Aufwertung von Spiel- Sport- und Bewegungserziehung ­ Förderung der Schwimmfähigkeit an Schulen

Der Landtag wolle beschließen: Falsches Ernährungsverhalten, der übermäßige Konsum neuer Medien sowie der damit verbundene Bewegungsmangel vermindern die Leistungsfähigkeit und beeinträchtigen die Gesundheit, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Ebenso spielt Schulstress eine große Rolle: derzeit bestätigen Kinderpsychologen und Kinderärzte z.

B. ein Ansteigen ihrer Patienten aus dem achtjährigen Gymnasium G8 ­ den betroffenen Schülerinnen und Schülern bleibt immer weniger Zeit für Hobbys und vor allem für Sport.

Sportliche Betätigung fördert nicht nur körperliche Fitness, sondern auch die geistige Lernfähigkeit und die Entwicklung der Persönlichkeit. Deshalb sind Spiel, Sport und Bewegung von Anfang an entscheidend ­ vom Kindergarten bis in die Schule ­ und legen somit den Grundstein für lebenslanges Sporttreiben und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dementsprechend muss Sport-, Spiel- und Bewegungserziehung viel stärker als bisher in den Fokus frühkindlicher und schulischer Bildung rücken ­ ein Anspruch, der Niederschlag finden muss in der Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher sowie mit der Wiedereinführung mindestens der dritten Sportstunde.

Schulsport trägt einerseits dazu bei, motorische Defizite bei Schülerinnen und Schülern abzubauen und andererseits, sportliche Talente zu entfalten. Darüber hinaus wirkt Sport in der Schule präventiv in Bezug auf Aggression und Gewalt unter Kindern und Jugendlichen ­ eine entscheidende Funktion gerade angesichts aktueller Zahlen zum Anstieg von Gewaltdelikten in der Jugendkriminalität im Saarland.

Außerschulische Projekte, Initiativen und Kooperationen von Schul- und Vereinssport sind wichtig und sinnvoll ­ jedoch kein Ersatz für ausreichenden Schulsport, der allen Schülerinnen und Schülern zugänglich ist. Denn die soziale Schere geht nicht nur in der Bildung sondern auch im Sport immer weiter auf. Kinder aus einkommensschwachen Familien sind oftmals von der kostenpflichtigen Teilnahme am Sport nach der Schule ausgeschlossen.

Die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der KMK 2004/2005 erstellte „Sprint-Studie" zeigt auf, dass der Stundenausfall beim Schulsport überproportional hoch ist, wovon auch der Schwimmunterricht betroffen ist.

Gründe hierfür sind zunehmende Schwimmbad-Schließungen sowie das Fehlen von Lehrschwimmbecken, Hallenzeiten, Aufsichtskräften und entsprechend ausgebildeten Lehrkräften. Jedes dritte Kind kann heutzutage nicht mehr schwimmen. Schwimmen ist jedoch ein Grundbedürfnis nach Bewegung und bedeutet Teilhabe am öffentlichen Leben. Deshalb ist insbesondere eine wohn- und schulortnahe Bäderstruktur für das Saarland mit tauglichen Sportbecken zu entwickeln, in denen Kinder schwimmen lernen und Erwachsene trainieren können ­ unter Berücksichtigung bezahlbarer Eintrittspreise.

Vor diesem Hintergrund fordert der Landtag die Landesregierung u. a. zu folgenden Maßnahmen auf:

· Beginn der Bewegungs- und Sporterziehung bereits im frühkindlichen Bereich und Verankerung innerhalb der ErzieherInnen-Ausbildung;

· Förderung der Elternmitwirkung sowie der Kooperation von Kindergarten und Schule mit Sportvereinen und weiteren Partnern;

· Ausdehnung von Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten innerhalb des Ganztagsbetriebs von Kita und Schule;

· Wiedereinführung mindestens der dritten Sportstunde an allen Schulen;

· Realisierung der „Bewegungsfreudigen Schule" in Schulprofilen und Lehrplänen;

· Sicherstellung eines regelmäßigen Sportunterrichts an allen saarländischen Schulen unter Vermeidung von Unterrichtsausfall ­ und kürzungen zu Lasten des Bewegungsfaches Sport;

· Einführung von Sportförderunterricht für Kinder mit motorischen und körperlichen Defiziten;

· Schwerpunktsetzung von „Entwicklungs- und Lernförderung durch Bewegung" innerhalb der Lehrerausbildung als Querschnittsaufgabe;

· Deutliche Verbesserung von Aus- und Fortbildung sowie in Bezug auf die Einstellung von Sportlehrkräften in allen Schulformen, insbesondere im Grundschulbereich;

· Stärkung des Bewusstseins für den Bedarf nach geschlechtergerechtem und geschlechterdifferenzierten Sportunterricht im Rahmen der Lehrerfortbildung;

· Gewährleistung des Erwerbs der Schwimmfähigkeit im Sportunterricht für alle Schülerinnen und Schüler;

· Ermöglichung der uneingeschränkten Teilhabe am außerschulischen Sport für alle Kinder und Jugendliche, unabhängig vom Einkommen der Eltern, z. B. in Form einer Beitragsbefreiung;

Bereitstellung der erforderlichen Sportstätten, insbesondere zur Sicherstellung des Schwimmsports, im Rahmen eines eng mit Land, Kommunen und Sportmulitplikatoren abgestimmten und nachhaltigen Konzepts, das den Tendenzen zum Abbau öffentlicher Einrichtungen ­ und damit dem Sozialabbau - entgegenwirkt.

Begründung: Erfolgt mündlich.