute in Rheinland-Pfalz vorhandenen rund 100 landwirtschaftlichen Biogasanlagen soll erhöht und so die Wertschöpfung maximiert werden.

­ Das Land unterstützt die Aufbereitung und Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz.

­ Mit Land- und Forstwirtschaft sowie mit dem Weinbau werden die Konzepte eines nachhaltigen Biomasseanbaus und ihre Nutzung weiterentwickelt. Die Rückstände aus der landwirtschaftlichen Produktion sind verstärkt als CO2-neutrale Energieträger für die Strom- und Wärmeproduktion einzusetzen.

­ Die im biogenen Anteil von Reststoffen und Abfällen bisher noch nicht ausreichend genutzten Potenziale sind verstärkt in die regenerative Strom- und Nutzwärmeerzeugung zu integrieren.

­ Im Rahmen eines Stoffstrommanagements auf örtlicher und regionaler Ebene werden Biomassen unterschiedlicher Herkunft erschlossen und einer effizienten Verwendung zugeführt.

­ Im Rahmen unserer Biomassestrategie werden wir die Informationen für die unterschiedlichen Akteure weiter ausbauen (u. a. Biomassetage).

­ Die Erschließung von Effizienzpotenzialen in Kombination mit Solarenergie sind bevorzugte Handlungsfelder. Dazu werden Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen sowohl für das Handwerk wie auch die potenziellen Anwender angeboten.

Biogener Anteil von Reststoffen

Das jährliche Aufkommen an Reststoffen aus Forst- und Holzwirtschaft, Landwirtschaft, Tierkörperbeseitigung, Lebensmittelindustrie sowie Abwasser- und Abfallwirtschaft kann einen Deckungsbeitrag von ca. 4 % bis 5 % des gesamten deutschen Primärenergiebedarfs leisten 3). Ziel der rheinland-pfälzischen Abfallwirtschaft ist eine Abkehr von der klassischen Abfallwirtschaft hin zu einer „Rohstoffwirtschaft". Das Stoffstrommanagement dient als geeignetes Instrument dafür. Dabei geht es nicht mehr darum, Abfälle zu „entsorgen", sondern vielmehr darum, Abfälle als Sekundärrohstoffe zu identifizieren und sie als Wertstoffe in Wirtschaftskreisläufe zu überführen.

Im Rahmen ihrer Unterstützung des regionalen Stoffstrommanagements bietet die Landesregierung eine Reihe von Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten und Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten an.

So wird die Energieversorgung durch Sekundärbrennstoff-Kraftwerke, z. B. auf der Basis von Altholz, aber auch mit Gewerbe- oder Siedlungsabfällen unterstützt. Für die Erschließung von Rohstoffen aus der Region fördert das Land die Erstellung von regionalen Stoffstrommanagementkonzepten. Hierzu zählen u. a. die Machbarkeitsstudie kommunales Stoffstrommanagement in der Region Südpfalz, Strategien zur Behandlung getrennt gesammelter Bioabfälle, Stoffstrommanagement und energetische Verwertung von Bioabfällen im Donnersbergkreis, regionale Stoffstrom- und Energiekonzepte zur Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energiequellen, Stoffstrommanagement-Konzeption für den gesamten Norden des Landes oder auch die ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle energetische Verwertung von Klärschlamm in 15 Gebietskörperschaften der Südpfalz.

Rheinland-Pfalz verfügt bereits über ein Netz hochwertiger Recyclinganlagen. 65 % des Gesamtabfallaufkommens wird heute bereits in diesen Anlagen verwertet. Im bundesweiten Vergleich nimmt Rheinland-Pfalz insbesondere bei der Getrenntsammlung und anschließenden Verwertung von PPK, Altglas, Kunststoffen und Bioabfällen Spitzenpositionen ein.

Bei der Betrachtung der Gesamtmenge der getrennt erfassten Wertstoffe steht das Land nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes mit 167 kg pro Einwohner und Jahr im bundesweiten Vergleich sogar auf Platz 1.

Ausbaustrategien:

­ Das Land unterstützt den standortoptimierten Betrieb energieeffizienter Müllheizkraftwerke mit hohen Wirkungsgraden.

