Runden Tischs Hospiz

Die Empfehlung der Enquête-Kommission zur Etablierung eines „Runden Tischs" - mit dem Ziel der Vernetzung aller relevanten Gruppen der Palliativ- und Hospizversorgung auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene - ist im Saarland mit der Gründung des „Runden Tischs Hospiz" im Jahr 2000 bereits umgesetzt.

In welchem Umfang wird derzeit diese Thematik in den medizinischen und pflegerischen Ausbildungen behandelt und inwieweit plant die Landesregierung Veränderungen in diesem Bereich?

Zu Frage 5: In der ärztlichen Ausbildung sind „Schmerzbehandlung und Palliativmedizin" nunmehr Gegenstand des Prüfungsstoffs für den zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung; dies verpflichtet die Hochschulen, entsprechende Fächer auch zu lehren. Geschichte, Theorie, Ethik in der Medizin

2. Medizin des Alterns und des alten Menschen:

Daneben wird in der Pädiatrie das Wahlfach "Kinderonkologie" angeboten, in dem der Umgang mit schwer kranken und sterbenden Kindern im Mittelpunkt steht.

Die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege erfolgt nach der Novellierung des Krankenpflegegesetzes aus 2003 nicht mehr fächerbezogen, sondern handlungsund themenorientiert. Dabei wird von einem ganzheitlichen Unterricht ausgegangen, der sich an speziellen Pflegesituationen bei Menschen orientiert. Entsprechend ist auch das Thema „Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen" in den verschiedenen Themenbereichen enthalten, so zum Beispiel im Themenbereich 1: "Die Pflegesituation schwer kranker und sterbender Menschen aller Altersgruppen erkennen, erfassen und bewerten"; im Themenbereich 2: „Pflege in der Endphase des Lebens", im Themenbereich 3: „Pflegebedürftige aller Altersgruppen bei der Bewältigung vital oder existentiell bedrohlicher Situationen zu unterstützen und Angehörige und Bezugspersonen zu beraten, anzuleiten und in das Pflegehandeln zu integrieren".

Auch in den übrigen insgesamt 12 Themenbereichen ist die Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen entsprechend dem jeweiligen Thema integriert. Insgesamt sind für die Kenntnisse der pflegerischen Versorgung von den 2.100 Stunden 950 Stunden vorgesehen, eine Differenzierung auf einzelne Fächer und Stunden ist dabei weder möglich noch erwünscht.

Veränderungen in diesem Bereich sind aus Sicht der Landesregierung nicht notwendig, da die Ausbildungscurricula quantitativ und qualitativ entsprechende Inhalte vorsehen, die auch in den Schulen umgesetzt werden. So werden in fast allen Schulen zusätzlich zum normalen Angebot eigene Seminare durchgeführt, die sich speziell mit der Thematik der Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen befassen.

Die von den Krankenhäusern angebotenen Fortbildungen zur Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden sowie zur Schmerztherapie werden in der Regel allen Beschäftigten des Krankenhauses angeboten, die mit entsprechenden Patientinnen und Patienten zu tun haben. Darüber hinaus macht das neue Saarländische Krankenhausgesetz konkrete Vorgaben zur Betreuung von sterbenden Patientinnen und Patienten. § 6 Abs. 5 SKHG lautet wie folgt: „Sterbende Patientinnen und Patienten haben in besonderem Maß Anspruch auf eine ihrer Würde entsprechende Behandlung und Unterbringung. Auf die Bedürfnisse dieser Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen nach Ruhe, menschlicher Nähe und Seelsorge hat das Krankenhaus Rücksicht zu nehmen. Sofern Sterbende und deren Angehörige wünschen, dass Behandlung und Pflege zu Hause durchgeführt werden, soll das Krankenhaus sie entlassen, wenn die notwendige Betreuung ausreichend gewährleistet ist. Die Würde der Patientinnen und Patienten ist auch über den Tod hinaus zu wahren. Hinterbliebene sollen angemessen Abschied nehmen können."

Wegen der in Zukunft vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung zunehmenden Bedeutung der Pflege älterer Menschen ist die Thematik im Rahmen der im Jahr 2002 auf Initiative der Landesregierung vorgenommenen Modernisierung der Altenpflege-Ausbildung ebenfalls hinreichend berücksichtigt.

