Wohlfahrt

(12/1151) Landtag des Saarlandes -12. Wahlperiode - 7 Fachverbände wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft u.a. haben zweifelsfrei festgestellt, dass zunehmende Adipositas bei Kindern und Jugendlichen die Hauptursache für die rasant ansteigende Zahl der Diabetiker/innen in Deutschland ist (Zunahme um 300.000 Personen pro Jahr). Alle Fachleute sind sich darin einig, dass eine gesündere Ernährung nur in Verbindung mit ausreichender Bewegung eine Verbesserung der Situation herbeiführen kann. Es besteht auch Einigkeit darüber, dass nur attraktive Angebote genutzt werden. Ist der Landesregierung bekannt, ob in jeder saarländischen Gemeinde am Nachmittag geöffnete Schulhöfe und Sporthallen für Sport und Spiel zur Verfügung stehen? Sind der Landesregierung Art und Inhalte dieser Angebote bekannt und hat sie Informationen darüber, wie stark die bestehenden Angebote genutzt werden?

Zu Frage 6: Vor dem Hintergrund, dass es im Saarland ca. 2.200 Sportvereine (die teilweise mehrere Abteilungen umfassen) und 533 Sporthallen gibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich in jeder Gemeinde für Kinder und Jugendliche Möglichkeiten zu Sport und Spiel bieten. Über Art und Inhalt der Angebote sowie die Nutzung der Angebote können die Vereine in den Gemeinden Auskunft geben.

Darüber hinaus führte die Initiative „Sport und Prävention", die vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft, vom Ministerium für Inneres und Sport und vom Landessportverband für das Saarland getragen wird, im März 2001 zur Gründung des Vereins „wir im Verein mit dir" e.V. Ziel des Vereins ist es, Grundschulkinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren zu Sportvereinen hinzuführen, die eine gute und kompetente Jugendarbeit leisten.

Auch sollen an Brennpunkten saarländischer Städte und Gemeinden in Zusammenarbeit mit den Kommunen Multifunktionsplätze bzw. andere Aktionsfelder gebaut werden. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, vermehrt Kinder und Jugendliche zu Spiel und Sport in der Freizeit zu bewegen.

Werden Eltern in Kindergärten und Schulen über das Thema Diabetes aufgeklärt und aktiv in diesbezügliche Planungen der Kindergärten und Schulen einbezogen? Gibt es in diesem Bereich spezielle Projekte, wenn ja, welche?

Zu Frage 7: Die Aufklärung der Eltern über das Thema Diabetes gehört nicht zum Aufgabenbereich der Schulen und Kindergärten. Jedoch werden durch den Jugendärztlichen Dienst sowie durch niedergelassene Kinder- und Jugendärzte im Rahmen von Elternabenden oder Gesundheitsprojekten unter dem Aspekt einer gesundheitsfördernden Lebensweise ­ dazu gehören gesunde Ernährung und Bewegung in besonderem Maße ­ auch die möglichen Folgeschäden, z. B. Diabetes-Erkrankungen, beleuchtet.

Drucksache 12/1186 (12/1151) Landtag des Saarlandes -12. Wahlperiode - 8 Im Rahmen von Elternabenden oder Gesundheitsprojekten werden unter dem Aspekt einer gesundheitsfördernden Lebensweise - dazu gehören gesunde Ernährung und Bewegung im besonderen Maße ­ natürlich auch die möglichen Folgeschäden, z. B. Diabeteserkrankungen, beleuchtet. Im Rahmen der Einschulungsuntersuchung bzw. auch Untersuchungen in höheren Klassen werden Eltern von übergewichtigen Kindern bzw. auch die Schülerinnen und Schüler auf notwendige Interventionen hingewiesen.

Bei Kindern mit bereits bestehendem Diabetes mellitus werden die Schulen vom Jugendärztlichen Dienst in Abstimmung mit den Eltern über die Betreuung des Kindes beraten. Darüber hinaus ist die Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer „Chronische Erkrankungen als Problem und Thema in Schule und Unterricht", die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, an allen allgemein bildenden Schulen im Saarland verfügbar. Sie enthält neben allgemeinen Informationen über Diabetes auch Hinweise zum Umgang mit betroffenen Kindern im Schulalltag sowie zur Behandlung des Themas im Unterricht.

Welche Rolle spielen in diesem Fall die Kinderärzte, der öffentliche Gesundheitsdienst und die Selbsthilfegruppen?

Zu Frage 8: Die Kinderärzte stehen im Rahmen der Betreuung von an Diabetes erkrankten Kindern mit den Kindergärten und Schulen in der Regel in Abstimmung mit den Eltern in enger Verbindung, um konkret Ratschläge im Umgang mit dem Kind zu geben und mögliche Unsicherheiten und Ängste abzubauen. Dies hat sich in der Praxis gut bewährt. Der öffentliche Gesundheitsdienst berät die Schulen und Kindergärten sowohl in der konkreten Betreuung an Diabetes erkrankter Kindern als auch generell in der Betreuung chronisch kranker Kinder. Sein Schwerpunkt liegt allerdings in der Prävention und Gesundheitsförderung, sowohl in der individuellen Beratung als auch der Beratung von Erzieherinnen und Lehrerinnen in gesundheitsfördernden Maßnahme, so zur gesunden Ernährung in Grundschulen. Die Selbsthilfegruppen unterstützen auf Anfrage konkrete Projekte in Schulen.

