Maßnahmen und Kampagnen der Landesregierung zur Diabetesprävention

Vorbemerkung der Fragestellerin: „Nach Auffassung der Deutschen Diabetes Union bedeutet die Diagnose Diabetes für die Betroffenen einen Wendepunkt in ihrem Leben, weil sie damit zu den chronisch Kranken zählen und vielfältigen Belastungen ausgesetzt sind. Dazu zählen in erster Linie die persönlichen Ängste, vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, zu erblinden, unter Nierenversagen leiden zu müssen oder von einer Amputation betroffen zu sein. Mit dem ersten Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2003 sollten Ansätze aufgezeigt werden, wie der Krankheit Diabetes mit all ihren Komplikationen begegnet werden kann. Sehr eindringlich wurde darauf hingewiesen, dass im Hinblick auf die sich dramatisch entwickelnden Zahlen Handeln der politisch Verantwortlichen dringend geboten ist."

Vorbemerkung der Landesregierung:

Die Landesregierung teilt die von der Fragestellerin nach dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2003 der Deutschen Diabetes Union (DDU) formulierte Auffassung, dass Diabetes zusammen mit ihren Folgekrankheiten unter ethischen wie volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ein gesundheitspolitisch prioritäres Thema ist. Die „Ansätze...., wie Diabetes und seinen Komplikationen zu begegnen ist" (Vorwort des o. g. Berichts) sind in dem Gesundheitsbericht erfreulicherweise übersichtlich zusammengefasst, jedoch nicht neu.

Die Fragestellerin bezieht sich außerdem (ohne Quellenangabe) auf die WHO. Vermutlich wird auf das Dokument „Global strategy on diet, physical activity and health" (WHA 57.17) Bezug genommen; darin wird unter anderem dargelegt, dass eine erfolgreiche Diabetesintervention, global wie lokal, nur in Kooperation aller jeweils Beteiligten erreicht werden kann. Die Regierung des Saarlandes hat im Hinblick auf die Verhütung von Diabetes in den vergangenen fünf Jahren in ihrem Verantwortungsbereich erhebliche Ansätze dafür geschaffen, die langfristig erforderlichen Änderungen des Lebensstils vieler Bürger und Bürgerinnen anzustoßen und zu begleiten.

Welche Initiativen und Maßnahmen der Landesregierung haben bisher stattgefunden mit dem Ziel, einem gesunden Lebensstil ein positives Image zu verschaffen? Inwieweit wurden dabei die Vorschläge der WHO zur Änderung der Lifestyle-Faktoren berücksichtigt?

Zu Frage 1: Präventive Maßnahmen, die Diabetes vermeiden helfen, tragen zugleich wesentlich zur Prävention auch anderer zivilisatorisch (mit)bedingter Krankheiten bei und umgekehrt. Insofern sind die Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstils der Saarländer und Saarländerinnen nicht spezifisch auf Diabetes hin geplant, dienen aber auch der Vermeidung dieses Krankheitsrisikos.

Als strukturelle Maßnahme zur Förderung eines gesunden Lebensstils im Saarland trägt die Landesregierung maßgeblich zur Finanzierung der 1990 gegründeten Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (LAGS) bei.

Im Mai 2000 hat das Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales gemeinsam mit den Universitätskliniken Homburg/Saar Informationen einerseits für Ärzte und Ärztinnen, andererseits für Bürger und Bürgerinnen zu den Auswirkungen von Alkohol und Tabak auf den Mund- und Rachenraum publiziert.

Aus Anlass der „Europäischen Krebswoche" des Jahres 2000 wurden zum Schwerpunkt „Gesunde Ernährung/5 am Tag" Aktionen in und mit Betriebskantinen durchgeführt. Die Europäische Krebswoche 2001 fand zum Thema „Rauchfreiheit" statt; außerdem hat die Landesregierung aus Anlass des Deutschen Lungentages 2001 die mehrjährige Kampagne „Von Luft und Liebe" gestartet.

Am 18.01.2002 wurde die mehrjährige Kampagne „Hauptsach GUDD gess" mit den bisherigen Schwerpunkten „Verbesserung der Ernährung in Kindergärten und Kindertagesstätten, Schulen und Betrieben" begonnen. Als weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung der Ernährung von Senioren und Seniorinnen ab 2005 vorgesehen.

Am 31.05.2002 hat der Deutsche Bundesrat die vom Saarland eingebrachte „Entschließung des Bundesrates zum Stellenwert der Prävention in der Gesellschaft", am 28.11.2003 die vom Saarland und Baden-Württemberg eingebrachte „Entschließung des Bundesrats zum Präventionsgesetz" verabschiedet.

