Deshalb ist eine Bestandsaufnahme und Situationsanalyse allein Erziehender speziell im Saarland dringendst von Nöten

Situation allein erziehender Mütter und Väter und deren Kinder im Saarland Vorbemerkung der Fragesteller/innen: „Die Zahl der allein Erziehenden mit minderjährigen Kindern ist seit den 70er Jahren bundesweit kontinuierlich gestiegen. Jede 5. Familie mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland ist eine Einelternfamilie. Auch statistisch gesehen stellen allein erziehende Mütter und Väter mit einem Anteil von beinahe 19 Prozent an allen Familien in Deutschland eine bedeutende Gruppe dar. Es handelt sich somit nicht mehr um ein vereinzelt auftretendes „Phänomen", sondern um eine neue Form von Familie. Einelternfamilien sind aber leider auch überdurchschnittlich häufig von niedrigen Einkommen und Armut betroffen. Angesichts dieser Tatsache ist es erforderlich, diese Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen und die Lebensumstände der Einelternfamilien zu analysieren, damit Lösungen gefunden werden können, um die Situation allein Erziehender und deren Kinder zu verbessern.

Deshalb ist eine Bestandsaufnahme und Situationsanalyse allein Erziehender speziell im Saarland dringendst von Nöten."

Vorbemerkung der Landesregierung:

Die Darstellung und Bewertung der Gesamtsituation von Alleinerziehenden ist dadurch erschwert, dass das Merkmal „allein erziehend" nicht in allen relevanten statistischen Erhebungen aufgeführt wird.

Zudem sind Alleinerziehende keine homogene Gruppe mit gleichen Lebensumständen, vielmehr ist von einer Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse, Problem- und Bedarfslagen auszugehen. Die Vielfalt der Lebenssituationen ist insbesondere mitbestimmt durch den Entstehungszusammenhang, die Platzierung der Lebensphase in der Biographie und ihre Dauer sowie durch Strukturmerkmale, insbesondere die Beziehung zum anderen leiblichen Elternteil, das Vorhandensein einer neuen Partnerschaft, die Erwerbs- und die finanzielle Situation sowie das Geschlecht.

Alleinerziehende gehören zu den von materiellen Risikolagen besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen, aber nicht alle Allein Erziehenden sind ökonomisch schlecht gestellt und viele, die in schlechten finanziellen Verhältnisse leben, befinden sich nur kurzfristig in dieser Situation. Frauen befinden sich im Vergleich zu Männern weitaus häufiger langfristig in der Lebensform Alleinerziehend.

Erwerbsbeteiligung und Einkommen sind maßgeblich beeinflusst durch das Geschlecht. Darüber hinaus sind Erwerbsbeteiligung und Einkommen abhängig von sich wechselseitig beeinflussenden Risikofaktoren:

Die Einkommenssituation ist um so schlechter,

- je niedriger das Alter des jüngsten Kindes ist,

- je jünger die allein Erziehenden zum Zeitpunkt des Beginns dieser Lebensform sind,

- je geringer die Schul- und Berufsausbildung sind und

- je mehr Kinder die allein Erziehenden haben.

Junge, ledige Frauen mit mehreren Kindern und ohne Berufsausbildung geraten mit großer Wahrscheinlichkeit längerfristig in den Sozialhilfebezug.

Die Landesregierung leistet insbesondere durch bedarfsgerechte Kinderbetreuungsplätze, Qualifizierungs- und Ausbildungsangebote, bezahlbare häusliche Dienstleistungen sowie vielfältige Beratungsangebote eine wichtige Unterstützung.

In dem familienpolitischen Gesamtkonzept der Landesregierung, das die Landesregierung im Juli 2003 als Druckschrift im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit herausgegeben hat, sind darüber hinaus die umfassenden weiteren Maßnahmen dargestellt, die die Landesregierung zur Unterstützung und Förderung von Familien ergriffen hat und die Handlungsfelder aufgezeigt, in denen die Landesregierung tätig wird, um ihre Politik der Unterstützung und Förderung von Familien konsequent fortzusetzen. Auf die wesentlichen Inhalte des Familienpolitischen Gesamtkonzeptes wird im Einzelnen im Rahmen der Beantwortung der Großen Anfrage Bezug genommen.

A. Allgemeine Situation allein erziehender Mütter und Väter und ihrer Kinder im Saarland

Wie viele allein erziehende Mütter und Väter, aufgeschlüsselt nach Müttern und Väter und nach Landkreisen, leben im Saarland?

Zu Frage 1: Im Mai 2003 lebten nach den Erhebungen des Statistischen Landesamtes 5.200 allein stehende Männer und 22.400 allein stehende Frauen mit Kindern unter 18 Jahren im Saarland. Die Daten beruhen auf der Mikrozensuserhebung, bei der bei einer Stichprobe von 1 Prozent der Bevölkerung eine Befragung durchgeführt wird. Eine Aufschlüsselung nach Landkreisen erfolgt hierbei nicht, so dass hierzu keine Erkenntnisse vorliegen.

Durch die Begrenzung der Erhebung auf „minderjährige Kinder" werden allein Erziehende mit volljährigen Kindern ausgeblendet. Die statistische Auswertung des Mikrozensus auf Bundesebene hat bei der Feststellung des Alters des jüngsten Kindes bei Ehepaaren, nichtehelichen Lebensgemeinschaften und allein Erziehenden 1995 ergeben, dass 43,7 % der allein Erziehenden mit einem Kind im Alter von über 18 Jahren zusammenleben. Nur in 17,8 % der Fälle sind die Kinder unter 6 Jahren und 38,5 % haben Kinder zwischen 6 und 17 Jahren (vgl. BMFSFJ: Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik, Bonn, 1997, Seite 40). Bei der Beantwortung der nachfolgenden Fragen werden immer nur allein Erziehende mit minderjährigen Kindern berücksichtigt.

Wie hat sich der Anteil allein erziehender Mütter und Väter in den Jahren von 1992 bis 2002 entwickelt?

Zu Frage 2: Die Aufbereitung der Strukturdaten im Mikrozensus wird erst seit 1993 durchgeführt, so dass für 1992 keine Daten vorliegen. Die Entwicklung von 1993 bis 2003 kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden. Da die Daten aus einer Stichprobe und nicht aus einer Gesamterhebung stammen, sind sie mit einem Stichprobenfehler behaftet. In der Regel werden Ergebnisse unter 5.000 Fällen nicht veröffentlicht, da sie mit einem zu großen Stichprobenfehler behaftet sind. Bei vielen Fragen liegen dem Statistischen Landesamt nur Werte vor, die unter diesem Grenzwert liegen. Diese Daten sind daher in Klammern gesetzt.