Inwieweit werden im Saarland die Sportvereine dabei unterstützt, vielseitige und kindgerechte Angebote auszubauen und dabei insbesondere die Kinder anzusprechen, die z. B. kein Fahrrad fahren, nicht schwimmen oder Ballspielen können?

Wurden hierfür bereits spezielle Programme entwickelt und wenn ja, welche? Werden solche Programme von der Landesregierung gefördert und wenn ja, in welcher Höhe?

Drucksache 12/1186 (12/1151) Landtag des Saarlandes -12. Wahlperiode - 9 Zu Frage 9:

Die Landesregierung hat seit 1999 die Kooperationsmaßnahmen „Schule und Verein mit breiten- und gesundheitssportlicher Zielsetzung" kontinuierlich ausgebaut. Im Schuljahr 2003/2004 wurden 90 Maßnahmen genehmigt. Für Übungsleiterhonorare sind 53.000,00 verausgabt worden, die vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft und der Saarland Sporttoto GmbH aufgebracht wurden.

Aufgrund der Besonderheit, dass nach § 5 Abs. 2 Satz 1 des Gesetzes über die Veranstaltung von Sportwetten im Saarland 12,5 % der Spieleinsätze dem Landessportverband für das Saarland zur Förderung des Sports zustehen, verfügt das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft nur über geringe Haushaltsmittel für diesen Bereich. Eine direkte finanzielle Unterstützung durch das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft kann demnach nicht erfolgen.

Das o.g. Projekt „Kindergarten ­ Kids in Bewegung" des Landessportverbands für das Saarland und des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft hat, wie bereits dargelegt, die kindgerechte Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit zum Ziel.

Auch über den o.g. Verein „wir im Verein mit dir" e.V. sollen Kinder an Sportvereine herangeführt werden, die eine entsprechend gute Jugendarbeit leisten und kindgerechte Angebote vorhalten.

Was wird im Saarland dafür getan, damit in Kindergärten und Schulen sportliche Betätigungen einen höheren Stellenwert bekommen und wie wird das Personal auf diese Aufgaben vorbereitet?

Zu Frage 10:

Im Jahr 2003 hat das Land die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Jugend mehr Sport treibt und sich so fit und gesund hält. Es wurde die Aktion „Kindergartenkids in Bewegung" im Stadtverband Saarbrücken gestartet. In Kooperation mit Sportvereinen sorgen dabei die Kindergärten für mindestens eine Bewegungsstunde pro Woche. Nach Aussagen aller Beteiligten haben sich die motorischen Eigenschaften der Kinder deutlich verbessert.

Das Projekt wird vom Land weiterhin finanziell gefördert und im nächsten Jahr im Landkreis St. Wendel fortgesetzt.

Im Jahr 2001 hat das Land allen Grundschulen und Schulen für Behinderte die CD „Bewegungsspaß für Groß und Klein" zur Verfügung gestellt. In abwechslungsreichen 5-MinutenEinheiten lässt sich damit immer dann Bewegung in den Unterricht integrieren, wenn der Lehrer es für angebracht hält, kognitive Phasen durch motorische abzulösen. Dabei werden Wahrnehmungs-, Reaktions- und allgemeine Bewegungsfähigkeit entwickelt sowie Ausdauer, Koordination und Spaß an der kreativen Bewegung gefördert.

Darüber hinaus hat das Land seit dem Schuljahr 2003/04 acht Sportlehrer für jeweils einen Tag pro Woche vom Unterricht freigestellt, damit sie dann in allen Schulregionen vor Ort als Moderatoren Lehrkräfte an Grundschulen beim Sportunterricht unterstützen, beraten und weiterbilden.

An weiterführenden Schulen sind seit dem Jahr 2000 in allen Landkreisen sportbetonte Klassen eingerichtet worden. Dabei erhalten die Schüler einer Sportklasse sechs Sportstunden pro Woche, also vier Stunden mehr als ihre Mitschüler in den übrigen Klassen.

Drucksache 12/1186 (12/1151) Landtag des Saarlandes -12. Wahlperiode - 10 Das Land stellt für die zusätzliche Sportförderung 70 Lehrerstunden zur Verfügung.

Ein weiterer wesentlicher Beitrag zur Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen ist die Initiative "wir im Verein mit dir". In nur drei Jahren ist es gelungen, 1.000 Schülerinnen und Schüler, die noch nicht Vereinsmitglieder waren, in einen Sportverein zu bringen. Dies ist eine gelungene Ergänzung zu den bereits bestehenden 90 Kooperationen "Schule und Verein mit breiten- und gesundheitssportlicher Zielsetzung".

Darüber hinaus bietet die Unfallkasse bereits seit 1990 im Rahmen der Unfallprävention Fortbildungen für Kindergartenpersonal an, in denen Bewegungsförderung einen großen Stellenwert hat.

Gibt es Kontakte der Landesregierung zu den Wohlfahrtsverbänden, um sie für präventive Maßnahmen insbesondere in Bezug auf eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung in sozial schwachen Familien zu gewinnen?

Zu Frage 11: Kontakte zu Wohlfahrtsverbänden zur gezielten Beratung und Förderung sozial schwacher Familien in Fragen der gesunden Ernährung und ausreichender Bewegung gibt es nicht.

Eine solche einseitig auf diese Aspekte ausgerichtetes Vorgehen erscheint insbesondere in dieser Zielgruppe als wenig aussichtsreich und wird ggf. als diskriminierend angesehen. Erfolgversprechender ist die Heranführung an diese Thematik über die Kindergemeinschaftseinrichtungen, da hier auch die Eltern in der Regel eingebunden sind und dies auch annehmen.