Sozialhilfe

(13/973) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 37 Welche technischen und pädagogischen Hilfsmittel stehen den Schulen im Saarland jeweils in den Jahren von 2000 bis 2005 für Jugendliche mit Behinderungen zur Verfügung und in welchem Umfang hat sich das Land dabei finanziell beteiligt?

Zu Frage 3: Technische Hilfsmittel:

Für die Jahre 2000 bis 2003 können bezüglich Hilfsmittelausstattung im Zusammenhang mit dem Schulbesuch keine näheren Angaben gemacht werden, da solche Daten dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft in der Regel nicht mitgeteilt werden.

Für die Zeit von Januar 2004 bis Dezember 2005 kann die Frage wie folgt beantwortet werden:

Für den Besuch von Schulen für Behinderte erfolgte die Hilfsmittelausstattung durch öffentliche (Landkreise, Land) und private Schulträger im Rahmen des jeweiligen Etats.

Vom Landesamt für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz wurden auf Anfrage des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft die folgenden Angaben mitgeteilt:

Für den Besuch von Schulen der Regelform sind folgende Hilfsmittelausstattungen als Leistung der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen nach dem SGB XII erfolgt:

1. Versorgung einer hörbehinderten Schülerin mit einer FM-Anlage zum Besuch der FOS, Kosten 3.106,00, Bewilligung vom 14.04.2004.

2. Versorgung einer blinden Schülerin mit einem Blindenzeichenbrett zum Besuch des Gymnasiums, Kosten 286,15, Bewilligung vom 19.11.2004; in diesem Fall ist im Jahre 2003 auch eine Hilfsmittelausstattung in größerem Umfang erfolgt; die Kosten hierfür konnten vom Landesamt „auf die Schnelle" nicht recherchiert werden.

3. Eine sehbehinderte Schülerin ist mit einer Tafelkamera zum Besuch der FOS versorgt worden, Kosten 2.133,00, Bewilligung 18.04.2005.

4. Versorgung eines sehbehinderten Schülers mit einem Kamera-Lese-System mit Laptop zum Besuch der Handelsschule, Kosten 5.693,17, Bewilligung 12.10.2005.

Generell ist es Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen, behinderte Schülerinnen und Schüler mit den Hilfsmitteln zu versorgen, deren sie zur Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht bedürfen. Wird die Schule über die allgemeine Schulpflicht hinaus besucht, ist die Zuständigkeit des Sozialhilfeträgers gegeben.

Pädagogische Hilfsmittel:

Unter pädagogischen Hilfsmitteln wird ein vielfältiges Repertoire an Methoden sowie Lehr- und Lernmitteln verstanden, die dazu dienen, Inhalte zu vermitteln bzw. Prozesse in Gang zu setzen. Eine Aufzählung würde auch den Rahmen einer großen Anfrage sprengen.

Drucksache 13/1506 (13/973) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 38 Welche Ziele verfolgt die Landesregierung und welche Maßnahmen hat sie bei der Förderung benachteiligter Jugendlicher seit 2000 ergriffen?

Zu Frage 4: Damit an der Nahtstelle zwischen Schule und Arbeitswelt sowie zwischen allgemeinbildender Schule und berufsbildender Schule keine Brüche entstehen, werden in allen Schulen für Behinderte mit Ausnahme der Schulen für Geistigbehinderte

- berufsbezogene Themen im fächerübergreifenden Unterricht ab Klasse 7 behandelt,

- gehen die Schülerinnen und Schüler schon ab der 8. Klasse in Betriebe und lernen in 14-tägigen Praktika die Welt der Arbeit kennen

- und unterstützen Berufsberaterinnen und Berufsberater im 9. Schuljahr gemeinsam mit den Lehrkräften die Schüler bei der wichtigen Entscheidung "Berufswahl".

Zur Unterstützung des Berufswahlunterrichts in Schulen für Lernbehinderte sowie von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf im Bereich Lernen in anderen Schulen für Behinderte und in Schulen der Regelform dient ein Unterrichtswerk, das vom (damaligen) Landesarbeitsamt Rheinlandpfalz/Saarland gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft entwickelt wurde: "Berufswahlvorbereitung für Schülerinnen und Schüler mit Lernbeeinträchtigungen". Freiwilliges 10. Schuljahr an Schulen für Lernbehinderte

Ab dem Schuljahr 2001/2002 konnte das freiwillige 10. Schuljahr zum Erwerb des Hauptschulabschlusses eingerichtet werden, sofern an dem jeweiligen Standort mindestens 8 Schülerinnen und Schüler dafür angemeldet sind.

