Gesundheitsförderung und Entwicklungsförderung in Kindergärten werden in vielfacher Weise geleistet

(13/1047) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 13 Die Neuorganisation der Früherkennung und Frühförderung von behinderten Kindern nach § 30 SGB IX in Verbindung mit § 56 SGB IX sieht einen ganzheitlichen Förderansatz vor: Die Förderung wird in integrierten Frühförderstellen bzw. im sozialpädiatrischen Zentrum durchgeführt. Eine diesbezügliche Rahmenvereinbarung mit den Trägern der Frühförderstellen und dem sozialpädiatrischen Zentrum wurde im April 2006 verabschiedet.

Das Saarland wird auch ein vorgeschaltetes niedrigschwelliges Beratungsangebot an den integrierten Frühförderstellen finanzieren, das Familien mit behinderten oder von Behinderung bedrohten Kinder zum frühestmöglichen Zeitpunkt Hilfestellungen aufzeigen und vermitteln soll.

Gesundheitsförderung und Entwicklungsförderung in Kindergärten werden in vielfacher Weise geleistet. Zur Förderung der Sprachentwicklung werden seit 2003 Fortbildungsmaßnahmen für alle Erzieherinnen und Erzieher regional durch die jugendärztlichen Dienste der Gesundheitsämter und durch die Sprachheilbeauftragten angeboten, um die Sprachförderung im Kindergartenalltag zu intensivieren. In diesem Kontext wurde eine CD mit wesentlichen Fortbildungsinhalten zu Sprachentwicklung, Sprachüberprüfung und Sprachförderung an allen Kindergärten ausgegeben (s. dazu auch Initiativen MBKW). Gezielte Sprachförderprogramme werden Kindern im Jahr vor der Einschulung in einer Reihe von Kindergärten angeboten (MBKW). Informationsveranstaltungen zu Impfungen und Infektionskrankheiten, zu Entwicklungsförderung, zu Bewegung, gesunder Ernährung etc. führen die Gesundheitsämter im Rahmen von Elternveranstaltungen und Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher kontinuierlich durch.

Um die Verpflegung in Kindergärten und Schulen hinsichtlich Qualität und altersgerechten Angeboten zu verbessern, wurden neben Informationsmaterial, Fortbildungen für Caterer, Kioskbetreiber und Schulleitungen vom Ministerium für Justiz, Gesundheit und Soziales in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angeboten. Im Hinblick auf die zunehmende Zahl von ganztägiger Betreuung in Kindergärten und Schulen wird dies auch weiterhin ein wichtiger Part von Gesundheitsförderung sein.

Niedrigschwellige Sport- und Beratungsangebote zur Rehabilitation bei Übergewicht und Adipositas wurden 2006 an verschiedenen Sekundarschulen etabliert und sollen ggf. weiter ausgebaut werden.

Maßnahmen der Suchtprävention mit dem Ziel, Kinder stark zu machen, werden im Grund- und Sekundarschulbereich angeboten. Sie beinhalten auch spezielle Hilfsangebote zum Ausstieg aus Tabak- und Alkoholkonsum.

Systematische sozialpädiatrische Untersuchungen der Kinder finden im Kindergartenalter in sozialen Brennpunkten sowie für die ganze Alterskohorte der Schulanfänger statt. Weiterhin werden die Schülerinnen und Schüler der Sonderschulen in zweijährigem Rhythmus regelmäßig untersucht. Jährlich erfolgt ferner die Untersuchung einer 10 %-Stichprobe von Schülerinnen und Schülern der achten Klasse in allen Schulformen sowie aller Schülerinnen und Schüler des Hauptschulzweiges der Erweiterten Sekundarschulen. Die Ergebnisse werden jeweils genutzt, um individuelle Interventionen anzustoßen, aber auch, um Gesundheitsprobleme zu erkennen und individuelle und gruppenspezifische Maßnahmen einzuleiten (z. B.: Komplettierung des Impfschutzes, Abklärung von Sehschwäche, Hinweis auf fehlerhafte Sitzgelegenheiten).

Drucksache 13/1190 (13/1047) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 14 Die jahrelangen Bemühungen zur Verbesserung der Durchimpfungsraten bei Kindern und Jugendlichen durch Impfaufklärung in allen Kindergemeinschaftseinrichtungen und aktive Impfangebote zur Komplettierung des Impfschutzes, die durch die jährliche Datenerhebung auch überprüfbar sind, zeigen, dass das Saarland im Bundesvergleich sehr gute Durchimpfungsraten sowohl bei den Einschulkindern als auch bei den Jugendlichen vorweisen kann. Die Förderung der Landesregierung beträgt in diesem Bereich 20.000 bis 25.000 jährlich.

Die Prävention von Infektionskrankheiten beinhaltet auch Wissensvermittlung um sexuell übertragbare Krankheiten bei Jugendlichen. Zur Prävention von HIV und AIDS hat die Landesregierung in Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Saar eine CD herausgegeben, die als Unterrichtsmaterial verwendbar ist. Sexualmedizinische Beratung durch die jugendärztlichen Dienste der Gesundheitsämter soll verstärkt in den Sekundarschulen angeboten werden.

