Mitteleinsatz der Arbeitsämter für Maßnahmen nach dem Jugendsofortprogramm 1999

Landtag des Saarlandes - 12. Wahlperiode - 235 Artikel 11: Soziale Betreuung zur Hinführung an Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen

Durch diesen Artikel ist die Förderung von Streetworkern ermöglicht worden, deren Aufgabe es ist, besonders benachteiligten Jugendlichen die Eingliederung in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem zu erleichtern. So wurden zum Beispiel JobCenter oder Internet-Cafes bezuschusst, in denen die Jugendlichen in zwangloser Atmosphäre erste Gespräche mit dem Sozialarbeiter führen konnten. Zudem wird durch den Einsatz von Streetworkern die Zusammenarbeit zwischen Arbeitsamt und den Trägern der Jugend- und Sozialhilfe intensiviert

Ab 2004 wird dieses Instrument unter der Bezeichnung "Aktivierungshilfe" in das SGB III übernommen. Eine Bezuschussung ist dann aber nur noch möglich, wenn sich Dritte an dem Projekt beteiligen.

Artikel 11a Mobilitätshilfen

Diese Leistung ist auf Arbeitsamtsbezirke beschränkt, in denen die Quote der Jugendarbeitslosigkeit im Vorjahresdurchschnitt über dem Bundesdurchschnitt lag. So können im Saarland nur arbeitslose Jugendliche des Arbeitsamtsbezirkes Saarbrücken, die dort keine Arbeit finden, zusätzliche Mobilitätshilfen (Umzugskosten, Familienheimfahrten) erhalten.

Angebote im Rahmen der Freien Förderung nach § 10 SGB III

Im Rahmen der Freien Förderung nach § 10 SGB III haben die Arbeitsämter die Möglichkeit, je nach regionalen Gegebenheiten weitere Projekte und Einzelfallförderungen mit dem Ziel der Senkung der Jugendarbeitslosigkeit zu initiieren. Ein Rechtsanspruch auf eine Förderung besteht nicht.

Bei der Einzelfallförderung können z. B. Betriebe durch Zuschüsse gefördert werden, die sogenannte "Konkurslehrlinge" übernehmen (Auszubildende, die aufgrund Konkurs des Ausbildungsbetriebs ihre Ausbildung nicht fortsetzen konnten). Modellprojekte in Zusammenarbeit mit den Bundesministerien Modellprojekt "Neue Förderstruktur"

Die Bundesanstalt für Arbeit beteiligt sich an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten Programm "Neue Förderstruktur für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf" (vormals unter der Bezeichnung: "Förderung aus einem Guss" geführt). Ziel ist es, noch mehr Jugendliche als bisher an Ausbildung oder Beschäftigung heranzuführen.

Im Saarland wurde das Arbeitsamt Neunkirchen ausgewählt, das Modellprojekt ab Herbst des Jahres 2001 zu erproben. Das Modell sieht vor, die Berufsvorbereitung stärker mit der Berufsausbildung zu verzahnen und berufsbezogene Qualifikationen zu zertifizieren. Auch ist der Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes aus allen verantwortlichen Beteiligten (z.B. Arbeitsamt, Träger der beruflichen Aus- und Weiterbildung, Arbeitgeber, Kommunen usw.) vorgesehen, um ein möglichst breites Zugangsspektrum in den Modellversuch zu gewährleisten. Für den Aufbau eines solchen Netzwerkes ist federführend der Träger verantwortlich, der in den ausgewählten Arbeitsamtsbezirken den Zuschlag für die Durchführung des Modellprojekts erhalten hat.

Modellprojekt "Freiwilliges soziales Trainingsjahr (FSTJ)" für besonders benachteiligte Jugendliche

Dieses Modellprojekt wurde im Jahr 2001 erstmals durch das Ministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend initiiert. Das Modellprojekt ist inhaltlich auf der Freiwilligkeit der Teilnahme begründet, sozial-pädagogisch und berufsorientiert ausgerichtet und ist eine bisher einzigartige Möglichkeit, besonders benachteiligte Jugendliche individuell zu unterstützen und auf dem ersten Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren.

