Vorsorge

In welchem Umfang sind nach Einschätzung der Landesregierung weitere Untersuchungen erforderlich und geplant, um besonders exponierte Gebiete und Einzelstandorte ausfindig zu machen?

Zu Frage 5: Die Karte über die Bodenluftkonzentrationen, die im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erstellt wurde, ist für das Saarland weitgehend vollständig. Insoweit sind nach Einschätzung der Landesregierung keine weiteren amtlichen Untersuchungen zur Ermittlung von Regionen mit erhöhten Radonkonzentrationen geboten.

Gibt es Planungen der Landesregierung, auch in den Regionen, die bei den Messungen in den Jahren 2001 bis 2003 nicht berücksichtigt worden sind, die Radon-Konzentration festzustellen?

Wenn ja: Wann sollen diese Untersuchungen beginnen? Welchen Zeitraum sollen sie in Anspruch nehmen?

Wenn nein: Aus welchen Gründen sollen solche Untersuchungen unterbleiben?

Zu Frage 6: Es liegen ausreichend Messungen vor, um die Radonsituation im Saarland großräumig abschätzen zu können. Neben den Messungen aus den Jahren 2001 bis 2003 liegen auch Messungen aus anderen Regionen vor. Hier sei insbesondere auf die Messungen in der Gemeinde Schiffweiler aus dem Jahr 1996 verwiesen. Weitere Messungen durch die Landesregierung würden keinen zusätzlichen Nutzen für die Bürger erbringen. Denn die Messergebnisse belegen, dass man aufgrund stichprobenartiger Messungen keine detaillierten Aussagen über die Radonkonzentration in einzelnen Häusern machen kann. Um die Radonkonzentration in einem bestimmten Haus zu ermitteln, muss in diesem Haus die Konzentration gemessen werden. Die Kosten solcher Einzelmessungen in Höhe von ca. 40 liegen in einem Bereich, der von den jeweiligen Hauseigentümern getragen werden kann.

Ist der Landesregierung die Anzahl der Erkrankungen und Todesfälle bekannt, die im Saarland jährlich durch die Strahlenexposition des Edelgases Radon verursacht werden? Wenn ja:

Um welche Erkrankungen handelt es sich hierbei?

Welche Personengruppen sind dabei besonders betroffen?

Zu Frage 7: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kann eine deutlich erhöhte Radonbelastung zu Schädigungen der Lunge, insbesondere zur Bildung von Bronchialkarzinomen führen.

Da diese Erkrankungen jedoch auch durch verschiedene andere Ursachen hervorgerufen werden können, ließen sich Kausalzusammenhänge zwischen Radonbelastungen und Erkrankungen der Lunge zahlenmäßig verlässlich nur gewinnen, wenn die Radonbelastung der Patienten im Einzelfall bekannt wäre. Dies ist jedoch aufgrund der Besonderheit, dass auch breit angelegte Stichprobenmessungen keinen sicheren Schluss auf die Radonbelastung im konkreten Einzelfall erlauben, nicht der Fall. Aus diesem Grund lassen auch die gemeindebezogenen Auswertungen des saarländischen Krebsregisters zu Neuerkrankungen und Todesfällen durch Lungenkrebs keine verlässlichen Rückschlüsse auf radonbedingte Erkrankungen zu. Die ungefähre Größenordnung der radonbedingten Gesundheitsschäden lässt sich anhand einer landesweiten Abschätzung einordnen, die die Universität des Saarlandes vorgenommen hat. Danach soll Radonbelastungen ein Anteil von etwa 8 % des gesamten saarländischen Lungenkrebsgeschehens zuzuordnen sein.

Besonders betroffen von erhöhten Radonkonzentrationen sind Menschen, die sich überdurchschnittlich lange in hoch belasteten Gebäuden, insbesondere in schlecht gelüfteten Kellerräumen aufhalten. Auch sind Raucher in erhöhtem Maße für radonbedingte Lungenerkrankungen anfällig.

Plant die Landesregierung derzeit oder zukünftig konkrete Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass in Aufenthaltsräumen der Wert von 100 Bq/m sicher unterschritten wird? Wenn ja: Um welche Maßnahmen handelt es sich hierbei?

Zu Frage 8: Aufgrund der nur eingeschränkten Aussagekraft von flächendeckenden Stichprobenmessungen für die eventuelle Belastung von Einzelstandorten können staatliche Messungen die eigenverantwortliche Vorsorge des Bürgers nicht ersetzen. Die saarländische Landesregierung flankiert und unterstützt diese eigenverantwortliche Vorsorge jedoch, indem sie über die Risiken erhöhter Radon-Belastungen aufklärt und über mögliche Abhilfemaßnahmen informiert. Zu diesem Zweck hat das Ministerium für Umwelt auf einer eigenen Internet-Seite entsprechende Informationen zusammengestellt, die regelmäßig an den aktuellen Kenntnisstand angepasst werden.

Darüber hinausgehend beteiligt sich die saarländische Landesregierung auf Bundesebene an der aktuellen Diskussion zu der Frage, ob es einer Regelung verbindlicher Grenzwerte für Radon-Konzentrationen bedarf. Die Bauminister der Länder haben den Entwurf einer Richtlinie erarbeitet, die den Stand der Technik beim Schutz vor Radon dokumentieren soll. Dieser Entwurf wurde im Hinblick auf einen sodann durch das Bundesumweltministerium vorgelegten Gesetzentwurf zunächst zurückgestellt. Ob der Richtlinienentwurf aufgrund eines über den Gesetzentwurf hinausgehenden Geltungsbereichs wieder aufgegriffen wird, ist noch nicht abschließend entschieden. Bis zum Abschluss der Beratungen dieser beiden Initiativen sieht die saarländische Landesregierung keine Notwendigkeit, im Wege eines rein landesspezifischen Ansatzes weitergehende Maßnahmen zu ergreifen, zumal im Saarland extrem erhöhte Radonkonzentrationen nicht zu erwarten sind (vgl. Antwort zu Frage 1).

Welche Aktivitäten und Befunde zur Erfassung und Lösung des Radonproblems sind der Landesregierung aus den anderen Bundesländern bekannt?

Zu Frage 9: Nach den der Landesregierung vorliegenden Informationen befürworten alle anderen Länder die Eigenverantwortung des Bürgers in Fragen der Radonkonzentration in den Häusern. Sie haben je nach Betroffenheit ebenso wie das Saarland Informationsbroschüren und insbesondere auch Internetpräsentationen veröffentlicht.

In welchem Umfang sind nach Auffassung der Landesregierung öffentliche Mittel für die Förderung von Vorsorge- und Sanierungsmaßnahmen erforderlich?

Zu Frage 10: Nach Auffassung der Landesregierung sind über Mittel für die Information der Bevölkerung hinaus keine öffentliche Mittel für die Förderung von Maßnahmen erforderlich.

Sowohl die Kosten für die Messung der Radonkonzentration als auch die Kosten zur Radonvorsorge und -sanierung bewegen sich in einem für Hausbesitzer vertretbaren Rahmen. Das Bundesumweltministerium schätzt, dass pro Haus mit Kosten von ca. 70 für zwei Einzelmessungen zu rechnen ist. Für radonreduzierende Maßnahmen bei der Errichtung von Häusern geht das Bundesumweltministerium je nach Radonkonzentration in der Bodenluft von ca. 0 bis 2.000 pro Haus (100 m

Grundfläche) und für die Sanierung ebenfalls im Bereich bis 2.000 aus.