Schwerpunktsetzung an der Universität des Saarlandes

Vorbemerkung des Fragestellers: „In seiner Grundsatzrede zur saarländischen Hochschulpolitik hat der Bildungsminister Jürgen Schreier Folgendes erklärt: Keine Hochschule kann auf allen Wissenschaftsgebieten exzellent sein, und alle Hochschulen auf allen Gebieten exzellent zu machen, kann sich kein Land leisten.

Schwerpunktbildung muss sicherlich die Tradition einer Hochschule im Blick behalten, sie muss sich aber in erster Linie ausrichten an den vorhandenen Kompetenzen und deren Ausbau sowie auf die Nachfrage nach Forschungs- und Ausbildungsergebnissen von außen. "

Welche Schwerpunkte sind nach 1999 an der Universität des Saarlandes eingeführt worden?

Zu Frage 1: Der Universitätsentwicklungsplan 2003 ­ 2007 weist mit der Europa-Orientierung, den Informatikwissenschaften sowie den Nano- und Biowissenschaften die drei profilbildenden Schwerpunkte der Universität des Saarlandes aus.

Die Fokussierung auf diese Schwerpunkte ist das Ergebnis eines Prozesses, dessen Verlauf durch die zeitliche Abfolge der Entwicklungspläne der Universität des Saarlandes dokumentiert ist.

Die Europa-Orientierung in Lehre und Forschung gehört seit ihrer Gründung zum Profil der Universität des Saarlandes. Im November 1950 proklamierte der Rektor Professor Angelloz die Universität des Saarlandes zur „Europäischen Universität" und bereits 1951 wurde ein „Europa-Institut" gegründet, welches „Krone und Symbol der gesamten Universität" sein soll. Obwohl sich die Ausbildungs- und Forschungskonzeption des Europa-Instituts seitdem mehrfach geändert hat, ist seine besondere Aufgabenstellung im Rahmen der Hochschule bis heute von hoher Bedeutung.

Der Schwerpunkt „Europa" war und ist jedoch nicht auf das Europa-Institut beschränkt.

Vielmehr ist „Europa" der geistige, geographische und institutionelle Bezugspunkt einer Reihe in der Universität vertretener Wissenschaften. Die Europakompetenzen aller Fakultäten sind unter vergleichenden und übergreifenden Fragestellungen vernetzt. Über das Europa-Institut hinaus sind zu nennen das Centre Juridique FrancoAllemand, das Frankreichzentrum, das Graduiertenkolleg Interkulturelle Kommunikation in kulturwissenschaftlicher Perspektive, der Forschungsschwerpunkt Grenzregionen und Interferenzräume sowie die Studiengänge Historisch orientierte Kulturwissenschaften, Französische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation, Grenzüberschreitende deutsch-französische Studien.

Die Informatikwissenschaften bilden einen weiteren Schwerpunkt mit hoher internationaler Sichtbarkeit. In der Universität des Saarlandes beschäftigen sich ca. 30 Professuren mit Themen aus der Informatik. Diese Professuren werden ergänzt durch die vorbildlich organisierte Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, dem Institut für Wirtschaftsinformatik, dem Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik und dem Max Planck-Institut für Informatik. Die exzellente Vernetzung soll auch mit dem in Gründung befindlichen Max Planck-Institut für Softwaresysteme aufgebaut werden. Das Zentrum für Bioinformatik der Universität des Saarlandes arbeitet an der Entwicklung eines Virtuellen Biolabors zur Modellierung und Simulation biochemischer Reaktionen und Prozesse, insbesondere der Medikamentenentwicklung.

Ein wichtiges Thema, welches das Profil der Saarbrücker Informatik prägt, sind die Forschungen zur Künstlichen Intelligenz sowie die Arbeiten zur Mensch-MaschineKommunikation, die im Zusammenwirken mit anderen Disziplinen wie etwa der Kognitiven Psychologie, den Sprachwissenschaften und der Philosophie durchgeführt werden. Weitere, stärker in der Kerninformatik verankerte Forschungsakzente liegen in den Bereichen Visual Computing, Rechnerarchitektur sowie Verifikation und Sicherheit.