Am 24.06.2002 haben alle saarländischen Krankenkassen der GKV und die (maßgeblich von der Landesregierung geförderte) LAGS einen Kooperationsvertrag über vier Jahre zur Primärprävention in Schulen geschlossen mit dem Ziel, modellhaft Möglichkeiten der Organisationsentwicklung einer Schule zur gesunden Schule durchzuführen und zu erproben.

Am 7.11.2002 fand die Fachtagung „Prävention in Deutschland und Europa" in Saarbrücken statt.

Vor kurzem haben die unionsgeführten Länder ein Eckpunktepapier für ein Präventionsgesetz erstellt.

Drucksache 12/1187 (12/1154) Landtag des Saarlandes -12. Wahlperiode - 3 Darüber hinaus engagiert sich die saarländische Landesregierung für einen gesunden Lebensstil, indem sie landwirtschaftliche Erzeugungsverfahren fördert, die besonders hochwertige und gesunde Lebensmittel hervorbringen (Saarländische Agrarumweltmaßnahmen). Hier ist insbesondere die Förderung des ökologischen Landbaus zu nennen.

Ökologisch erzeugte Lebensmittel zeichnen sich gegenüber konventionell erzeugten Produkten insbesondere durch ihre niedrigen Schadstoffrückstände aus, da bei ihrer Erzeugung auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichtet wird. So enthalten pflanzliche Bio-Produkte weniger Nitrat sowie weniger Pestizid- und Schwermetallrückstände. Tierische Produkte weisen günstigere Fettsäurezusammensetzungen auf und sind deutlich geringer mit Antibiotika-Rückständen belastet.

Im bundesweiten Vergleich hat das Saarland mit 63 Betrieben, die rund 4.700 ha bewirtschaften, einen überdurchschnittlichen Anteil an ökologischer Landwirtschaft. Dieser liegt bei 6,1 %, bezogen auf die gesamte, landwirtschaftlich genutzte Fläche, im Bundesschnitt werden demgegenüber nur 4,1 % erreicht.

Weiterhin fördert das Land die Vermarktung regional und ökologisch erzeugter Produkte. Als Beispiele seien hier das saarländische Rapsöl, der Schulapfel oder das Fleisch vom Saarlandwirt genannt.

Mit der Landesrichtlinie "Förderung der Vermarktung von regional und ökologisch erzeugten Produkten" (VRL) werden verschiedene Maßnahmen zur Teilnahme an Messen und Ausstellungen, Informationskampagnen und Informationsveranstaltungen unterstützt. Im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel des Landes wurden - überwiegend in Kofinanzierung mit der Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) - Vereine und Verbände gefördert; u. a. wurden „Botschafterinnen für Agrarprodukte" geschult, die regional und/oder ökologisch erzeugte hochwertige Produkte dem Verbraucher nahe bringen.

Im vergleichbaren Zeitraum wurden im Saarland die Fördergrundsätze zur Verarbeitung und Vermarktung regional und ökologisch erzeugter Produkte und der Marktstrukturverbesserung des "Rahmenplans zur Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK)" eingesetzt. Die Fördermittel wurden unter anderem für Strukturverbesserungen im Sektor Milch und für Investitionsbeihilfen für regional und ökologisch erzeugte Produkte eingesetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beteiligung des Saarlandes an der Förderung der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Das Projekt "Ernährungsfragen im Verbraucherschutz" wird in gleicher Höhe wie vom Bund durch Mittel des Ministeriums für Umwelt unterstützt. Für dieses Projekt wurden von der Verbraucherzentrale des Saarlandes bisher folgende Maßnahmen benannt: Alkopops, Lebensmittel mit Zusatznutzen, Lebensmittel regional und saisonal, Fit im Alter, Trendgetränke, der Sinnesparcours und Werbung für Kinderlebensmittel.

Die Zielsetzung, höherwertige Qualitätsprodukte zu erzeugen und zu vermarkten, ist sicherlich als Beitrag zur Gesunderhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher zu sehen. Über gut ausgebildete Multiplikatoren, wie die Botschafterinnen für Agrarprodukte und die Ernährungsberaterinnen und -berater der Verbraucherzentrale des Saarlandes, werden stetige Impulse für die Änderung des Lebensstils hin zu gesunder Ernährung gegeben.

Alle genannten Maßnahmen zielen in die Richtung der von der WHO in o. a. Dokument dargestellten Strategie.