Zu Frage 13 Die unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Themen der Familienbildung haben sich bewährt

Familienbildung ist auch als Teil der Querschnittsaufgabe Familienpolitik wie diese selbst ebenfalls im Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales angesiedelt.

Hält die Landesregierung die Zuständigkeitsteilung für die Fragen der Familienbildung für zweckmäßig und prüft sie eine Zusammenfassung der Kompetenzen für diesen Bereich? Wie begründet sich ihre Auffassung?

Zu Frage 1.3:

Die unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Themen der Familienbildung haben sich bewährt. Die Landesregierung sieht in der vorhandenen Zuständigkeitsregelung von Landesseite her günstige Voraussetzungen für eine differenzierte und alle Aspekte umfassende Fortentwicklung des Themas Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern.

2. Grundlagen, Werte und Normen

Wie beurteilt die Landesregierung unser heutiges plurales Werte- und Normensystem als Rahmenbedingung für die Erziehung von Kindern?

Zu Frage 2.1:

Das Grundgesetz und die Landesverfassung stellen auch für den Bereich der Vermittlung von Werten und Normen den Rahmen der Aufgabenwahrnehmung der Landesregierung dar. Die Pluralität unterschiedlicher Überzeugungen und Erziehungsziele in diesem Rahmen bedeutet für Eltern die Freiheit und die Notwendigkeit, eigene Wertentscheidungen zu treffen.

Hält die Landesregierung neben den bereits bestehenden Angeboten zusätzliche Maßnahmen für erforderlich, um Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe zu unterstützen?

Wenn ja,

- welche Maßnahmen sind dies nach Meinung der Landesregierung und wie soll dabei die den Eltern eigene kulturell geprägte Normenund Wertevielfalt, insbesondere bei Migranten und Aussiedlern, berücksichtigt werden, damit das grundgesetzlich verfasste Elternrecht auf individuelle Gestaltung der Erziehung nicht eingeschränkt wird?

- betrachtet die Landesregierung diese Maßnahmen als eine neue, wichtige Aufgabe der Familienbildung und wie begründet sie ihre diesbezügliche Auffassung?

- welche Qualifikationsanforderungen müssten nach Meinung der Landesregierung diejenigen erfüllen, die mit der Durchführung o.g. Maßnahmen betraut werden?

Zu Frage 2.2:

In der bundesweit geführten Diskussion um die Fortentwicklung der beraterischen Hilfen und Bildungsangebote für Familien vertritt die Landesregierung mit den übrigen Ländern die Auffassung, dass die bestehenden Angebote bedarfsgerecht weiterentwickelt werden müssen. Die Haltung der Landesregierung deckt sich in diesem Zusammenhang auch mit dem Beschluss der Jugendministerkonferenz vom Mai 2003.

Für Migrationsfamilien wird das in der Erstellung befindliche Landesintegrationskonzept die Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern innerhalb der einzelnen integrationspolitischen Handlungsfelder berücksichtigen. Die Landesregierung hält dies für eine wichtige familienpolitische und integrationspolitische Aufgabe. Inwiefern es sich dabei um eine Aufgabenstellung der Familienbildung im engeren Sinne handeln wird, und welche Qualifikationsanforderungen damit im Einzelnen über die bereits vorhandenen Qualifikationen verbunden sein werden, ist noch offen.

Als weitere wichtige neue Aufgabe in diesem Zusammenhang betrachtet die Landesregierung die Entwicklung von Bausteinen im Rahmen der „Benimm-Aktion" des saarländischen Kultusministeriums, die das Einüben sozialer Kompetenzen in der Schülerschaft fördern sollen. Diese werden zusammen mit den Lehrern, Schülern und Elternvertretungen erarbeitet. Das Einüben sozialer Kompetenzen von Schülern und Schülerinnen ist aus bildungspolitischer Sicht von großer Bedeutung. Die Landesregierung geht davon aus, dass insbesondere die Lehrer und Lehrerinnen für diese Aufgabe qualifiziert sind.

