Besondere Problemfelder für allein Erziehende im Bereich der Versorgung mit Wohnraum sind im Saarland nicht bekannt

(12/1029) Landtag des Saarlandes - 12. Wahlperiode - 19 Die Arbeitslosigkeit von allein Erziehenden im Saarland steigt seit 1999 kontinuierlich an; der Anteil der arbeitslosen allein Erziehenden an der Gesamtarbeitslosigkeit stieg in diesem Zeitraum von 2,7 % auf 5,3 %. Bemerkenswert dabei ist, dass die Arbeitslosigkeit auch zwischen 1999 und 2001 anstieg, in einem Zeitraum; als die Gesamtarbeitslosigkeit wegen der guten konjunkturellen Lage im Saarland um 5.224 oder um 10,4 % rückläufig war.

Tendenziell steigt die Arbeitslosigkeit der allein erziehenden Väter stärker als die der allein erziehenden Mütter. Im Einzelnen wird hierzu auf die Antworten zu Teil D verwiesen.

Besondere Problemfelder für allein Erziehende im Bereich der Versorgung mit Wohnraum sind im Saarland nicht bekannt. Spezifische Anforderungen von allein Erziehenden ergeben sich aber zum Beispiel hinsichtlich der Berücksichtigung der Elternfunktion bei der Bemessung von Raumanzahl oder Wohnfläche im Bereich des belegungsgebundenen Wohnungsbaus. Diesem Raumproblem wird im sozialen Wohnungsbau durch die Zubilligung von Mehrfläche bzw. Mehrraum für allein Erziehende Rechnung getragen.

Unterschiede zwischen Alleinerziehenden und Ehepaaren mit Kindern bzw. Singles existieren auch im Bereich der psychosozialen Situation (siehe hierzu auch die Antwort zu Frage 18, Teil A).

Die Bewertung der sozioökonomischen Situation spielt dabei eine entscheidende Rolle:

Wird die finanzielle Situation als unbelastet eingestuft, zeigen sich keine Unterschiede zu verheirateten Müttern. Wird die finanzielle Situation hingegen als problematisch bewertet, trifft dies allein Erziehende härter. Für sie ist in diesem Fall die berufliche Tätigkeit deutlich belastender und sie nehmen gesundheitliche Beschwerden seltener ernst als verheiratete Frauen in einer ähnlichen finanziellen Situation. Da die allein erziehenden Frauen häufiger in einer finanziell belasteten Situation leben, erhalten diese Unterschiede besonderes Gewicht.

Auch wenn allein Erziehende ihre Lebenssituation nicht als belastender einschätzen, gibt es einzelne problematische Aspekte: Das größte Problem für allein Erziehende ist, Kindererziehung und Beruf zu vereinbaren.. Allein Erziehende können weder auf ein zweites Gehalt noch auf regelmäßige Unterstützung bei der Betreuung ihres Kindes durch den Lebenspartner zurückgreifen. Nach Ergebnissen der Stressforschung beeinflussen auch diese Belastungen die physische und psychische Gesundheit und führen langfristig zu gesundheitlichen Schäden. (Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter, Heft 14, Seite 9).

Auch bei einer ausreichenden Versorgung mit öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten durch Kindergärten, Krippen und Horte, wie im Saarland gegeben, können sich für allein Erziehende Probleme in der Kinderbetreuung ergeben, die grundsätzlich auch für Paare mit Kindern existieren, aber in einer Paarbeziehung leichter gemeistert werden.

Diese sind beispielsweise vorhanden, wenn Arbeitszeiten und Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen nicht aufeinander abgestimmt sind, wenn verhältnismäßig große Entfernungen zwischen Wohnort, Arbeitsort und Betreuungseinrichtung vorliegen, oder bei Krankheit der Kinder.

Wie wird nach dem Kenntnisstand der Landesregierung die Familienform „Alleinerziehend" von der Gesellschaft bewertet? Gibt es darüber wissenschaftliche Untersuchungen? Wenn ja, welche?

Zu Frage 16:

Der Landesregierung liegen keine wissenschaftlichen Studien vor, die eine Beantwortung der Frage in der vorliegenden Form ermöglichen. Allerdings lassen sich innerhalb der Gesellschaft Veränderungen in den Werten, Haltungen und Wertungen zu allein Erziehenden in den letzten Jahrzehnten feststellen. Frauen und Männer, die alleine erziehen, zählen schon seit Jahren nicht mehr zu einer Randgruppe und sind auch keine Ausnahmeerscheinung in unserer Gesellschaft. Galten diese Familien in den 50iger Jahren noch als „unvollständige Familien", die in der Forschung wegen möglicher Defizite gegenüber „Normalfamilien" beschrieben wurden, so wurde in den vergangenen 25 Jahren die unsichere wirtschaftliche Lage insbesondere von Frauen nach Scheidungen in das Zentrum der Forschung gerückt. Erst seit Mitte der 80iger Jahre gibt es qualitative Untersuchungen über den Alltag und die Lebensweise von allein Erziehenden. Aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen ist festzustellen, dass sich nicht nur in der Forschung eine „Normalität" eingestellt hat, die diese Lebensform als eine unter anderen familiären Lebensformen wertet. Von diesem Normalisierungsprozess ist nach Auffassung der Landesregierung gegenwärtig auch die gesellschaftliche Wertung dieser Familienform betroffen.

