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Landtag des Saarlandes - 12. Wahlperiode - -7

Empfehlung Grenzenlose Bildung in der Saar-Lor-Lux-Region

Die grenzüberschreitende Lage im Vierländereck Deutschland-Frankreich-LuxemburgBelgien weist der Region Saar-Lor-Lux - Rheinland-Pfalz - Wallonien eine besondere Rolle in Europa zu.

Hier besteht die Möglichkeit, die Kultur und vor allem die Sprache des jeweils anderen Mitgliedstaates in größter Nähe ­ unmittelbar beim Nachbarn ­ kennen zu lernen. Es bedarf dafür keiner langen Reise, daher können auch schon Kinder beim gemeinsamen Spiel die Sprache des Nachbarn erlernen. Die dabei geknüpften Kontakte können aufgrund der räumlichen Nähe auch später leicht aufrechterhalten und vertieft werden.

Aufgrund dieser Gegebenheiten kann die Region Saar-Lor-Lux - Rheinland-Pfalz Wallonien zur Modellregion für ein kulturell vielfältiges, vereintes Europa werden. Das problemlose Überschreiten der Grenzen ­ auch der sprachlichen ­ kann der Region Vorteile vor allem auch wirtschaftlicher Art verschaffen.

Hierzu muss das Projekt „Europa" mehr ins Bewusstsein vor allem der Jugendlichen gerückt werden. Ein entsprechendes Arbeiten für die europäische Einigung muss deshalb schon in den Kindergärten und Schulen ansetzen.

Der IPR begrüßt die zahlreichen Initiativen ­ auch privater Natur ­ zum Austausch von Schülern und Lehrern. Er begrüßt auch, dass „Europa" in den Lehrplänen aller Bildungseinrichtungen der Region verbindlich verankert ist, wie eine parlamentarische Anfrage aus dem IPR zu diesem Thema ergeben hat.

Der IPR begrüßt darüber hinaus die bereits auf europäischer Ebene laufenden Initiativen zur Harmonisierung der Hochschulsysteme, vor allem die Schaffung eines Europäischen Hochschulraums, der Gegenstand mehrerer Stellungnahmen auf höchster Ebene war. Dies waren unter anderem folgende :

- Die Sorbonne-Erklärung vom Mai 1998

- Die Regierungskonferenz von Bologna am 19. Juni 1999

- Die Prager Konferenz der EU-Minister für das Hochschulwesen vom 18. und 19. Mai 2001.

Der IPR regt an, dass die Großregion vollständig in den Genuss der bereits begonnenen Maßnahmen, die Schritt für Schritt in nationale Gesetzgebung überführt werden, kommt. Diese sind insbesondere folgende :

- der Vertrag von Lissabon aus dem Jahr 1997 über die Anerkennung von Hochschulabschlüssen,

- der Plan zur Entwicklung der studentischen Mobilität, wie er auf dem Gipfel von Nizza beschlossen wurde (42 geplante Maßnahmen),

- die schrittweise Verabschiedung eines allgemeinen Studiensystems, aufbauend auf Studienjahren (3-5-8 - Diplom, Master, Promotion),

- die Umsetzung eines Systems der Anerkennung von Studienleistungen (European Credit Transfer System - ECTS), das die absolvierten Vorlesungen sowie Seminararbeiten, Praktika, Diplomarbeiten und sonstige Leistungen der Studierenden einbezieht.

Der IPR setzt sich dafür ein, dass die gesetzlichen versicherungs- und rentenrechtlichen Hindernisse für einen besseren Lehreraustausch beseitigt werden. Er erwartet darüber hinaus für den Bereich der Berufsausbildung, dass der Austausch von Lehrern und Schülern ermöglicht bzw. erleichtert wird.

Der IPR tritt dafür ein, dass in Schulen, Hochschulen und in der Weiterbildung neben der Idee „Europa" auch konkrete Informationen über die Strukturen, das Leben und die Kultur im jeweiligen Nachbarstaat vermittelt werden.

Der IPR fordert, dass aufgrund einer stärkeren Vernetzung und erweiterter und verbesserter Kooperationsmöglichkeiten die in der Region vorhandenen universitären Einrichtungen effizienter genutzt werden können.

Der IPR begrüßt in diesem Zusammenhang die aktuelle Kooperation der Universität Trier und des Centre Universitaire de Luxembourg. Er betont die Bedeutung der Deutsch-Französischen Hochschule für die Saar-Lor-Lux Region, die aus einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen der lothringischen und saarländischen Universität hervorgegangen ist.

Der IPR fordert deshalb:

· eine Sondervereinbarung über den Austausch von Lehrern und Erziehern in der Region Saar-Lor-Lux - Rheinland-Pfalz - Wallonien. Ähnlich dem Schengener Abkommen müssen durch ein Abkommen „Schengen II" die „freie Fahrt", d.h. uneingeschränkte Austauschmöglichkeiten für Lehrer an allen Schulen sichergestellt werden.

· die Erarbeitung curricularer Bausteine in Form von Handreichungen zum Thema Saar-Lor-Lux - Rheinland-Pfalz - Wallonien. Diese sollten mit den jeweils Zuständigen für die Region in drei Sprachen erarbeitet werden und Aufnahme in die Lehrpläne der Bildungseinrichtungen in der Region finden. Ziel soll die Vermittlung von Grundlagenwissen über die jeweiligen Mitgliedstaaten der Region sein. Auf der Grundlage dieser Bausteine könnte z. B. am Europatag eine gemeinsame Unterrichtseinheit Saar-Lor-Lux - Rheinland-Pfalz - Wallonien abgehalten werden.

· eine bessere Kooperation der Universitäten und Hochschulen in der Region, die mit der Einführung binationaler bzw. trinationaler Abschlüsse, der gegenseitigen Anerkennung der Abschlüsse und einer grenzüberschreitenden Anerkennung von Studienleistungen mit dem Ziel einer Modularisierung von Studiengängen im Bereich der Hochschulen der Großregion einhergehen muss.

· einen Ausbau der Beteiligung der Universitäten und Hochschulen der Region an der Deutsch-Französischen Hochschule mit dem Ziel, die Attraktivität der Hochschulstandorte zu stärken und die Region zum Zentrum deutsch-französischer Hochschulausbildung zu entwickeln. Die bestehende Zusammenarbeit von deutschen und französischen Hochschulen in der Region mit den Hochschulen in Luxemburg sollte zu einer Erweiterung der Deutsch-Französischen Hochschule um Luxemburg weiterentwickelt und die Deutsch-Französische Hochschule auf den Weg zu einer europäischen Hochschule gebracht werden.

Saarbrücken, den 7. Dezember 2001

Empfehlung Einspeisung französischer Fernsehprogramme in das Kabelnetz der Region Trier

1. Der IPR ist der Überzeugung, dass die grenzüberschreitende Wahrnehmung von Fernsehprogrammen in der Saar-Lor-Lux Region einen wichtigen Beitrag für das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zusammenwachsen der Saar-Lor-Lux Region leistet und zum Ziel des IPR einer zweisprachigen Region beiträgt.

2. Der IPR spricht sich in diesem Zusammenhang und vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussion in der Region Trier dafür aus, neben dem Sender TV5, in das Kabelnetz der Region Trier mindestens ein originär französisches Fernsehprogramm einzuspeisen. Er fordert die zuständigen Gremien und Institutionen der Großregion auf, darauf hinzuwirken, dass dies erfolgt.

Saarbrücken, den 7.