Tageseinrichtungen

(12/1151) Landtag des Saarlandes -12. Wahlperiode - 4 Dazu zählen zum Thema gesunde Ernährung:

1. Die Landesregierung hat mit der mehrjährigen Kampagne „Über Geschmack lässt sich streiten, über gesunde Ernährung nicht", „Hauptsach gudd gess!" den Schwerpunkt auf die Förderung der gesunden Ernährung in Kindergärten und Schule gelegt. Mit dem Leitfaden „Gesunde Ernährung in Kindertageseinrichtungen" wurden alle Kindergärten umfassend über die Bedeutung gesunder Ernährung für Kinder sowie über die lebensmittelrechtlichen und hygienischen Anforderungen informiert, entsprechende Checklisten zur Qualitätssicherung beigefügt und Beispiele für entsprechende gesunde Essensangebote aufgelistet.

Alle Schulleitungen wurden in Kooperation mit den Gesundheitsämtern und der DGE über die Bedeutung gesunder Ernährung und die optimale Pausenverpflegung informiert. In Kooperation mit dem Landfrauenverband wurden an ausgewählten Schulen gute Praxisbeispiele über gesunde Pausenverpflegung vorgestellt. Den Kioskbetreibern und -betreiberinnen wurden dezentrale Fortbildungen angeboten, da dieser Personenkreis einen maßgeblichen Beitrag dazu leistet, dass Schülerinnen und Schüler sich über gesunde Ernährung fit und leistungsfähig halten und die im schulischen Alltag erforderliche Konzentration aufbringen.

Die Fortbildungsveranstaltungen gaben die Gelegenheit, unter fachkundiger Anleitung (DGE,Sektion Saarland) das eigene aktuelle Kioskangebot zu überprüfen und Probleme der Einführung gesünderer Verpflegungskomponenten sowie Lösungsansätze dafür zu diskutieren. Da die Umstellung vieler saarländischer Schulkioske auf eine gesunde Ernährung, die zugleich von den Jugendlichen angenommen wird, nur als längerer Prozess möglich ist, muss ein kontinuierliches professionelles Beratungsangebot vorgehalten werden.

2. In Lehrplänen und Unterricht sind Fragen der gesunden Ernährung ein wichtiges Element der schulischen Gesundheitserziehung. Im Rahmen des Unterrichtes verschiedener Fächer wie beispielsweise Biologie bzw. Naturwissenschaften, Sport und Arbeitslehre (Hauswirtschaft) können Schülerinnen und Schüler Fachwissen und Fertigkeiten als wichtige Basis für eigenverantwortliches, gesundheitsorientiertes Handeln erwerben.

Ab dem kommenden Schuljahr wird die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden im Fach Sachunterricht für das dritte Schuljahr um eine Stunde erhöht; die zusätzliche Zeit soll dazu genutzt werden, die bereits bestehenden Lehrplaninhalte zur gesunden Ernährung und damit zusammenhängender Fragen zu vertiefen und zu einem besonderen Schwerpunkt auszuweiten. Für die Umsetzung sollen die Schulen eine Unterrichtsmappe mit wesentlichen fachlichen und didaktischen Hilfen erhalten. Diese Handreichung wird unter Mitwirkung einer Kommission von anerkannten Fachleuten aus dem schulischen und außerschulischen Bereich entwickelt.

Lehrerinnen und Lehrer haben auch die Möglichkeit, bei Bedarf außerschulische Fachkräfte wie z. B. Ernährungsberaterinnen und -berater in ihren Unterricht einzubeziehen.

Beratung und Hilfe bietet darüber hinaus die „Beratungsstelle Gesundheitsförderung mit Suchtprävention" beim Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM).

Das LPM bietet regelmäßig entsprechende Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte aller Schulformen an. Viele Veranstaltungen finden in Kooperation mit außerschulischen Organisationen, z. B. dem Gesundheitsministerium und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) statt. 3. Erlasse und Richtlinien sind verpflichtende Vorgaben für Schulen: Der „Erlass über den Verkauf von Esswaren und Getränken in den Schulen" vom 25. Januar 1987 (GMBl. S. 48) beschränkt das Warenangebot an Schulen auf ernährungsphysiologisch empfehlenswerte Lebensmittel wie z. B. Vollkornbackwaren, Frischobst, Frischgemüse, Milch und Milchprodukte und Müsli. Der Verkauf von Getränken mit hohem Zuckergehalt sowie Süßigkeiten aller Art ist ausdrücklich untersagt.

Gemäß den "Richtlinien für die Suchtprävention an den Schulen des Saarlandes" vom 09. Juli 1994 (GMBl. 1994, S. 386) ist die Vermittlung von Lebenskompetenzen wie beispielsweise Frustrations- und Konfliktbewältigungsstrategien sowie von Selbstwertgefühl und Selbstachtung wesentlicher Bestandteil der schulischen Primärprävention. Die Förderung dieser Kompetenzen spielt auch in der Adipositas-Therapie eine zentrale Rolle.

Zur Vorbeugung von geschlechtsspezifischem Suchtverhalten, z. B. von Essstörungen, steht darüber hinaus die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Rollenbildern und Rollenerwartungen sowie mit der eigenen Identität im Mittelpunkt.