­ Durch die Herstellung von Ersatzbrennstoffen können fossil befeuerte Kraftwerke durch Ersatzbrennstoffkraftwerke ersetzt werden.

­ Die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen in industriellen Feuerungsanlagen (z. B. Zementindustrie) senkt den Bedarf an teuren fossilen Energieträgern.

3) Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), Sondergutachten „Klimaschutz durch Biomasse", Juli 2007.

­ Die Erzeugung von Biogas aus Abfällen in Bio- und Restabfallvergärungsanlagen wird weiter ausgebaut. Mögliche Anwendungsfelder des Biogases sind u. a. die Verstromung in Blockheizkraftwerken sowie ­ nach entsprechender Aufbereitung ­ die Einspeisung in das Erdgasnetz oder die Synthese von Kraftstoffen.

­ Stofflich nicht weiter verwertbares Altholz wird in effizienten Holzheizkraftwerken einer energetischen Nutzung zugeführt.

­ Das Land unterstützt die energetische Nutzung von Biomasse (z. B. Grünschnitt, Landschaftspflegematerial) in standortoptimierten Biomassekraftwerken mit geeignetem Wärmenutzungskonzept.

­ Klär- und Deponiegas sowie die anfallenden Klärschlämme sind verstärkt einer energetischen Nutzung zuzuführen.

2. Planungsoffensive erneuerbare Energien

Das Landesentwicklungsprogramm (LEP) IV verpflichtet dazu, orientiert an den Landes,- Bundes- und EU-Zielen, den Ausbau von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien voranzubringen.

Nachhaltige Raumentwicklung, die Entwicklung von Vermeidungs- und Minderungsstrategien und die Entwicklung von Anpassungsstrategien zur Bewältigung des Klimawandels, die Förderung und Steuerung energieeffizienter Raumstrukturen und die raumund umweltverträgliche Sicherung und Steuerung der Energieversorgung als Teil der Daseinsvorsorge z. B. durch Maßnahmen zur Sicherung und zum Ausbau der Energieinfrastruktur und durch die planerische Unterstützung des Ausbaus erneuerbarer Energien sind Schwerpunktthemen für die energie- und klimapolitischen Belange in Raumordnung und Landesplanung.

Das Planungsrecht soll auf allen Planungsebenen offensiv für den Ausbau der erneuerbaren Energien genutzt werden.

Das Ministerium des Innern und für Sport als oberste Landesplanungsbehörde und das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz entwickeln gemeinsam mit den regionalen und kommunalen Planungsträgern die planerischen Grundlagen für den landesweiten Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere auf dem Gebiet der Windkraft.

Die Herausforderungen des Ausbaus der erneuerbaren Energien erfordern eine enge Zusammenarbeit von Kommunen, kommunalen Verbänden, Landkreisen, Genehmigungsbehörden, Planungsgemeinschaften, Projektentwicklern, den heimischen Energieversorgern und der Wirtschaft als strategische Partner.

Das Land unterstützt und berät Gemeinden und Planungsverbände bei der Erarbeitung von Planungsgrundlagen und -kriterien (Raumordnungsplanung, Flächennutzungsplanung, Bebauungsplan), bei der Entwicklung von regionalen Energieplänen, bei der Erstellung qualifizierter Repowering-Konzepte und von Solar-, Geowärme- und Bioenergiekonzepten.

Die Landesregierung unterstützt ferner die Entwicklung von Energiekonzepten, wie z. B. bei der Nahwärmeversorgung, KraftWärme-Kopplung oder der vorrangigen Nutzung brennstofffreier erneuerbarer Energien. Diese sollen nach Möglichkeit bereits bei der Erstellung von Bebauungsplänen von Wohn-, Industrie- und Gewerbegebieten integriert werden.

Energiekonzepte auf örtlicher und regionaler Ebene mit anspruchvoller Zielsetzung sind u. a. die 100 % regenerative Gemeinde oder die Null-Emissions-Gemeinde/-Region. Die Dynamik des Ausbaus der erneuerbaren Energien wird stark getragen von diesen örtlichen Konzepten. Sie basieren auf Potenzialbedarfsanalysen an Energieressourcen und -verbräuchen.

Auf dieser Ebene können sie und sollen sie durch Planungsrecht abgesichert werden.

