Kinderbetreuung

Die steigende Zahl der allein erziehenden Väter wird in der Fachliteratur mit der Sorgerechtsreform in Verbindung gebracht. Seitdem es möglich ist, dass aufgrund des gemeinsamen Sorgerechts Paare auch nach der Trennung sich die Erziehung eines Kindes teilen können, ist die Übernahme von Erziehungsaufgaben auch für Männer nach der Trennung wahrscheinlicher geworden.

Die Landesregierung ist sich der besonderen Herausforderungen, vor denen insbesondere allein erziehende Frauen stehen, bewusst. Sie hat daher sowohl im Bereich des Ausbaus von Kinderbetreuungsmöglichkeiten als auch in der Arbeitsmarktpolitik Maßnahmen getroffen, die insbesondere der speziellen Situation allein erziehender Frauen Rechnung tragen. Im Einzelnen wird darauf bei der Beantwortung der Fragen 8, Teil D und 3 Teil E eingegangen.

Welche Prognose ergibt sich aus Sicht der Landesregierung für die weitere Entwicklung der Zahl der allein erziehenden Mütter und Väter, und welche Schlüsse zieht sie daraus?

Die Zahl der allein Erziehenden wird wesentlich durch drei Faktoren bestimmt, nämlich der Zahl der

- nach einer Ehescheidung allein erziehenden Frauen und Männern

- nach dem Tod eines Partners allein erziehenden Frauen und Männern

- Frauen, die sich ohne Partnerschaft für ein Kind entscheiden.

Die zahlenmäßig größte Gruppe allein Erziehender ist die aufgrund einer Ehescheidung allein erziehend gewordenen Frauen und Männer.

Im Saarland kamen im Jahr 2002 auf 10.000 Einwohner 28 Ehescheidungen, im Jahr 2001 waren es 29 Ehescheidungen (1992: 24,6). Auf je 100 Trauungen kamen 2002

56,5 Scheidungen, während es 1992 38,1 waren.

Eine Ehescheidung ist heute gesellschaftlich wesentlich akzeptierter als früher. Männer wie Frauen halten deshalb nicht mehr unbedingt an schwierig empfundenen Partnerschaften fest. Die Situation von Frauen ist durch eine größere ökonomischen Unabhängigkeit gekennzeichnet. Diese Entwicklung begünstigt höhere Scheidungszahlen. Die Landesregierung erwartet ein Stagnieren der Scheidungshäufigkeit auf dem bestehenden hohen Niveau.

Im Jahr 2002 waren im Saarland 2.550 minderjährige Kinder von den 2.981 Scheidungen betroffen. Im Vergleich zu 1992 stieg die Zahl der von einer Scheidung der Eltern betroffenen Kinder stark an. 1992 mussten 1.959 Kinder die Scheidung ihrer Eltern verkraften. Obwohl es im Vergleich zu 2001 zu einem leichten Rückgang der Anzahl der Scheidungen kam (minus 119), waren 2002 18 Kinder mehr von der Trennung der Eltern betroffen.

Auch der Vergleich mit den Daten aus den letzten Jahren lässt den Schluss zu, dass auch zukünftig der überwiegende Teil der Ehescheidungen Ehen betreffen, in denen minderjährige Kinder leben.

- 8 Von daher erwartet die Landesregierung für die Zukunft ein weiteres Anwachsen der Zahl allein erziehender Mütter und Väter. Sie wird deshalb verstärkt darauf achten, dass familienpolitische Leistungen insbesondere den Bedürfnissen allein Erziehender entsprechen und dazu die in ihrem familienpolitischen Gesamtkonzept festgelegten Ziele und Maßnahmen, wie

- Sicherstellung einer wirksamen Interessensvertretung von Familien

- verbesserte Anerkennung der Erziehungsleistung von Familien

- bedarfsgerechter Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten

- Steigerung der Qualität von Bildung und Erziehung in Kindergarten und Schule

- Förderung modellhafter Maßnahmen im Bereich der Jugendhilfe

- Förderung des (Wieder)-einstiegs in das Berufsleben insbesondere für allein erziehende Mütter

- Gestaltung einer familienfreundlichen Arbeitswelt

- Unterstützung von Familien im Rahmen der gesundheitlichen Prävention sowie der Versorgung bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit

- Sicherstellung eines qualitativ und quantitativ ausreichenden Angebotes an Beratung und Unterstützung konsequent verfolgen und umsetzen.

Wie groß ist die Zahl der im Saarland bei allein Erziehenden lebenden leiblichen Kinder, aufgeschlüsselt nach Müttern und Vätern und Landkreisen, und wie hat sich diese im Vergleich der Jahre 1992 bis 2002 entwickelt?

Zu Frage 8: Der Landesregierung liegen keine Angaben vor, die für eine Beantwortung dieser Frage herangezogen werden können.

Wie groß ist die Zahl der im Saarland bei allein Erziehenden lebenden adoptierten Kinder, aufgeschlüsselt nach Müttern und Vätern und Landkreisen, und wie hat sich diese im Vergleich der Jahre 1992 bis 2002 entwickelt?

Zu Frage 9: Die amtliche Statistik erfasst ­ bezogen auf adoptierte Kinder und Jugendliche ­ insbesondere Angaben zu Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Herkunft, Verwandtschaftsverhältnis zu Adoptiveltern sowie Art der Unterbringung vor Beginn der Adoptionspflege bzw. des Adoptionsverfahrens. Zudem wird neben der Frage der Ersetzung einer Einwilligung der Familienstand der abgebenden Eltern / des sorgeberechtigten Elternteils zu Beginn der Adoptionspflege ausgewiesen.

Bezogen auf die Adoptivfamilie werden lediglich Daten zur Staatsangehörigkeit und zum Verwandtschaftsverhältnis statistisch erhoben, denn mit der Adoption erlangt das Kind die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes des/der Annehmenden. Das hier erfragte Erhebungsmerkmal wird in der amtlichen Jugendhilfestatistik nicht berücksichtigt.

Es kann davon ausgegangen werden, dass im Saarland die Zahl der adoptierten Kinder, die bei allein Erziehenden leben, sowohl absolut betrachtet als auch im statistischen Vergleich zur Zahl der adoptierten Kinder in sonstigen familialen Lebensbezügen marginal ist. Bei allein erziehenden Männern kann nur unterschieden werden zwischen Männern mit und ohne Kinder. Eine getrennte Darstellung nach Kindern unter 18 Jahren ist hier nicht möglich. Auch liegen keine Angaben für die saarländischen Landkreise vor.

Vor diesem Hintergrund kann Folgendes ausgeführt werden: Im Mai 2003 lebten im Saarland 32.100 allein erziehende Frauen. Davon hatten 22.300 oder 69,5 % ein Kind, 8.100 zwei Kinder (25,2 %), 1.400 drei Kinder (4,4 %) und 100 mehr als drei Kinder (0,3 %). Eine getrennte Nachweisung der Familien mit vier Kindern ist nicht möglich.

Von den 52.900 allein lebenden Männern waren 44.400 (83,9 %) ohne Kinder und 8.800 (16,6 %) mit Kindern.

Die Entwicklung von 1993 bis 2003 absolut und in Prozent kann folgenden Tabellen entnommen werden.