Die Ausbildung in der Altenpflege legt insbesondere Wert auf die „umfassende Begleitung Sterbender". Innerhalb der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung sind die Bereiche „Pflege alter Menschen in existentiellen Krisensituationen", „Pflege schwerstkranker alter Menschen" und „Pflege sterbender alter Menschen" eingebettet in die personen- und situationsbezogene Pflege, die im Rahmen des insgesamt 2.100 Stunden umfassenden theoretischen und praktischen Unterrichts ein Stundenvolumen von insgesamt 720 Stunden vorschreibt.

Daher wird im Saarland auch für den Bereich der Altenpflege kein weiterer Veränderungsbedarf gesehen. Hier ist bereits im Jahr 2002 - im Vorgriff auf das Bundesaltenpflegegesetz - ein Curriculum für die Ausbildung in der Altenpflege entwickelt worden, das die Pflege schwer kranker, sterbender alter Menschen besonders berücksichtigt.

Im Saarland sind die Themenbereiche im schulischen Rahmenlehrplan für die Altenpflegeberufe im Saarland berücksichtigt und gehören im 3. Ausbildungsjahr zu den zentralen Lernfeldern:

1. Ausbildungsjahr: Lernfeld „Altern als Prozess" ­ „Altern als sozialer, gesundheitlicher und psychischer Veränderungsprozess" (insgesamt 200 Stunden)

2. Ausbildungsjahr: Lernfeld „Direkte Pflege alter Menschen" ­ „Pflege erkrankter alter Menschen" (insgesamt 200 Stunden)

3. Ausbildungsjahr Lernfeld „Spezielle Pflege psychisch veränderter und kranker Menschen", hier: „Pflege alter Menschen mit Krebserkrankungen" (insgesamt 320 Stunden), Lernfeld „Unterstützung in psychischen und physischen Grenzsituationen", hier: „Anlässe, Möglichkeiten und Verfahren der psychischen Unterstützung Leidender", „Situationen, Orte, Begleitung und Probleme des Sterbens", „Gesellschaftlicher, individueller und beruflicher Umgang mit dem Tod", „Kulturelle Traditionen, individuelle Muster und soziale Räume der Trauer" (insgesamt 160 Stunden).

Im praktischen Rahmenlehrplan sind im 3. Ausbildungsjahr die Themen „Maßnahmen in der speziellen Pflege" und die „Begleitung Sterbender" mit jeweils 320 Stunden vorgesehen.

Hat die Landesregierung einen Überblick darüber, in welchen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen den Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen Angebote der Fort- und Weiterbildung über die Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden sowie über Schmerztherapie gemacht werden? Durch welche Maßnahmen plant die Landesregierung solche Angebote auszuweiten?

Zu Frage 6: Es gehört zu den gesetzlichen Aufgaben der Ärztekammer des Saarlandes, die ärztliche Fortbildung zu fördern und die ärztliche Weiterbildung zu regeln.

Die Ärztekammer führt in lockerer Folge auch Fortbildungsveranstaltungen zu den Themenkomplexen „Palliativmedizin" und „Schmerztherapie" durch. So fand im Dezember 2001 ein Klinisches Wochenende zum Thema „Verbesserung der Lebensqualität als therapeutisches Ziel des Arztes am Beispiel der Palliativmedizin und des Hospizes" und im Juli 2002 eine Diskussionsveranstaltung über die Möglichkeiten der Förderung der Palliativmedizin unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin statt. Unter der Leitung von Herrn Dr. Wördehoff (St. Michael-Krankenhaus Völklingen) und Frau Dr. Blatt-Bodewig (Caritaskrankenhaus Saarbrücken) fanden 2003 und 2004 insgesamt vier „Grundkurse Palliativmedizin" über jeweils 40 Stunden statt, die von der Ärztekammer des Saarlandes gemeinsam mit der Kassenärztliche Vereinigung Saarland (KVS) organisiert wurden. Aufbauend auf diesen Grundkursen ist für das kommende Jahr unter derselben Leitung und mit denselben Veranstaltern ein „Aufbaukurs Palliativmedizin" mit insgesamt 120 Stunden Fallbesprechungen vorgesehen.

Im Bereich der Schmerztherapie führt die Ärztekammer des Saarlandes 12-mal im Jahr die sog. „Saarländische Schmerzkonferenz" durch; ergänzend wird von der Anästhesiologischen Universitätsklinik des Saarlandes (Prof. Dr. Larsen) ebenfalls 12-mal pro Jahr eine Schmerzkonferenz angeboten.

Mit In-Kraft-Treten der novellierten Weiterbildungsordnung für die Ärztinnen und Ärzte des Saarlandes im April 2005 wurde eine Zusatzweiterbildung „Palliativmedizin" eingeführt und deren Weiterbildungsvoraussetzungen und ­inhalte geregelt.