Beim Erwerb von beruflichen und sozialen Schlüsselqualifikationen in gemeinnützigen Einrichtungen und Betrieben werden die Teilnehmer von geschulten Mitarbeitern intensiv und individuell begleitend-beratend unterstützt. Grundlage der Zusammenarbeit bildet die Förderplanvereinbarung zwischen Teilnehmer und Qualifizierungsbüro, in dem Ziele gemeinsam festgelegt werden und in gewissen Abständen reflektiert und ggf. korrigiert werden.

Fördermaßnahmen für junge Menschen mit Behinderungen

Zu den Aufgaben der Bundesanstalt für Arbeit gehört auch die berufliche Rehabilitation behinderter Jugendlicher. Sie hat zum Ziel, körperlich, geistig oder seelisch behinderte Jugendliche oder von einer Behinderung bedrohte junge Menschen möglichst vollständig und dauerhaft in Arbeit, Beruf und Gesellschaft einzugliedern.

Die berufliche Rehabilitation soll u.a. behinderungsbedingte Einschränkungen und Hemmnisse beseitigen, die eine Eingliederung in das Berufs- und Arbeitsleben erschweren. Zur beruflichen Rehabilitation zählen alle berufsbezogenen Maßnahmen und Leistungen, die es dem behinderten Jugendlichen ermöglichen, seine Erwerbsfähigkeit entsprechend seiner Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen.

Leistungen, die darauf gerichtet sind, behinderte Jugendliche durch berufsfördernde Maßnahmen vollständig und dauerhaft in Arbeit und Beruf einzugliedern, zählen zur individuellen Förderung. Darüber hinaus unterstützt die Bundesanstalt für Arbeit im Rahmen der institutionellen Förderung finanziell den Auf- und Ausbau moderner Rehabilitationseinrichtungen sowie deren Ausstattung.

Zur individuellen Förderung zählen:

- Berufsfördernde Bildungsmaßnahmen. Hier werden junge Menschen mit Behinderung auf eine Ausbildung oder Arbeitnehmertätigkeit vorbereitet.

- Förderlehrgänge. Sie sollen eine dauerhafte Integration in Ausbildung oder Arbeit erreichen. Je nach Zielgruppe werden unterschieden:

- F1­Lehrgänge für Jugendliche, die für eine allgemeine Berufsausbildung in Betracht kommen, aber wegen Lernerschwernissen aufgrund ihrer Behinderung einer besonderen Förderung bedürfen,

- F4-Lehrgänge für Jugendliche, die für eine allgemeine Berufsausbildung in Betracht kommen, aber wegen der Dauer der medizinischen Rehabilitation nicht mehr wettbewerbsfähig sind

- eher selten stattfindende F2- und F3-Lehrgänge für Jugendliche, die wegen ihrer Behinderung nicht für eine Berufsausbildung in Betracht kommen, aber in einer Werkstatt für Behinderte unterfordert wären.

Die Dauer der Lehrgänge beträgt in der Regel zwischen 6 und 12 Monaten.

- Werkstätten für Behinderte: Förderung im Eingangsverfahren oder im Arbeitstrainingsbereich

- Sonstige berufsvorbereitenden Maßnahmen: Berufsfindung, Arbeitserprobung, Grundausbildungslehrgänge, Lehrgänge zur Verbesserung der beruflichen Bildungs- und Eingliederungschancen, Informations- und Motivationslehrgänge bzw. Lehrgänge Testen-Informieren-Probieren

- Betriebliche und außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen

- Speziell auf Belange der behinderten Jugendlichen abgestimmte Ausbildungsgänge (Ausbildung nach § 48 Berufsbildungsgesetz (BBiG) bzw. § 42b Handwerksordnung (HWO))

Die Kosten für die individuelle Förderung behinderter Jugendlicher in diesen Maßnahmen beliefen sich im Jahre 2001 auf 48,1 Mio. DM.