Nach wie vor wird der Zuwachs an Erwerbstätigkeit von Frauen auch stark von geringfügiger Beschäftigung

Im Jahr 1999 arbeiteten weibliche Erwerbstätige im Bundesgebiet im Schnitt wöchentlich 11,9 Stunden weniger als männliche. Von den teilzeitbeschäftigten Frauen leben im westlichen Bundesgebiet fast zwei Drittel (61 Prozent) in einem Haushalt mit einem oder mehreren Kindern. Bei Männern hat dagegen Elternschaft keinen Einfluss auf die Höhe der Erwerbsbeteiligung. Teilzeit ist damit eine typische Erwerbsform für Frauen mit Kindern. Typisch ist auch, dass nach wie vor eher die niedriger qualifizierten, schlechter bezahlten Arbeitsplätze in Teilzeitform angeboten werden. Die Folge sind mangelnde Aufstiegsperspektiven, verschlechterte soziale Absicherung und niedriges Einkommen. In höher qualifizierten Positionen ist Teilzeit immer noch selten.

Nach wie vor wird der Zuwachs an Erwerbstätigkeit von Frauen auch stark von geringfügiger Beschäftigung getragen.

Von den bundesweit über vier Millionen geringfügig entlohnten Beschäftigten waren im Dezember 2001 70,7 Prozent Frauen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit ist also immer noch ein Problem der Frauen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Erziehungsurlaub bis heute mit 98 Prozent fast ausschließlich von Frauen wahrgenommen wird.

Betreuung von Kindern

Für die Bewertung der Bedarfs- und Versorgungssituation für im öffentlichen Raum angebotene Kinderbetreuungsplätze ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Für den vorschulischen Bereich ist Bedarfsdeckung erreicht. Der Versorgungsgrad an öffentlichen Vorschulplätzen liegt bei Zugrundelegung der Versorgung von drei Altersjahrgängen bei 116 Prozent. Zudem sinkt die Stärke der Altersjahrgänge weiter. Im Saarland werden in Kindergärten 32.795 Kinder (Stand: 3/02) betreut. In Einrichtungen für Behinderte werden 145 Personen (Stand: 3/02) betreut.

Anders ist die Situation bei den Angeboten für Kinder von 0 bis 3 Jahren und von Schuleintritt bis zum 12. Lebensjahr. Für Kinder unter drei Jahren ist bei einer Bedarfsabdeckung von 2,5 Altersjahrgängen eine Versorgung von 2,5 Prozent (761 Kinder, Stand 3/02) und bei den Kindern im schulpflichtigen Alter bis 12 Jahre (6 Altersjahrgänge) von 3,1 Prozent (2196 Kinder, Stand 3/02) im Saarland erreicht. Eine Vollversorgung mit Betreuungsmöglichkeiten für unter 3-Jährige ist weder erforderlich noch wünschenswert, ein Ausbau der Angebote allerdings schon.

Durch die Einführung der Freiwilligen Ganztagsschule wird sich die Versorgungssituation bei den schulpflichtigen Kindern deutlich verbessern. An den 388 saarländischen Schulen stehen an 214 Schulen (Stand 9/02) Angebote der freiwilligen Ganztagsschule mit 4.643 betreuten Schülern zur Verfügung.

Der für Familien notwendige Ausbau von Tagesbetreuungsangeboten muss den individuellen Bedürfnissen von Familien und Eltern und ihrem Wunsch nach Qualität gerecht werden. Hier gibt es beispielsweise bei den Schließzeiten der Betreuungseinrichtungen in den Ferien wie auch bei der Versorgung von kranken Kindern noch viele ungelöste Probleme.

Wohnsituation im Saarland relativ günstig

Die Lebensqualität der Familien wird entscheidend durch das Wohnen mitgeprägt. Insbesondere für die Qualität des Sozialisierungsprozesses von Kindern und Jugendlichen sowie die Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung und Regeneration spielen Merkmale wie Größe der Wohnung und Belegungsdichte, Eigentumsformen, Mietbelastung oder Lage der Wohnung eine wichtige Rolle.

Weite Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz oder zu Kinderbetreuungseinrichtungen gehen auf Kosten der Familienzeit und können unter Umständen ein Hemmnis für die Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern sein.