Die Landesregierung fördert und unterstützt die Entwicklung solcher Konzepte finanziell und durch Beratung.

Über unsere Internetplattform, www.energie-komm.de, werden beispielhafte kommunale Projekte und Best-practice-Konzepte aus dem kommunalen Bereich vorgestellt.

3. Änderung der Energieversorgungsstrukturen durch den Ausbau der Erneuerbaren

Aufbau von intelligenten Netzen (Smart Grids)

Die Integration einer Vielzahl dezentraler, regenerativer Energieerzeugungsanlagen in eine sichere, qualitativ hochwertige und effiziente Versorgung ist eine der wichtigsten Herausforderungen der Energie- und Technologiepolitik.

Die verstärkte Einbindung fluktuierender Energiequellen, wie zum Beispiel der Solarenergie und der Windkraft, werden die Energieversorgung und die Energieinfrastruktur, aber auch die Netzinfrastruktur auf der Verteilebene vor neue Herausforderungen stellen.

Die schrittweise Ablösung einer zentralen Stromerzeugung in großen Kraftwerken durch die stetige Zunahme an dezentralen Erzeugern erfordert den Aufbau einer intelligenten Organisation moderner Stromnetze zur Steuerung, Lastenverteilung, Speicherung und Erzeugung von elektrischer Energie ­ sogenannter Smart Grids ­, die im Gegensatz zur derzeitigen Netzinfrastruktur einen bidirektionalen Strom- und Datenaustausch erlaubt.

Das Energiemanagement der Stromnetze wird künftig durch intelligente Messstellen ­ die sogenannten Smart Meter ­ unterstützt, die die Voraussetzungen dafür bilden, das Energieangebot und die Energienachfrage optimiert aufeinander abstimmen zu können.

Durch die Vernetzung einer Vielzahl von dezentralen Stromerzeugungsanlagen in Kombination mit einem Demand-Management auf der Verbraucherseite lassen sich durch Smart Meters und Smart Grids auf der Verteilnetzebene sogenannte virtuelle Kraftwerke bilden, die analog einem konventionellen Kraftwerk auf dem Strommarkt agieren können.

Als Technologie der Zukunft unterstützt daher das Land die Entwicklung und den Ausbau von Smart Grids und Smart Metering.

Zur Unterstützung des Aufbaus einer zukünftigen leistungsfähigen Strominfrastruktur zur sicheren Einbindung fluktuierender erneuerbarer Energien in die Stromversorgung gründet das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz das Kompetenznetzwerk „Smart Grids und Virtuelle Kraftwerke".

Das Netzwerk beschäftigt sich mit den Anforderungen, die sich aus der Integration einer fluktuierenden Stromeinspeisung aus regenerativen Energiequellen in ein Qualitätsstromnetz ergeben und unterstützt die Einführung von intelligenten Stromnetzen sowie von virtuellen Kraftwerken in Rheinland-Pfalz.

Das Netzwerk soll als Informations- und Kommunikationsplattform für unterschiedliche Akteure dienen, die sich mit den Themen „Smart Grids" und „Virtuelle Kraftwerke" beschäftigen. Hierzu zählen u. a. regionale Netzbetreiber und Energieversorgungsunternehmen, Hersteller von Mess- und Kommunikationstechnologien, Hersteller und Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen, Hersteller von dezentralen Stromerzeugungsanlagen, wissenschaftliche Einrichtungen und Transferstellen sowie die Fachverbände der Energiewirtschaft. Das Kompetenznetzwerk wird federführend von der Transferstelle Bingen aufgebaut und betreut.

Umbau des Energiemarktes und Stärkung des Wettbewerbs

Die durch eine Dezentralisierung der Stromerzeugung hervorgerufenen Veränderungen auf den Energiemärkten bieten Chancen für kommunale und regionale Energieunternehmen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Diese reichen von der Erzeugung von Strom und Wärme bis zum Energie-Contracting.

Die Entwicklung der regionalen „Versorger" zu einem am Markt breit aufgestellten Energiedienstleister wird vom Land unterstützt.

