Integration

Analphabeten sind heute mehr denn je von beruflichen Arbeitsmöglichkeiten und von der Teilhabe am öffentlichen, auch am politischen Leben, ausgeschlossen und entwickeln meist Strategien, um ihre Defizite zu verbergen.

Ziel der Landesregierung ist es, einerseits das Entstehen von Analphabetismus bereits in Kindergarten und Schule zu verhindern. Andererseits soll erwachsenen Analphabeten ein ausreichendes Kursangebot zur Verfügung stehen, um diese zu motivieren, Alphabetisierungskurse aufzusuchen.

Es liegt keine Untersuchung zum Stand der Alphabetisierung außer der eingangs erwähnten OECD-Vergleichsstudie IALS vor, und damit auch keine, die Unterschiede der Alphabetisierung in den einzelnen Bundesländern ausweist. Vergleiche werden allenfalls über das Angebot an Alphabetisierungskursen der Volkshochschulen in den Bundesländern angestellt.

Diese Statistik bezieht sich ausschließlich auf Maßnahmen, die von Volkshochschulen angeboten werden. Im Saarland bieten jedoch auch andere Träger Alphabetisierungskurse an.

Auf Grundlage der vorgenannten Untersuchung sowie der Erfahrungen der Anbieter von Alphabetisierungskursen kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei Analphabeten im Saarland wie in Deutschland überhaupt im Wesentlichen um funktionale Analphabeten handelt und dort überwiegend um Deutsche ohne Schulabschluss oder Migrantinnen und Migranten mit entsprechenden fehlenden schulischen Voraussetzungen. Die Hauptaltersgruppe der Teilnehmenden an Alphabetisierungskursen liegt zwischen 30 und 45 Jahren.

Der Grad der Alphabetisierung unserer Gesellschaft hängt mithin wesentlich davon ab, inwieweit einerseits die schulische Grundbildung, andererseits die Integration von Migrantinnen und Migranten erfolgreich verlaufen ist. In diesem Zusammenhang führte die OECD-Studie PISA aus dem Jahr 2000 zu wichtigen Hinweisen hinsichtlich des Leseverständnisses 15-jähriger Schülerinnen und Schüler. Der Studie folgte die Einführung eines breiten Instrumentariums qualitätssichernder Maßnahmen an den Schulen des Saarlandes, begleitet von entsprechenden Maßnahmen im Lernumfeld.

Weitere Erfahrungen sind diversen Veröffentlichungen zu entnehmen (z.B. Marion Döbert, Peter Hubertus: Ihr Kreuz ist die Schrift, Analphabetismus und Alphabetisierung in Deutschland, Stuttgart 2000) und über die Homepage des Bundesverbandes Alphabetisierung e.V. (http://www.alphabetisierung.de).

Siehe: Alphabetisierung in Deutschland. Kursangebote der Volkshochschulen im Jahr 2003, zusammengestellt von Peter Hubertus, Bundesverband Alphabetisierung e.V. (November 2004)

Inwieweit hat die Landesregierung Konzepte entwickelt, um dem vorhandenen Analphabetismus im Saarland entgegenzutreten bzw. schon frühzeitig präventiv einzuwirken?

Ist die Landesregierung Kooperationen eingegangen, um der Problematik Analphabetisierung entgegenzuwirken und wenn ja, welche; wenn nein, warum nicht?

Wie viele Service-Einrichtungen, also Einrichtungen, die Serviceleistungen wie Beratung von Institutionen, Fortbildung, Konzeptionen und Publikationen anbieten, gibt es im Saarland und hält die Landesregierung diese Anzahl für ausreichend?

Wie viele Beratungsstellen gibt es im Saarland für Analphabeten und welche sind diese?

Von wie vielen saarländischen Weiterbildungsanbietern werden Alphabetisierungskurse angeboten und hält die Landesregierung diese Anzahl für ausreichend?