Von den Familien mit Kindern lebten 19932 in den alten Bundesländern 46 Prozent im eigenen Haus, im Saarland sogar fast 69 Prozent. Mit steigender Kinderzahl verringert sich allerdings im Saarland der Anteil der Familien mit Eigenheimen stetig, betrug für Familien mit vier Kindern und mehr aber immer noch 46,2 Prozent.

In den alten Bundesländern lagen die Durchschnittsgrößen der Mietwohnungen 1993 bei 70 qm und für Wohneigentum bei 113 qm. Im Saarland ist die durchschnittliche Wohnfläche wegen der hohen Eigenheimdichte besonders hoch. So waren hier 63 Prozent der Wohnungen größer als 80 qm und 57 Prozent verfügten über mehr als 100 qm.

Auch was die Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsplatz anbetrifft, ist die Situation im Saarland relativ günstig. So liegt der Anteil der Pendler, die mehr als eine Stunde Fahrzeit benötigen, bei knapp drei Prozent und knapp ein Drittel fährt weniger als zehn Minuten. Mit 52 Prozent pendeln über die Hälfte der saarländischen Erwerbstätigen mit einem Zeitaufwand zwischen 10 und 30 Minuten (Mikrozensus 1996).2

Insgesamt ist die Wohnsituation der Familien in Deutschland und insbesondere im Saarland relativ zufriedenstellend. Allerdings stellt sich die Situation für sozial schwache Familien, vor allem für Familien mit ausländischer Herkunft ungünstiger dar.

Die Zahlen beziehen sich auf die Ergebnisse der letzten Gebäude- und Wohnstichprobe.

3. Familie und Gesellschaft.

Krise der Familie?

Wissenschaftliche Studien kommen heute übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Gründung einer eigenen Familie in den Lebensentwürfen junger Menschen nach wie vor einen herausragenden Platz einnimmt. Dreiviertel der bundesdeutschen Bevölkerung ist davon überzeugt, nur in einer Familie glücklich leben zu können. Für die ganz überwiegende Mehrheit junger Menschen bleibt Familiengründung eine angestrebte Option, die auch in der Regel mit dem Wunsch nach Kindern verbunden ist. Deutlich wird in diesem Zusammenhang aber auch, dass junge Frauen und Männer Beruf und Familie selbstverständlich miteinander vereinbaren wollen.

Der Anstieg der Scheidungszahlen, der häufig als Indikator für den Bedeutungsverlust der Institutionen „Ehe" und „Familie" herangezogen wird, steht nur oberflächlich betrachtet im Widerspruch zu den Ergebnissen der empirischen Forschung. Zwar machen die gestiegenen Scheidungszahlen deutlich, dass die Verbindlichkeit traditioneller ehelicher Normen weitaus geringer ist als noch in den 60er und 70er Jahren, aber die Relation von geschiedenen Ehen mit und ohne Kinder zeigt, dass Ehen mit Kindern sehr viel länger bestehen bleiben als Ehen ohne Kinder.

Der dramatische Rückgang der Geburtenzahlen, dem nicht nur im Kontext familienpolitischer Überlegungen, sondern vor allem mit Blick auf unsere Sozialversicherungssysteme zunehmend Bedeutung beigemessen wird, ist von besonderer gesellschaftspolitischer Bedeutung, jedoch mit staatlichen Mitteln kaum zu beeinflussen. Alle Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass staatliche Anreizpolitik etwa monetärer Art, lediglich bedingt Einfluss auf die zeitliche Abfolge von Geburten haben kann, keineswegs jedoch auf die Anzahl der Kinder. Dennoch lässt die Entwicklung der Geburtenzahlen in unseren europäischen Nachbarländern gewisse Rückschlüsse auf Rahmenbedingungen zu, die die individuelle Entscheidung für ein Leben mit Kindern positiv beeinflussen können. Das Beispiel Frankreich zeigt: eine gelungene Politik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht mit der höchsten Geburtenrate im europäischen Vergleich einher. So behalten nahezu 70 Prozent der hochqualifizierten französischen Mütter von Kleinkindern ihre Ganztagsberufstätigkeit bei ­ in Deutschland tun dies nur etwa 30 Prozent (OECD, 2001).