Trotzdem verkennt die Landesregierung nicht, dass diese Familienform immer noch, allerdings in kleiner werdenden Teilen der Öffentlichkeit negativ bewertet wird. Betraf dies in der Vergangenheit hauptsächlich die Erziehungsleistung, wird heute mehr auf die soziale Lage abgestellt. Tatsächlich können allein Erziehende - im Vergleich zur Zwei-Eltern-Familie - von besonderen, oft sogar von kumulierenden Deprivationsrisiken betroffen sein. Doch ist dies keineswegs bei allen allein Erziehenden der Fall. Auch finden sich keine wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Kinder, die in allein erziehenden Familien aufwachsen, grundsätzlich schlechtere Entwicklungschancen haben, als Kinder, die in anderen Familienformen groß werden.

Die Landesregierung setzt sich dafür ein, dass die noch bestehenden, generalisierenden negativen Bilder abgebaut werden und insbesondere die Leistungen allein Erziehender im Bereich der Kindererziehung entsprechend gewürdigt werden.

Gibt es diesbezüglich Unterschiede zwischen allein erziehenden Müttern und allein erziehenden Vätern, und wenn ja, welche?

Zu Frage 17:

Allein Erziehen ist im Saarland wie in der gesamten Bundesrepublik nach wie vor überwiegend Frauensache. Die Dominanz allein erziehender Frauen schwächt sich erst seit ca. 15 Jahren etwas ab. Der Anteil der Väter, die alleine erziehen, nimmt zu.

Lange Zeit war die qualitative Forschung über alleine Erziehende fast ausschließlich auf Frauen ausgerichtet. Da allein erziehende Väter immer deutlich weniger als 20 % aller allein Erziehenden ausmachten, waren sie für die wissenschaftliche Forschung nicht von großer Relevanz. Erst mit der langsamen Zunahme allein erziehender Väter befassen sich in jüngster Zeit erste Untersuchungen mit der Lebenssituation dieser Gruppe.

Nach wie vor werden allein erziehende Väter daher als Ausnahmeerscheinung wahrgenommen.

Sind der Landesregierung wissenschaftliche Untersuchungen bzgl. der psychosozialen Situation von allein erziehenden Müttern und Vätern bekannt?

Wenn ja, welche sind dies, und was besagen sie?

Zu Frage 18:

Der Landesregierung liegen die publizierten Ergebnisse verschiedener sozialwissenschaftlicher Untersuchungen zu allein Erziehenden vor. Zusammenfassend lassen sich folgende Feststellungen treffen, die u. a. auf den Resultaten der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zur Gesundheit von allein erziehenden Müttern und Vätern fußen: Kennzeichnend für die Situation der allein Erziehenden ist, dass sie ihre Situation in der Regel weder ausschließlich positiv noch negativ einschätzen. Häufig ist das Urteil durch ambivalente Einstellungen gekennzeichnet, die sich im Spannungsfeld von Handlungsfreiheit und Alleinverantwortung bewegen. Zwar zählen allein Erziehende unbestreitbar zu den von materiellen und sozialen Risikolagen besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen. Doch gilt auch in diesem Zusammenhang: Die Lebensform "allein Erziehend" ist nicht per se mit höheren Belastungen verbunden.

Beispielsweise zeigt der Vergleich von Ehefrauen und allein erziehenden Frauen mit Kindern unter 7 Jahren, dass sich beide Gruppen hinsichtlich der eingeschätzten Gesamtbelastung nicht gravierend unterscheiden. Einzelne Aspekte werden von allein erziehenden Frauen allerdings deutlich problematischer wahrgenommen. Hierzu zählen die finanzielle Situation, der Beruf sowie die Atmosphäre in der eigenen Familie. Ein Bereich, den die allein erziehenden Mütter als weniger belastend einschätzen als die verheirateten Mütter, ist der Einfluss des Kindes auf die Partnerschaft (sofern vorhanden). Im Bereich des Gesundheitsverhaltens schneiden allein erziehende Mütter schlechter ab. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass ein aktives Gesundheitsverhalten eine stärkere Entlastung voraussetzt.

Weitere Analysen belegen, dass die Bewertung der sozioökonomischen Situation für die Unterschiede im Belastungsbereich und dem Gesundheitsverhalten eine entscheidende Rolle spielt: Wird die finanzielle Situation als unbelastet eingestuft, zeigen sich keine Unterschiede zu verheirateten Müttern. Wird die finanzielle Situation hingegen als problematisch bewertet, trifft dies allein Erziehende härter. Für sie ist in diesem Fall die berufliche Tätigkeit deutlich belastender und sie nehmen gesundheitliche Beschwerden seltener ernst als verheiratete Frauen in einer ähnlichen finanziellen Situation. Da die allein erziehenden Frauen häufiger in einer finanziell belasteten Situation leben, erhalten diese Unterschiede besonderes Gewicht.

Im Hinblick auf positiv bewertete Lebensbereiche unterscheiden sich allein erziehende und verheiratete Mütter nicht: Die Entwicklung des Kindes, sein Verhalten und seine Eigenschaften sowie Unternehmungen mit der Familie werden mit großer Mehrheit positiv bewertet und zwar unabhängig von der weiteren Lebenssituation. Das Kind und die Familie werden somit auch als zentrale Ressourcen im Kontext der Alltagsbewältigung erlebt.