Weg zum Abitur an Gesamtschulen sichern ­ Gesamtschulen ausbauen und fördern

Seit den Neugründungen ab Mitte der achtziger Jahre hat sich die Gesamtschule im Saarland zum Erfolgsmodell entwickelt. Viele Eltern erkennen in der Gesamtschule eine positive Perspektive für ihre Kinder, die das Risiko des Aussortierens von Schülern verringert und Bildungsgänge ohne Brüche anbietet. Die stetig steigende Nachfrage unterstreicht diese Entwicklung und bestätigt den Wunsch, das gegliederte Schulsystem sukzessive durch integrative Strukturen zu ersetzen. Die Idee des gemeinsamen Lernens in der Schule für Alle knüpft am pädagogischen Konzept integrierter Gesamtschulen an ­ daher ist die Gesamtschule der richtige Schritt auf diesem Weg.

Trotz positiver Resonanz und zunehmender Akzeptanz tragen jedoch die Rahmenbedingungen für die Gesamtschule diesem Trend kaum Rechnung. Die von der Landesregierung angekündigte sog. „Kleinere-Klassen-Garantie" wird derzeit an Gesamtschulen nicht umgesetzt: diese weisen insgesamt eine durchschnittliche Klassengröße von rund 28 Schülerinnen und Schülern auf, wogegen an Erweiterten Realschulen ERS im Durchschnitt 22 bis 23 Kinder in einer Klasse sind. Die Benachteiligung der Gesamtschulen im Hinblick auf die Klassengröße verstärkt sich auch infolge der „Abbrecher" des achtjährigen Gymnasiums G8, welche die Chance an den Gesamtschulen nutzen wollen, um dort nach neun Jahren Abitur machen zu können. Im Zuge dessen sind die Aufnahmekapazitäten an den Gesamtschulen weitgehend erschöpft, so dass der Klassenteiler noch weiter überschritten wird bzw. vermehrt Schülerinnen und Schüler abgewiesen werden müssen.

Für weitere bildungspolitische Verwirrung, Befürchtungen und Protesten bei Eltern, Schülern und Lehrern sorgt gegenwärtig die Diskussion um die geplanten neuen Oberstufengymnasien. Der saarländische Ministerpräsident hat in verschiedenen Mitteilungsblättern und Anzeigen öffentlich landesweit betont, dass die Schülerinnen und Schüler der ERS und der Gesamtschulen schon nach der Stufe 10 an ein Gymnasium oder Oberstufengymnasium zur Erlangung des Abiturs wechseln sollen. Die schon lange bewährte Möglichkeit, an Gesamtschulen das neunjährige Abitur zu machen, findet in der groß angelegten Werbekampagne der CDU keine Erwähnung. Zur Vermeidung eines Attraktivitätsverlustes der bewährten Schulform Gesamtschule muss es jedoch vorrangiges Ziel sein, geplante neue Oberstufengymnasien und Kooperationen nicht zu Lasten der Gesamtschule zu installieren.

Vor diesem Hintergrund fordert der Landtag die Landesregierung u. a. auf:

· den Bestand und den Ausbau der gymnasialen Oberstufe an Gesamtschulen zu sichern sowie funktionierende Kooperationen mit Gesamtschulen zu erhalten bzw. zu ermöglichen;

· gemäß dem Elternwillen die Gesamtschulen insgesamt zu stärken und die Schaffung zusätzlicher Gesamtschulen auf den Weg zu bringen;

· sukzessive auch an Gesamtschulen die Absenkung des Klassenteilers auf 25 Schülerinnen und Schüler zur deutlichen Verbesserung der Schüler-LehrerRelation zuzulassen;

· den willentlich verbreiterten Abstand zwischen Gymnasium und anderen Schularten zu verringern sowie die Durchlässigkeit zu erhöhen, um den Weg zu einer gemeinsamen Schule für alle wieder begehbar zu machen.