Der Förderung von Bewegung dienten folgende Initiativen:

1. Die Landesregierung unterstützt die Sportabzeichenaktionen des Landessportverbands für das Saarland:

Durch spezielle Schul-, Klassen- und Lehrerwettbewerbe (sportlichste Schule, Klasse bzw. Lehrer) im Rahmen der Sportabzeichenaktion sollen verstärkt Kinder und Jugendliche zum Erwerb des Sportabzeichens bewegt werden.

Das Juniorteam Sportabzeichen Saarland (JTSS) hat die Aufgabe, das Sportabzeichen besonders im Schüler- und Jugendbereich im Saarland voranzutreiben.

2. Das Projekt „Kindergarten ­ Kids in Bewegung" des Landessportverbands für das Saarland und des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft hat die kindgerechte Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit zum Ziel. Unter dem Motto: „Gesunde Kinder werden gesunde Erwachsene" sollen Kinder vielseitige Körper- und Bewegungserfahrungen sammeln.

Welche Möglichkeiten sieht die Landesregierung, das sog. gesunde Frühstück schrittweise in allen Kindergärten und Schulen einzuführen? Plant die Landesregierung, auf die Qualität des Schulfrühstücks Einfluss zu nehmen? Wenn ja, an welche Maßnahmen ist in diesem Zusammenhang gedacht?

Zu Frage 4: Gesundheitserziehung ist ein wichtiges Thema des in Entstehung befindlichen Bildungsprogramms für saarländische Kindergärten, das als wesentlichen Schwerpunkt den Bildungsbereich „Körper, Bewegung und Gesundheit" enthalten wird. Der Bildungsplan weist auch darauf hin, wie gemeinsame Mahlzeiten in den Tageseinrichtungen für das soziale Lernen und die Gesundheitserziehung genutzt werden können.

Drucksache 12/1186 (12/1151) Landtag des Saarlandes -12. Wahlperiode - 6 Bereits heute ist in den Kindergärten ebenso wie in der Mehrzahl der Grundschulen das gemeinsame Pausenfrühstück die Regel, wobei die Kinder ihre Verpflegung von zu Hause mitbringen. Bei Elternabenden werden die Eltern darauf hingewiesen, die Grundsätze einer gesunden Ernährung zu beachten. In den weiterführenden Schulen wird das Warenangebot für den Pausenverkauf durch den Erlass über den Verkauf von Esswaren und Getränken in den Schulen geregelt.

Stärker in die Eigenverantwortlichkeit der Eltern eingreifende Maßnahmen der Einflussnahme auf die Qualität des Schulfrühstücks sind nicht geplant.

Weiß die Landesregierung, ob in den Schulbistros das Mittagessen aus einem ausgewogenen Nahrungsangebot, in dem ausreichend Obst, Salat und Gemüse enthalten sind, besteht? Sollte dies nicht der Fall sein, auf welche Art und Weise plant die Landesregierung in diesem Bereich Einfluss zu nehmen? Sind Qualitätsnachweise für das Mittagessen in den Schulbistros vorgesehen und wenn ja, welche?

Zu Frage 5: Im Zuge der Einrichtung der Freiwilligen Ganztagsschulen im Saarland, die über ein Bildungs- und Betreuungsangebot bis 16.00 Uhr verfügen, ist durch das Förderprogramm „Freiwillige Ganztagsschulen" vom 28. Juni 2002 die Bereitstellung eines Mittagessens eingeschlossen.

Mit Stand vom Juni 2004 verfügen 112 allgemein bildende Schulen über mindestens eine 16.00-Uhr-Gruppe, so dass hier entweder über ein Schulbistro, eine schuleigene Kantine oder über eine sonstige Küche mit einer Ausgabestelle für eine Warmverpflegung eine Mittagsverpflegung angeboten wird.

Damit die Schulen wie auch die mit der Durchführung des nachunterrichtlichen Bildungs- und Betreuungsangebotes beauftragten Maßnahmeträger im Stande sind, die in der Regel durch Caterer angelieferte Mittagsverpflegung unter dem Aspekt der Ausgewogenheit, aber auch der Einhaltung entsprechender Hygienevorschriften zu beurteilen, hat das saarländische Bildungsministerium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung am 25. Mai 2004 eine eintägige Fortbildungsveranstaltung durchgeführt, die dem Thema „Verpflegung in Ganztagsschulen" gewidmet war. Eingeladen waren hierzu nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Freiwilligen Ganztagsschulen, die Schulleitungen wie auch die Schulträger, sondern auch die im Saarland ansässigen Caterer. Die Fortbildungs- und Informationsmaßnahmen des saarländischen Kultusministeriums werden durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Sektion Saarland, seit Anfang dieses Jahres durch gezielte Vor-OrtBeratung einzelner Schulen begleitet. Zu diesen Beratungen gehören auch Speiseplanbewertungen auf der Grundlage der sog. Bremer Checkliste für einen Wochenspeiseplan (5 Tage).

Auch die bereits erwähnten Fortbildungen für Kioskbetreiber und die entsprechenden Handreichungen tragen dazu bei, ein gesundes Nahrungsangebot an Schulen vorzuhalten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird darüber hinaus erörtert, ob eine Speiseplanbewertung durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in den nächsten Monaten im Saarland im Auftrag des saarländischen Kultusministeriums in größerem Umfang durchgeführt werden kann.