Der dritte Schwerpunkt „Nano- und Biowissenschaften" wurde von der Universität des Saarlandes ausgehend von exzellenten Arbeitsgruppen in den Materialwissenschaften und der Werkstoffforschung sowie in der Molekularbiologie und Molekularen Medizin insbesondere seit dem Jahr 1999 konsequent aufgebaut. Die medizinischen, naturwissenschaftlich-technischen und philosophischen Fakultäten der Universität des Saarlandes kooperieren hier sehr eng. Als Beispiele können das Zentrum für Human- und Molekularbiologie und der Arbeitskreis für funktionelle Bildgebung genannt werden.

Die universitären Arbeitsgruppen wirken in Planung und Durchführung eng mit den Fraunhofer-Instituten für zerstörungsfreie Prüfverfahren (IzfP) und für Biomedizinische Technik (IBMT) zusammen. Vier Graduiertenkollegs, zwei Sonderforschungsbereiche und die Stiftungsprofessur für Pharmazeutische Biotechnologie belegen die Leistungsstärke dieses Schwerpunktes.

Auf welcher Grundlage und nach welchen Entscheidungskriterien, wie z. B. Studentenzahlen oder Wirtschaftlichkeit, wurden diese Schwerpunkte eingerichtet?

Zu Frage 2: Die materielle Grundlage für die erfolgreiche Schwerpunktbildung ist das breit angelegte Fächerspektrum der Universität des Saarlandes.

Die Auswahl der Schwerpunktbereiche aus dem breiten Fächerangebot setzt jeweils dort an, wo qualitativ überdurchschnittliche Leistungen erbracht werden. Gleichzeitig ist eine Mindestgröße („kritische Masse") notwendig, wenn ein Schwerpunkt internationale Sichtbarkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit erreichen soll. Deshalb eignet sich nicht jeder wissenschaftlich exzellente Teilbereich als Nukleus für ein Schwerpunktgebiet, sondern in erster Linie diejenigen, bei denen die Chance für eine Vernetzung mit wissenschaftlich hochkarätigen Arbeitsgruppen aus den außeruniversitären Forschungseinrichtungen besteht. Die Universität unterstützt die Innovationsstrategie des Landes („Clusterbildung") und strebt vor allem in ihren Schwerpunktgebieten eine noch stärkere Kooperation und Vernetzung mit exzellenten Gruppen aus externen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft an.

Inwieweit hat eine Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Universität stattgefunden und welche Personenkreise wurden mit welchen Befugnissen in die Entscheidungsfindung einbezogen?

Zu Frage 3: Die Festsetzung von Schwerpunkten in Forschung und Lehre ist das Ergebnis der Universitätsentwicklungsplanung. Die Verfahrensregelungen ­ insbesondere die Mitwirkungsrechte ­ ergeben sich aus dem jeweils geltenden Universitätsgesetz. Im Zeitraum vom Juni 1999 ­ August 2004 galt das Universitätsgesetz vom 23. Juni 1999

(Amtsbl. S. 982), das in § 6 und § 7 das Zusammenwirken der Verfahrensbeteiligten regelt. Danach erstellt die Universitätsleitung mit Zustimmung des Universitätsrates und nach Anhörung des Senats den Universitätsentwicklungsplan unter besonderer Berücksichtigung eines regional abgestimmten Lehr- und Forschungsangebotes. Der Universitätsentwicklungsplan bedarf der Zustimmung des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft; er ist auf dessen Verlangen fortzuschreiben. Das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft kann mit der Universität Zielvereinbarungen u. a. über Schwerpunktsetzungen im Studienangebot und der Forschungskapazität schließen. Die Zielvereinbarung bedarf der Zustimmung des Universitätsrates sowie der Anhörung des Senats und ist zu veröffentlichen.

Der Universitätsentwicklungsplan 2003 ­ 2007 hat dem Senat am 24.04.2002 zur Anhörung vorgelegen, die Zustimmung des Universitätsrates erfolgte am 11.10.2002 und die Zustimmung des Ministeriums am 13.11.2002.

Die Zielvereinbarung zwischen der Universität des Saarlandes und dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft wurde am 04.07.2003 unterzeichnet, nach dem der Senat vorher am 16.06.2003 angehört wurde und der Universitätsrat am 23.06. zugestimmt hatte.