Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sprache

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie hat sich die Schülerzahl an den einzelnen Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sprache in den vergangenen zehn Jahren entwickelt ­ gegliedert nach Klassenstufen und einzelnen Schulen?

2. Wie hat sich im gleichen Zeitraum die Zahl der Kinder entwickelt, die mit dem Förderschwerpunkt Sprache eine Schwerpunktschule besuchen ­ gegliedert nach Klassenstufen und einzelnen Schulen?

3. Wie viele Eltern von Kindern mit dem Förderbedarf Sprache haben in den vergangenen drei Jahren als Wunsch für den Förderort eine Förderschule angegeben?

4. Wie vielen dieser Wünsche wurde stattgegeben ­ absolut und prozentual?

5. Aus welchen Gründen wurde in vielen Fällen dem Elternwunsch nach dem Förderort Förderschule nicht nachgegeben?

6. In wie vielen Fällen wurde bei einem diagnostizierten Sprachförderbedarf dem Elternwunsch nach dem Förderort Schwerpunktschule nicht nachgegeben?

7. Wie sieht die Landesregierung langfristig die Perspektive der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache?

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 27. September 2010 wie folgt beantwortet:

Zu Frage 1: Im Kontext zu den übrigen Fragen der Kleinen Anfrage wird Frage 1 so interpretiert, dass sie sich auf Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Sprache an allen Förderschulen bezieht. An den sieben Förderschulen mit ausschließlich dem Förderschwerpunkt Sprache sind alle Schülerinnen und Schüler dieser Schulen aufgeführt.

Angaben zur Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt Sprache an Förderschulen der vergangenen zehn Jahre können der Anlage 1 entnommen werden.

Zu Frage 2: Angaben zur Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt Sprache, die eine Schwerpunktschule besuchen, können der Anlage 2 entnommen werden. Daten hierzu werden seit dem Schuljahr 2006/2007 erhoben.

Zu den Fragen 3 bis 6: Zu den geäußerten Elternwünschen bezogen auf den Förderort werden im Rahmen der amtlichen Schulstatistik keine Daten erhoben. Es liegen daher auch keine Daten darüber vor, in wie vielen Fällen als Wunsch für den Förderort eine Förderschule angegeben bzw. diesem Wunsch stattgegeben oder nicht stattgegeben wurde.

Es ist zukünftig vorgesehen, die Daten zum Wunsch der Eltern bezogen auf den Förderort bei der Abwicklung des Verfahrens des sonderpädagogischen Förderbedarfs darzustellen.

Bei der Entscheidung der Schulbehörde, welche Schule eine Schülerin bzw. ein Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf besuchen soll, ist eine Beteiligung der Eltern vorgesehen. Im Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs haben Eltern ausdrücklich Gelegenheit, ihre Vorstellungen zum Lernort ihres Kindes zu äußern. Dabei werden die Eltern über die grundsätzlich möglichen Förderformen „integrativer/inklusiver Unterricht in Schwerpunktschulen" und „Unterricht in einer Förderschule" umfassend informiert und beraten. Der Elternwunsch ist bei der Entscheidung der Schulaufsicht handlungsleitend und wird nach Möglichkeit erfüllt (gewährtes Elternwahlrecht). Im Übrigen verweise ich auf die Antwort der Landesregierung vom 21. Juni 2010 zu Frage 1 der Kleinen Anfrage 3020, Drucksache 15/4725.

Aus § 3 Abs. 5 und § 59 Abs. 4 SchulG ergibt sich, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf möglichst allgemeine Schulen besuchen sollen. Deshalb wird vorrangig die Realisierungsmöglichkeit von integrativem/inklusivem Unterricht geprüft. Insbesondere in diesem Förderschwerpunkt bietet der integrative/inklusive Unterricht den Vorteil, dass kein Schulwechsel in der Primarstufe erforderlich wird und das sprachliche Umfeld und Vorbild der Gleichaltrigen unterstützend wirken.

Zu Frage 7: Die Landesregierung wird auch in Zukunft ein System vielfältiger Förderorte im Schulwesen gewährleisten, in dem sonderpädagogische Fachkompetenz an allen Standorten gesichert sein wird; dies gilt auch für den Fördeschwerpunkt Sprache. Diese Zielsetzung steht in engem Zusammenhang mit den Leitzielen der Gleichstellungsgesetzgebung des Landes und mit dem Aktionsplan der Landesregierung vom 25. März 2010. Ausdrücklicher Schwerpunkt des Aktionsplanes und für die Landesregierung handlungsleitend sind die Ausweitung des integrativen/inklusiven Unterrichts ­ diese erfolgt vorrangig in Schwerpunktschulen ­ sowie die Sicherung und Verankerung sonderpädagogischer Fachkompetenz im Schulsystem, unterstützt durch weiterentwickelte Organisationsformen sonderpädagogischer Förderung. Weiterhin ist im Aktionsplan ausdrücklich verankert, bei zielgleichem Unterricht Formen des wohnortnahen Unterrichts auszuweiten. Im Übrigen verweise ich auf die Antwort der Landesregierung vom 28. März 2008 zur Frage 1 der Kleinen Anfrage 1291, Drucksache 15/2063.