Belastung der Wasserqualität durch Arzneimittelrückstände

Dass sich Medikamente und ihre Abbauprodukte in der Umwelt, insbesondere in Gewässern ansammeln, ist länger bekannt. Aktuelle Untersuchungsergebnisse im Rahmen des EU-Forschungsprojekts POSEIDON belegen, dass nicht nur in Flüssen und Seen Arzneimittelrückstände nachweisbar sind, sondern auch im Grund- und vereinzelt sogar im Trinkwasser. Das Projekt untersucht die Belastung von Gewässern durch "Pharmaceuticals & Personal Care Product ingredients" (sog. PPCPs), es handelt sich dabei um Betablocker, Antibiotika, Hormonderivate wie Ethinylestradiol sowie kosmetische Inhaltsstoffe (z.B. UV-Filter). Laut der Untersuchung sind bestehende Kläranlagen nicht in der Lage die Mehrzahl dieser Substanzen herausfiltern, so dass die PPCPs durch gereinigtes Abwasser in die Fließgewässer und damit dauerhaft in den Wasserkreislauf gelangen.

Vor diesem Hintergrund frage ich die saarländische Landesregierung:

1. Welche Erkenntnisse hat die Landesregierung über die gegenwärtige Belastung durch Arzneimittel in saarländischen Seen und Flüssen? Existieren im Saarland bereits Arzneimittelmonitoring-Programme?

2. Welche Untersuchungen gibt es diesbezüglich im Saarland zu Qualität von Grundund Trinkwasser? Waren in den vergangenen zehn Jahren im Saarland Veränderungen der Wasserqualität von Seen, Flüssen und dem Grundwasser durch Medikamente festzustellen? Wenn ja, welche und in welchen konkreten Gewässern?

3. a) Welche Erkenntnisse gibt es von Seiten der Landesregierung über die Belastung von Mensch und Tier durch Arzneimittelrückstände im Saarland?

b) Lassen sich radioaktive Rückstände aus Stoffen, die medizinische Anwendung fanden, in saarländischen Gewässern nachweisen?

4. Welche Erkenntnisse gibt es von Seiten der Landesregierung über die Medikamentenbelastung von Fischen und anderen Wasserbewohnern im Saarland?

5. Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung über Hormonbelastungen im Wasser für Mensch und Tier (bes. Fische)? Welche Auswirkungen zögen stark erhöhte Hormonwerte des Wassers auf Flora und Fauna nach sich?

6. Welche Erkenntnisse liegen hinsichtlich der Belastungen von Mensch und Tier (bes. Fische) durch Psychopharmaka im Wasser vor?

7. Gibt es im Saarland Langzeituntersuchungen über den Zusammenhang von Medikamentenrückständen im Wasser und deren gesundheitliche Auswirkungen auf Mensch und Tier?

8. Mit welchem Mittelaufwand (organisatorisch und finanziell) wäre es möglich, in Kläranlagen die oben genannten Rückstände restlos herauszufiltern?

9. a) Welche Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität werden bereits durch die Landesregierung durchgeführt/gefördert (Auflistung der Projekte)?

b) Sind im Falle saarländischer Krankenhäuser spezielle Maßnahmen in den nachgelagerten Kläranlagen vorgeschrieben, um dort in Umlauf gebrachte Medikamente aus dem Abwasser zu filtern?