Der Ausbau der dezentralen, regenerativen Energieerzeugung und deren Einbindung in virtuelle Kraftwerke erlaubt auch kleineren Produzenten eine Teilnahme an den bundesweiten Energiemärkten. Dadurch wird der Wettbewerb auf den Energiemärkten gestärkt und die marktbeherrschende Stellung der großen Energiekonzerne reduziert.

Mit den rheinland-pfälzischen Energieversorgern gibt es vor allem über die Verbände VKU und LDEW eine enge Zusammenarbeit.

Hauptziel ist der Ausbau der Energieerzeugung der kommunalen und regionalen Energieversorger insbesondere mit erneuerbaren Energien und der Energiedienstleistungen sowie die Entwicklung von Netzinfrastruktur und -management.

Mit der Bildung von Energiegenossenschaften können Bürgerinnen und Bürger gemeinsam Erneuerbare-Energien-Projekte entwickeln und betreiben und so die Energiezukunft in ihrer Region mit gestalten. Sie ergänzen Klimaschutzpolitik von oben wirkungsvoll durch aktives bürgerschaftliches Engagement vor Ort. Das Ergebnis ist mehr Klimaschutz durch bürgerschaftliche Verantwortung und mehr wirtschaftliche Effizienz durch genossenschaftliches Handeln.

Um die Gründung von Energiegenossenschaften entscheidend voranzubringen, braucht es Fachleute, die engagiert und fachlich kompetent neue Energieprojekte auf den Weg bringen. Im Rahmen des gemeinsamen Pilotprojekts „Projektentwickler/-innen für Energiegenossenschaften" der Landesregierung, kirchlicher Einrichtungen und genossenschaftlicher Organisationen sowie der Leitstelle Bürgergesellschaft und Ehrenamt der Staatskanzlei werden in einem bundesweit beispielhaften Projekt diese Fachleute qualifiziert. Die Lehrgänge sind stark nachgefragt.

Ziel des Projektes ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Erneuerbare-Energien-Anlagen gemeinschaftlich projektiert, installiert und betrieben werden können und der aus Rheinland-Pfalz stammende genossenschaftliche Ansatz auch auf dem Gebiet der Energiegewinnung erfolgreich umgesetzt werden kann.

4. Nutzung erneuerbarer Energiequellen in der Landesverwaltung

Wenn man andere mitnehmen und begeistern will, muss man durch eigene Anstrengung und das eigene Vorbild überzeugen.

Einsatz von erneuerbaren Energien in landeseigenen Gebäuden und Liegenschaften

Für das energieeffiziente Bauen und Sanieren landeseigener Gebäude unter Einbeziehung der regenerativen Energien gibt die interne Richtlinie des Landesbetriebes Liegenschafts- und Baubetreuung LBB, Stand Dezember 2009, die Zielrichtung vor.

Hervorzuheben ist, dass der Landesbetrieb LBB bei Neubauten grundsätzlich prüft, inwiefern der „Energie-Gewinn-Standard" auf der Basis des Passivhaus-Niveaus und der Nutzung regenerativer Energiequellen realisiert werden kann.

Die primärenergetische Mindestanforderung bei Neubaumaßnahmen ist um bis zu 30 % schärfer als die Energieeinsparverordnung EnEV 2009 vorschreibt. Auch für Sanierungen sind maximal zulässige Werte für den Primärenergiebedarf vorgegeben, die bezogen auf die EnEV 2009 um mindestens 15 % niedriger sind.

Durch den Einbau sowie die Erneuerung von Heizungen soll so weit wie möglich die Wärmeversorgung CO2-neutral gestaltet werden, indem vor allem regenerative Heizsysteme bevorzugt eingesetzt werden.

Bei entsprechender Eignung der jeweiligen Immobilie werden Photovoltaikanlagen errichtet.

Bereits heute sind auf den landeseigenen Dächern 41 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 2,6 MWp installiert. 17 solarthermische Anlagen erzeugen mit einer Kollektorfläche von über 800 m² umweltfreundlich Wärme. Die mit Biomasse betriebenen landeseigenen Wärmeerzeuger verfügen über eine installierte Leistung von rund 3 MW. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung stehen rund 1,5 MW thermische und rund 0,9 MW elektrische Leistung zur Verfügung. Der Leistungsausbau schreitet kontinuierlich voran.