Gruppenprophylaktische Maßnahmen zur Verbesserung der Zahngesundheit werden in Kindergärten und Schulen seit 1992 konsequent in Kooperation mit den niedergelassenen Zahnärzten und Krankenkassen durch die Jugendzahnärztlichen Dienste der Gesundheitsämter durchgeführt. Auch hier zeigen die bundesweit durchgeführten Evaluationsstudien der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (zuletzt 2004), dass die saarländischen Maßnahmen national und international effektiv sind und die Altersgruppen der Sechs-, Neun- und Fünfzehnjährigen jeweils in der Spitzengruppe hinsichtlich Zahngesundheit vertreten sind. Im April 2007 soll eine einwöchige Kampagne in allen Kindergärten und Grundschulen auf die Bedeutung von gesunder Ernährung, Zahnpflege und regelmäßiger zahnärztlicher Untersuchung zur Gesunderhaltung der Zähne hinweisen.

Neben den individuellen Leistungen zur Förderung der Gesundheit werden auch Maßnahmen der institutionsbezogenen Hygiene durchgeführt. Dazu gehören die regelmäßigen Besichtigungen der sanitären Ausstattung, Beleuchtung, Belüftung, Raumtemperatur, Schulmöbel etc. Bei festgestellten Mängeln erfolgt eine Information des Schulleiters und Schulträgers.

In dem Bereich der Verhältnisprävention werden seitens des Saarlandes eine Reihe weiterer Überwachungen vorgenommen, beispielsweise die Überwachung der Trinkwasser- und der Lebensmittelqualität, einschließlich Untersuchungen zur Qualität von Babynahrung und von Muttermilch. Ergebnisse hierzu sind in den auch im Internet veröffentlichten Jahresberichten des Landesamtes für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz dargestellt.

Darüber hinaus hat die Landesregierung erst vor einigen Monaten die Fokussierung auf die Innenraumluftqualität und hier insbesondere die Feinstaub- und Kohlendioxidbelastung in Schulen angeregt. Ergebnisse hierzu stehen noch aus; erst nach deren Vorliegen kann über die Notwendigkeit zur Einleitung weiterer Maßnahmen befunden werden.

Im Bereich der Verhaltensprävention hat die Landesregierung zahlreiche Maßnahmen durchgeführt, exemplarisch ist die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Ernährung und Bewegung zu nennen. Einen Überblick über die in letzter Zeit durchgeführten Einzelmaßnahmen kann der Internet-Seite des Ministeriums für Justiz, Gesundheit und Soziales entnommen werden.

Drucksache 13/1190 (13/1047) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 15 Das Thema Lärmbekämpfung ist sowohl Teil der Verhaltens- als auch der Verhältnisprävention. Nachdem die kürzlich erfolgte Grundgesetzänderung zu einer alleinigen Zuständigkeit der Länder im Bereich des Freizeitlärms geführt hat, werden Notwendigkeit und Möglichkeiten zu länderbezogenen Maßnahmen zurzeit auch im Saarland geprüft.

Zu Stärkung der Selbsthilfe und der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt die Landesregierung die einschlägigen Organisationen Verbraucherzentrale, KISS und LAGS mit erheblichen finanziellen Beiträgen: so wurden im Jahr 2005 insgesamt ca. 405.044 aus Landesmitteln finanziert.

Maßnahmen der Gesundheitsförderung in der Schule:

Die wichtigsten Themenfelder der Gesundheitsförderung in der Schule sind:

1. Bewegungserziehung

2. Gesunde Ernährung

3. Förderung einer „gesunden Schule"

4. Sicherheitserziehung und Erste Hilfe

5. Sexualerziehung und Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten

6. Suchtprävention (Primärprävention) Gesundheitsförderung mit den Themenschwerpunkten Ernährung, Bewegungserziehung, Förderung einer „gesunden Schule", Sicherheitserziehung und erste Hilfe, Sexualerziehung und Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten, Suchtprävention (primär Prävention) ist aber auch Inhalt einiger Lehrpläne vor allem der Fächer Sachunterricht (Grundschule), Biologie bzw. Naturwissenschaften und Sport sowie im Wahlpflichtbereich an Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen. Darüber hinaus bieten auch die Fächer Arbeitslehre (Hauswirtschaft), Chemie und Religion inhaltliche Anknüpfungspunkte.

An vielen Schulen aller Schulformen finden über den Regelunterricht hinaus meist Projekttage, Projektwochen, Elternabende, pädagogische Tage oder langfristig angelegte Projekte zur Gesundheitserziehung statt. Auch eine nach gesundheitsfördernden Kriterien gestaltete umweltgerechte Schule trägt entscheidend zum Wohlbefinden bei.

Die Gesundheitsförderung ist darüber hinaus auch Bestandteil der in vielen Schulen bereits angelaufenen Prozesse der Schulprofilentwicklung.

Den Schulen stehen umfangreiche Informations- und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Vor allem die Materialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu den verschieden Themen sind hier zu nennen. Informationen und Hilfestellung erhalten die Lehrerinnen und Lehrer darüber hinaus bei der beim Landesinstitut für Pädagogik und Medien eingerichteten Beratungsstelle Gesundheitsförderung, bei den Gesundheitsämtern sowie bei Beratungsstellen öffentlicher und privater Träger (z.B. Suchtpräventionsstellen, Ernährungsberatung, Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. (LAGS)). Das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) bietet regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen zu den verschiedenen Themen an.