Veränderter Förderbedarf an Förderschulen

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie hat sich die Zahl der Kinder, welche Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen besuchen, im Verlauf der letzten zehn Jahre verändert?

2. Inwiefern hat sich der Förderbedarf von Kindern, welche Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen besuchen, im Verlauf der letzten zehn Jahre qualitativ verändert?

3. Inwieweit haben sich die Ursachen für die Empfehlungen zum Besuch einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen in den letzten zehn Jahren verändert?

4. Wurde das Angebot der Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen in den vergangenen Jahren auf die veränderten Bedarfe und Bedürfnisse der Schüler angepasst?

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 27.Oktober 2010 Förderbedarf individuelle Hilfen und notwendige Unterstützung durch sonderpädagogische Fördermaßnahmen, damit sie eine ihren individuellen Möglichkeiten entsprechende schulische Bildung und Erziehung erreichen können. Der individuelle Unterstützungsbedarf wird im Einzelfall festgestellt und beschrieben. Dazu wird für die einzelnen Schülerinnen und Schüler jeweils ein Förderplan erstellt, der auf ihren Förderbedarf abgestimmt ist (individueller Förderplan). Vergleichende Auswertungen der individuellen Förderpläne im Sinne einer Längsschnittstudie liegen nicht vor.

Zu Frage 3: Zum Besuch einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen wird keine Empfehlung ausgesprochen. Zur Verfahrensweise bei der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs bezogen auf den Förderort verweise ich auf die Antwort der Landesregierung vom 21. Juni 2010 auf die Kleine Anfrage 3020 der Abgeordneten Bettina Dickes, Drucksache 15/4725.

Zu Frage 4: Es ist Ziel sonderpädagogischer Förderung, allen Schülerinnen und Schülern die ihren Fähigkeiten entsprechenden Schulabschlüsse zu ermöglichen, um sie optimal auf den Übergang in eine berufliche Tätigkeit oder eine Ausbildung vorzubereiten.

Daher setzt sonderpädagogische Förderung, entsprechend den Förderbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler, Schwerpunkte in Unterricht und Erziehung. In den vergangenen Jahren wurde dabei der Berufsorientierung in der Schule besondere Bedeutung beigemessen. Dazu erfolgt eine zunehmend engere Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern sowie mit anderen Institutionen, insbesondere der Bundesagentur für Arbeit. Hier sind beispielhaft zu nennen: Praxistag, Berufseinstiegsbegleitung, vertiefte Berufsorientierung, die Zusammenarbeit mit den Integrationsfachdiensten bei der Gestaltung des Übergangs.

Dem Ziel der Chancengleichheit dient auch der Ausbau des Ganztagsschulangebotes, das den Schülerinnen und Schülern mehr Förderung und mehr Lernzeit bietet.

Insbesondere die Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen arbeiten zunehmend mehr mit allgemeinen Schulen zusammen, um Schülerinnen und Schülern den Erwerb der Berufsreife in Kooperation mit diesen zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang verweise ich auf die Antwort der Landesregierung vom 28. März 2008 auf die Kleine Anfrage 1291 der Abgeordneten Christine Schneider und Bettina Dickes, Drucksache 15/2063.

Zwischen allgemeinen Schulen und Förderschulen wurden abgestimmte Konzepte zur integrierten sonderpädagogischen Förderung nach der entsprechenden Verwaltungsvorschrift („Durchführung der integrierten Fördermaßnahmen gemäß § 29 der Schulordnung für die öffentlichen Grundschulen" von 1993) in der Praxis entwickelt, um frühzeitig gezielte Förderkonzepte umzusetzen. Dies trägt dazu bei, sonderpädagogische Kompetenz im Schulsystem zu verankern, um im Bereich Beratung und Unterstützung der Entstehung von sonderpädagogischem Förderbedarf entgegenzuwirken.