Erhalt der Grundschulen im Saarland ­ Mut zu Investitionen in nachhaltige „Grundbildung" statt kurzsichtiger Sparpolitik

Die Grundschule ist die wichtigste Schule und unverzichtbares Fundament für die Bildungslaufbahn der Kinder.

Die neueste PISA-Studie verweist eindrucksvoll auf die besondere Bedeutung der Förderung in Vor- und Grundschulen und untermauert die dringende Notwendigkeit der Verbesserung dieser „Grundbildung" als Garantie für erfolgreiches Lernen.

Vor diesem Hintergrund ist der von der Landesregierung eingeschlagene Weg einer flächendeckenden Schließung von Grundschulen im Saarland bildungspolitisch kurzsichtig und konzeptlos im Hinblick auf die Herausforderungen in Zeiten hoher Bildungsdefizite.

Kürzungen im Bildungssektor sind aufgrund der mittel- und langfristig zu erwartenden negativen Auswirkungen auf den Standort Saarland definitiv kein probates Mittel zur Sanierung des Landeshaushalts. Nur kontinuierliche Investitionen in Bildung gewährleisten eine nachhaltige Verbesserung der Bildungschancen im Saarland.

Der Landtag fordert die Landesregierung daher auf, anstelle der Schließung von Grundschulen als Reaktion auf die demographische Entwicklung im Saarland unter Einbeziehung der Erfahrungen benachbarter Bundesländer Alternativen zu prüfen mit dem Ziel der Erreichung einer echten Qualitätsverbesserung im Grundschulbereich

­ statt einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen durch längere Schulwege, größere Klassen und den Abbau individueller Fördermöglichkeiten:

- Der Landtag des Saarlandes fordert deshalb:

- Vorrang der Schulstandorterhaltung vor Schulschließungen:

- Erhalt wohnortnaher Grundschulen durch die verstärkte Einrichtung von jahrgangsübergreifenden Klassen, sog. Kombiklassen.

- Langfristige Schulstandortplanung, die neben dem aktuellen Schülerrückgang auch wieder einen Schülerzahlenanstieg infolge geburtenstarker Jahrgänge und Migration berücksichtigt.

- Stärkung der Grundschule „im Ort"

- als kulturellen und sozialen Mittelpunkt und elementare Grundlage für eine attraktive Infrastruktur sowie eine Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum,

- gemeinsam mit Kinderbetreuungseinrichtungen als Standortfaktor einer Region, auch in Zusammenarbeit mit Initiativen und Vereinen,

- zur Einhaltung des pädagogischen Prinzips der Grundschule „Kurze Beine ­ kurze Wege",

- als bessere Obhut für Kinder, um dem natürlichen Sorge- und Sicherheitsbedürfnis der Eltern bezüglich ihrer Kinder Rechnung zu tragen.

- Förderung von einzügigen Grundschulen als Mindestgröße:

- Ausbau der Möglichkeiten der individuellen Förderung in kleinen Lerngruppen, u. a. zur Gewährleistung der Chancengleichheit für Kinder aus bildungsfernen Schichten, für langsam lernende Kinder, für Migrantenkinder.

- Absenkung des Klassenteilers von derzeit 29 auf 25 Schülerinnen und Schüler.

- Abkehr vom Kriterium der Zweizügigkeit als „Qualitätsmerkmal" oder gar „Qualitätsverbesserungsmerkmal"; Zweizügigkeit kann niemals ein Prüfkriterium für die Qualität einer Schule sein!

- Individuelle Qualitätsprüfung einer jeden Schule im Hinblick auf echte Gütemerkmale wie Bildungs-, Betreuungsqualität und Ausstattung, im Nachgang zu der vorliegenden „Planstudie".

- Schaffung einer Zukunftsperspektive für angehende Grundschullehrkräfte im Saarland:

- Vermeidung negativer Auswirkungen auf das Lehrerdurchschnittsalter infolge geplanter drastischer Stelleneinsparungen im Grundschullehrerbereich

- Angesichts der Haushaltsnotlage Einsparungen im Bereich der Ministerialbürokratie anstelle von Grundschullehrerstellen durch Reduzierung der Zahl der Abteilungen im Kultusministerium zur Straffung der dortigen Kompetenzen und Bündelung von Querschnittsaufgaben.

- Verzicht auf die Finanzierung von Prestigeobjekten zugunsten von Investitionen im Grundschulbereich.

- Neuauflage einer zukunftsfähigen Planung im Grundschulbereich unter Beteiligung der Eltern- und Lehrervertretungen, der Schulträger, der Personalräte, der Gewerkschaften, Verbände, Parteien etc.

- Einrichtung einer Bürgersprechstunde zur Information aller am Reformprozess Mitwirkenden zur Vermeidung von Verunsicherung, Ängsten und Sorgen.

- Forderung eines Bündnisses für Bildung mit allen Beteiligten zur gemeinsamen Lösungsfindung.

- Diskussion von neuen Wegen zur Bildungsfinanzierung jenseits einer isolierten Betrachtung des jeweiligen Bildungssegments vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens.