Drogensituation im Saarland

Vorbemerkung der Fragestellerin: „Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) veröffentlichte am 12. Januar 2005 ihr Jahrbuch SUCHT 2005. Daraus geht hervor, dass der Einstieg in die Sucht immer früher erfolgt, da mehr und mehr Kinder mit dem Konsum von Suchtmitteln beginnen. Deutschland belegt beim Alkoholkonsum weiterhin einen europäischen Spitzenrang. Im Saarland wurden in den ersten Tagen des Jahres 2005 bereits zwei Drogentote registriert."

Vorbemerkung der Landesregierung:

Die Beantwortung bezieht sich entsprechend der Fragestellung weitgehend auf den Bereich der illegalen Rauschmittel. Die saarländische Landesregierung weist darauf hin, dass sich die vom Umfang her weitaus größere und gesamtgesellschaftlich beunruhigendere Problematik durch den frühen Einstieg von Kindern und Jugendlichen in und über den Konsum der legalen Suchtmittel und des nichtstofflichen Suchtverhaltens (insbesondere die verschiedenen Spielformen unter Nutzung des Computers und des Internets) ergibt.

Die Problematik des Sucht- und Rauschmittelmissbrauchs und der sich daraus entwickelnden Erkrankungen muss daher aus Sicht der Landesregierung im Zusammenhang mit der Entwicklung des Konsums der legalen Substanzen in praktisch allen Industrieländern, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, gesehen werden. Über die Bedingungen der Entstehung und Aufrechterhaltung der genannten Entwicklung sagen die Zahlen über den Konsum illegaler Drogen daher nur beschränkt etwas aus.

Wie viele Menschen gelten im Saarland als Konsumenten von illegalen Drogen (bitte aufschlüsseln nach Wirkstoff, Alter und Geschlecht)? Wie viele gelten als körperlich bzw. psychisch abhängig von illegalen Drogen?

Zu Frage 1: Die Anzahl der Konsumenten von illegalen Rauschmitteln kann im Saarland aufgrund der vorliegenden Bundesstatistiken nur geschätzt werden. Saarlandspezifische Daten liegen nicht vor. Daher wurden die Bundeszahlen anhand der Bevölkerungszahlen im Saarland statistisch heruntergerechnet. Regionale Unterschiede innerhalb des Bundesgebietes konnten daher nicht berücksichtigt werden. Für Konsumenten unter 18 Jahren wird seit 1995 in 30 europäischen Ländern im Abstand von 4 Jahren eine „Schülerbefragung zu Alkohol und anderen Drogen" (ESPAD) durchgeführt. Im Jahr 2003 beteiligten sich mehr als 40 Länder, darunter erstmalig auch Deutschland. Erwachsene: Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge.

Das heißt:

- etwa 1/4 der Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren hat (zumindest eine) Erfahrung mit Cannabis angegeben;

- die Anzahl der jungen Erwachsenen (18 ­ 24 Jahre) mit (zumindest einer) Erfahrung mit Cannabis liegt bei über 40 %; immerhin noch die Hälfte davon hat Cannabiskonsum in den letzten 12 Monaten angegeben. Ausgehend von der Erhebung in der ESPAD-Studie hat der größte Teil der Jugendlichen seine ersten Erfahrungen mit Cannabis im Alter von 14 Jahren gemacht. In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich ein Probierkonsum über etwa 6 Monate erstrecken kann (s. a. nächsten Absatz).

Daraus kann man schließen, dass ein Großteil derjenigen, die Cannabiskonsum in den letzten 12 Monaten angegeben haben, mehr oder weniger regelmäßig konsumierten.

1 Bundesstudie 2003, Drogen- u. Suchtbericht der Bundesregierung, erschienen April 2004; 2 Kraus et al, IFT 2003; Die Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) 3 Die jeweils angegebenen „Anzahl" der Personen wurde auf Basis der Bevölkerungsstatistik des Saarländischen Statistischen Landesamtes für 2003 (Durchschnittliche Bevölkerungszahl nach Alter und Geschlecht) mit dem Prozentsätzen der deutschen Studien errechnet:

Der Anteil der Jugendlichen mit Drogenerfahrung in den letzten 12 Monaten lag also bei etwa 26 %, der aktuelle Drogenkonsum (in den letzten 30 Tagen) lag bei rund 15 %. Üblicherweise wird auch ein einmaliger Konsum als Probierkonsum angesehen. Praktiker aus der Suchtarbeit geben z. T. Probierphasen bis zu 6 Monaten an, was allerdings nichts über die Häufigkeit des Konsums aussagt.

Oft folgt nach der Probierphase der Ausstieg aus dem Konsum illegaler Substanzen, wobei in manchen Fällen weiterhin ein gelegentlicher Konsum (in aller Regel in der Peergruppe und zu bestimmten Gelegenheiten: ein besonderes Wochenende, eine Party) vorkommt. In einigen Fällen geht der Probierkonsum in einen in etwa regelmäßigen oder gar häufigen Konsum über, auf den die 30-Tage Prävalenz (Häufigkeit des Auftretens in den letzten 30 Tagen) hindeutet.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der Drogenerfahrung scheinen sich auszugleichen. Hinsichtlich des Konsums verschiedener illegaler Substanzen nach Geschlecht konsumieren männliche Jugendliche etwas häufiger Cannabis als Mädchen (27,6 % gegenüber 21,5 %; 12-Monatsprävalenz), während Amphetamine tendenziell häufiger von Mädchen konsumiert werden (3,5 % gegenüber 3,2 % bei Jungen).