Wie viele Betroffene haben sich in den letzten zehn Jahren bei diesen Weiterbildungseinrichtungen angemeldet (bitte aufgeschlüsselt nach Jahr, Alter, Geschlecht und Nationalität)?

Zu den Fragen 3 - 8:

Die Landesregierung unterstützt und fördert ein differenziertes Instrumentarium zur Alphabetisierung.

Es gliedert sich in

1. Regelförderung zur Alphabetisierung

2. Modellmaßnahmen zur Alphabetisierung

3. Alphabetisierung im Rahmen von Integrationskursen

4. Auftragsmaßnahmen und informelle Hilfen

5. Akquise

6. Vorbereitende Maßnahmen

1. Regelförderung zur Alphabetisierung Alphabetisierungsmaßnahmen werden indirekt über die Personalkostenzuschüsse nach dem Saarländischen Weiterbildungs- und Bildungsfreistellungsgesetz (SWBG) gefördert. Landesweit werden 62 pädagogische Kräfte in staatlich anerkannten Einrichtungen der allgemeinen und politischen Weiterbildung, zu deren Aufgabenbereich Maßnahmen der Grundbildung (Alphabetisierung und Vorbereitung auf schulische Abschlüsse) gehören, mit 60 % der Personalkosten bezuschusst.

Als eines von wenigen Bundesländern fördert das Land in diesem Rahmen seit 1987 eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für Alphabetisierung bei der Volkshochschule des Stadtverbandes Saarbrücken. Die Einrichtung verfügt über ein eigenes Zentrum für Alphabetisierung in der Saarbrücker Bahnhofstraße. Obwohl auch andere Einrichtungen Alphabetisierungskurse anbieten, wird dieses Zentrum gerne als Anlaufstelle aus dem ganzen Saarland aufgesucht, da es mehr Anonymität garantieren kann als die entsprechenden Angebote vor Ort. Die Größe der Einrichtung erlaubt zudem ein differenziertes Angebot auf verschiedenen Niveaustufen. Gleichwohl bieten alle anderen Anbieter von Alphabetisierungskursen auch Beratung an.

Darüber hinaus werden Alphabetisierungskurse der staatlich anerkannten Träger seit Mitte der 80er Jahre auch direkt über Sachmittelzuwendungen gefördert. Im Jahr 2003 wurden hierfür über Kapitel 06 25, Titel 684 65 (Zuwendungen an anerkannte Einrichtungen der Weiterbildung zur Durchführung von Vorbereitungskursen auf schulische Abschlüsse) rund 35.000 verausgabt. Die Mittel stehen bis heute unverändert zur Verfügung und werden entsprechend den nachgewiesenen Unterrichtsstunden auf die einzelnen Träger verteilt.

Eine Erhebung zu Angebot und Beteiligung an Alphabetisierungsmaßnahmen hinsichtlich Jahr, Alter, Geschlecht und Nationalität liegt aufgrund fehlenden gesetzlichen oder anderweitigen Auftrages nicht vor.

Das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft erhebt bei den staatlich anerkannten Einrichtungen der allgemeinen und politischen Weiterbildung die Zahl der Unterrichtstunden von Alphabetisierungskursen aufgrund der zuvor aufgezeigten Förderung. Die folgende Übersicht enthält alle Einrichtungen, deren Alphabetisierungskurse in den letzten fünf Jahren gemäß SWBG gefördert wurden.

4 Darunter zählen die Volkshochschulen, Einrichtungen der Katholischen und Evangelischen Erwachsenenbildung, die Landfrauen-Arbeitsgemeinschaft, Arbeit & Leben sowie die Europäische Akademie Otzenhausen.

5 Auch die aufgrund § 34 SWBG durchzuführende jährliche Erhebung des Statistischen Landesamtes zur Weiterbildung im Saarland gibt nur aggregierte Angaben über die Zahl der Kurse, Teilnehmenden und Unterrichtstunden für den Themenbereich „Grundbildung, Schulabschlüsse" wieder. Siehe im Internet unter www.weiterbildung.saarland.de.