Darüber hinaus sieht die Landesregierung die Notwendigkeit, die Möglichkeiten niedrigschwelligen Erwerbs von Erziehungskompetenz zu verstärken, d.h. Verstärkung der Erziehungskompetenz auch außerhalb der Beauftragung von Experten mit spezifischer Qualifikation. Ebenso sieht die Landesregierung die Notwendigkeit, die Stärkung von Erziehungskompetenz auch an Zielgruppen, die derzeit wenig von Familienbildungsmaßnahmen erreicht werden, zu erreichen. Auch dies erfordert keine grundlegend veränderte Qualifikation der im Bereich der Familienbildung tätigen Fachkräfte.

Sieht die Landesregierung in den neuen Maßnahmen zur Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern eine neue, wichtige Aufgabe der Familienbildung und wie begründet sie ihre Auffassung?

Hält die Landesregierung die in diesem Bereich tätigen professionellen Akteure für ausreichend vorbereitet, um die neuen Aufgaben zu übernehmen?

Und durch welche Maßnahmen will sie gegebenenfalls eine Verbesserung der Qualifikation erreichen?

Zu Frage 2.3:

Siehe Antwort zu Frage 2.2.

Sieht die Landesregierung die Vermittlung von Werten und Normen zur Verbesserung der Erziehungskompetenz von Eltern als eine zentrale Aufgabe der Familienbildung an und wenn ja, welche Werte und Normen sollten aus Sicht der Landesregierung in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden und welcher Initiativen bedarf es, um eine verbesserte Vermittlung von Werten und Normen zu erreichen?

Zu Frage 2.4:

Für eine gelingende Erziehung ist die Vermittlung von Werten und Normen ein zentraler Bestandteil. Daher ist die Wertevermittlung als Teil der Erziehungskompetenz auch eine Aufgabe von Einrichtungen der Familienbildung.

Die Achtung des im Grundgesetz verbrieften Erziehungsrechtes der Eltern verbietet die politische Vorgabe oder Gewichtung von Werten und Normen über den grundgesetzlich und nach der Landesverfassung gegebenen Rahmen hinaus, die in einem Erziehungsprozess umzusetzen sind.

Durch welche Initiativen und Maßnahmen hat die Landesregierung in den vergangenen drei Jahren diesen Zielsetzungen Rechnung getragen und wie bewertet sie den Erfolg dieser Maßnahmen?

Zu Frage 2.5:

Der mit Regierungsübernahme veränderte Stellenwert von Familien und Familienpolitik hat auch dazu geführt, dass neue Wege der Unterstützung von Familien durch die Landesregierung gefördert werden. Die Landesregierung hat so u. a. durch zwei Modellprojekte zur Förderung der Erziehungskompetenz von Eltern (Triple P, Familienpflege nach § 20 SGB VIII) wie durch die erstmalige Förderung der Geschäftsstelle der Gesamtlandeselternvertretung wichtige Beiträge im Sinne der Fragestellung geleistet.

Darüber hinaus hat sie das Programm "Halt! Warum Gewalt?" gestartet und einen Landesbeauftragten für pädagogische Prävention berufen.

Der besonderen Rolle des Sports im Allgemeinen und der Sportvereine im Besonderen für die Entwicklung von Kindern Rechnung tragend, hat die Landesregierung das „Projekt: Wir im Verein mit dir" initiiert, ein Fortbildungsprogramm für Jugendtrainer/innen, Jugendbetreuer/innen, Übungsleiter/innen und Jugendwart/e/innen, Erzieher/innen und Lehrer/innen und Eltern entwickelt. Zu Projekten, die diesen Zielen dienen, zählt die Landesregierung aber auch ihre Kampagnen zum Schutz von Migrantenfamilien vor Vorurteilen und Diskriminierungen (Gegen Extremismus ­ für ein tolerantes Saarland) sowie Fortbildungen und Schulungen der interkulturellen Kompetenz zur Qualitätsverbesserung der sozialen Beratungen für diesen Adressatenkreis.

Im Rahmen der Jugendhilfe werden 2 weitere Modellprojekte gefördert. „Balance ­ Gleichgewicht zwischen Akzeptanz und Konfrontation" - ein Projekt zur Förderung von gewaltfreiem Umgang in Schule und Familie sowie „Zugehende Beratung in Kindergärten" durch die Kath. Erziehungsberatungsstellen (Erziehungsberatungsstellen bieten Beratung und Information in Kindergärten an).