Zum Ende des Schuljahres 2005/2006 haben neben den 60 Schülern der Schulen für Sinnesbehinderte, für Körperbehinderte, für Erziehungshilfe und der Sprachheilschule auch 103 Schüler des freiwilligen 10. Schuljahres an Schulen für Lernbehinderte einen Hauptschulabschluss erworben.

Die Förderschulen in

- Saarbrücken (Schule am Ludwigsberg),

- Saarbrücken-Altenkessel (Schule in den Grasgärten),

- Völklingen-Geislautern (Astrid-Lindgren-Schule),

- Friedrichsthal-Bildstock (Hofschule),

- Saarlouis (Anne-Frank-Schule),

- Merzig-Brotdorf (Schule auf der Wild),

- Losheim am See (Schule am Kappwald),

- Neunkirchen (Schule am Ziehwald) und

- Illingen (Kerpenschule) haben 106 Schüler in 9 Klassen auf die Hauptschulabschlussprüfung vorbereitet. Damit wurde dieses Angebot von mehr als einem Drittel der 305 Schülerinnen und Schüler des vorangehenden 9. Schuljahres genutzt.

Drucksache 13/1506 (13/973) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 39 Seit Einrichtung dieses attraktiven Bildungsangebotes zu Beginn des Schuljahres 2001/2002 konnten 336 Schülerinnen und Schüler der Schulen für Lernbehinderte auf direktem Wege zum Hauptschulabschluss geführt werden. Ihre Berufschancen haben sich dadurch deutlich verbessert.

Ab Beginn des Schuljahres 2006/2007 werden auch die Schulen für Lernbehinderte in Wadern-Noswendel und in Schwalbach ein eigenes freiwilliges 10. Schuljahr einrichten. In 13 Klassen werden sich 139 Schülerinnen und Schüler auf ihren Hauptschulabschluss vorbereiten.

Weitere Maßnahmen im allgemeinbildenden Bereich:

- stärkere Ausrichtung des Unterrichts in Hauptschulbildungsgängen am praktischen Tun

- Berufsorientierter Schultag (seit 2000/2001 Modellversuch, ab Schuljahr 2005/2006 fakultatives Unterrichtsangebot für alle Erweiterten Realschulen)

Die Schüler des Hauptschulbildungsganges der Klassenstufe 9 nehmen an einem Tag in der Woche an einem Praktikum in einem geeigneten Betrieb teil. In Zusammenarbeit mit den Betrieben der Region und mit der Arbeitsverwaltung soll die Berufsorientierung der Schüler/Schülerinnen verstärkt und ihre Ausbildungsfähigkeit verbessert werden. Außerdem sollen durch den Kontakt mit der Berufswelt die Lernmotivation gesteigert und die Persönlichkeitsentwicklung unterstützt werden.

- Praxisklassen (seit 2001/2002 Modellversuch an Erweiterten Realschulen (ERS), läuft weiter) Schülerinnen und Schüler im letzten Jahr ihrer neunjährigen allgemeinen Vollzeitschulpflicht, die keine Aussicht haben den Hauptschulabschluss durch Teilnahme am Regelunterricht zu erreichen, können eine Praxisklasse besuchen.

Rund ein Drittel dieser Schüler erreicht den Hauptschulabschluss durch die erfolgreiche Teilnahme an der Hauptschulabschlussprüfung für Nichtschüler. Andere sind nach der Praxisklasse in der Lage, das BVJ oder das BGJ zu besuchen. In Einzelfällen entwickelt sich aus dem Praktikumsplatz ein Ausbildungsverhältnis.

- Zusammenarbeit Schule-Wirtschaft in allen Bildungsgängen Agentur ALWIS am LPM, Schülerfirmen JUNIOR, verschiedene Formen des Schülerbetriebspraktikums

- Hauptschulabschlussprüfung für Nichtschülerinnen und Nichtschüler Jugendliche werden an mehreren Standorten von freien Trägern auf diesen Abschluss vorbereitet (Einsatz von Lehrkräften und Sozialpädagogen).

- Einzelne flankierende beziehungsweise präventive Maßnahmen

- Möglichkeit der Verlängerung der Vollzeitschulpflicht

- Zielgerichteter Einsatz von Förderstunden ab der Klassenstufe 5

- Trainingsraumkonzept zur Minimierung von Lernstörungen

- Deutsch-Kurse für Schüler mit nicht deutscher Muttersprache

- Entwicklung von Standards und Kernlehrplänen (verbindliche Ziele, dennoch flexiblere Unterrichtsgestaltung)