Migration

(13/973) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 46 Gründe für die Defizite sind häufig der Seiteneinstieg in das deutsche Bildungssystem sowie nicht adäquate Kompetenzvermittlung und Unterstützung in der Familie.

Des Weiteren fehlen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, häufig Informationen über den lokalen Arbeitsmarkt und die Zugehörigkeit zu Netzwerken.

Durch welche Maßnahmen und Hilfestellungen der Landesregierung wurde die Integration ausländischer Jugendlicher jeweils in den Jahren 2000 bis 2005 gefördert?

Zu Frage 6: Ausländische Jugendliche gehören mit den spätausgesiedelten Jugendlichen zu den besonderen Zielgruppen der Integrationspolitik der saarländischen Landesregierung.

Bevor auf integrative Fördermaßnahmen für ausländische Jugendliche in der beruflichen Bildung ausführlich eingegangen wird, werden zwei voran gestellte Maßnahmen zur Integration und Sprachförderung für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Übergang vom Kindergarten zur Grundschule und in der Sekundarstufe I (allgemein bildenden Schulen) erläutert:

1. Sprachförderprogramm „Früh Deutsch lernen"

Die Maßnahme zielt darauf ab, allen Kindern, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, insbesondere Kindern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, früher und intensiver als bisher die für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht erforderlichen Deutschkenntnisse zu vermitteln.

Im Jahr 2004 wurde mit der Umsetzung dieses Konzeptes begonnen. Beteiligt sind inzwischen 31 Grundschulen in allen Schulregionen mit vielen Schüler/-innen mit Migrationshintergrund. Die Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen besuchen im letzten Halbjahr vor der Einschulung auf freiwilliger Grundlage kostenlose „Vorkurse" (wichtigster Baustein der Maßnahme), in denen sie im Umfang von zehn Schulstunden pro Woche eine intensive altersorientierte Förderung in Deutsch erhalten. Die Vorkurse starteten 2007 bereits zum vierten Durchgang. Im Januar 2007 wurden 34 Vorkurse eingerichtet, und zwar an ingesamt 26 Standorten (Grundschulen und Kindergärten).

2. Sprachförderung in der Sekundarstufe I

Derzeit unterrichten an über 50 Schulen im Bereich der Sekundarstufe I (Erweiterte Realschulen, Gesamtschulen) 39 Sprachförderlehrkräfte Schüler/-innen mit Migrationshintergrund in Deutsch. Dieser Sprachförderunterricht wird kontinuierlich während des gesamten Schuljahres erteilt und wird bereits seit über zehn Jahren durchgeführt.

Beide Maßnahmen finden in Kooperation mit dem Paritätischen Bildungswerk statt.

Das Ministerium für Inneres, Familie, Frauen und Sport fasst im Rahmen seiner Förderung die beiden Zuwanderungsgruppen, ausländische und spätausgesiedelte Jugendliche, zusammen.

Grundsätzliches Ziel der Maßnahmen und Hilfestellungen ist es, die Zugangsvoraussetzungen der Jugendlichen in die integrationspolitischen Handlungsfelder, insbesondere in den Bereich der beruflichen Bildung und den Arbeitsmarkt, durch eine verstärkte Planung und Steuerung individueller Integrationsprozesse zu verbessern.

Drucksache 13/1506 (13/973) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 47 Die landesweit tätigen Integrationslotsen haben die Aufgabe, unmittelbar nach der Einreise den Kontakt zu den zugewanderten Personen und Familien aufzunehmen; somit wird ein erster Kontakt mit einem Fachdienst für Integration hergestellt, so dass der jeweilige Integrationsprozess eingeleitet werden kann. Bereits hier kann der Kontakt mit den Arbeitsagenturen bzw. den ARGEn hergestellt werden. Aufgabe der Integrationslotsen ist u.a., im Rahmen einer im Lande vereinbarten Koordination und Kooperation der Integrationsfachdienste die landesweit arbeitenden, bundesgeförderten Jugendmigrationsdienste in den weiteren Integrationsprozess der zugewanderten Jugendlichen einzubinden.

Im Jahre 2005 hat die Landesregierung eine „Landesintegrationsbegleitung" eingerichtet, eine Maßnahme der nachholenden Integration.

Dieses auf 3 Jahre angelegte Programm war erforderlich, nachdem mit in Kraft treten des Zuwanderungsgesetzes die vom Bund vorgesehene und geförderte Migrationserstberatung nur die Zielgruppe der Neuzuwanderer umfasst. Zielgruppe der angebotenen Dienste sind die bereits seit längerer Zeit im Saarland lebenden Zuwanderer, deren Integrationsprozess noch nicht abgeschlossen bzw. noch nicht eingeleitet worden ist. Schwerpunkt der Beratung ist es, eingeleitete Integrationsprozesse zu evaluieren und weiter zu begleiten, Integrationsprozesse bei bisher nicht beratenen Zuwanderern aufgrund einer individuellen Sozial- und Kompetenzanalyse zu initiieren, zu steuern und sozialpädagogisch zu begleiten, insbesondere mit dem Ziel der beruflichen Integration, u.a. durch das Heranführen an Sprachfördermaßnahmen, Informationen über das Schul- und Ausbildungssystem, Bewerbungstraining, Zusammenarbeit mit Bildungsträgern, der Arbeitsverwaltung bzw. den SGB-II-Behörden, Arbeitgebern und Ausbildungsbetrieben.

Neben diesen „infrastrukturellen" Maßnahmen werden seit Jahren eine Vielzahl von Projekten gefördert, die u.a. der Verbesserung der Schul- und Ausbildungssituation von zugewanderten Jugendlichen dienen. Neben der Förderung aus Landesmitteln wurden im Saarland in Abstimmung mit der Landesregierung auch Modellprojekte des Bundes mit gleicher Zielsetzung durchgeführt.

Auch Projekte, in denen nicht unmittelbar die Zielgruppe der Jugendlichen angesprochen wird, dienen der Verbesserung ihrer Integrationschancen. Die Projekte mit zugewanderten Eltern und insbesondere mit Frauen sind mittelbar auch ausgerichtet, die Bildungssituation der Jugendlichen zu verbessern. Die Angebote für die Eltern der Jugendlichen umfassen u.a. gezielte Informationen über das Schul- und Bildungswesen in Deutschland sowie die Stärkung der Erziehungskompetenz; die Erziehungsberechtigten werden dazu motiviert, die schulische und berufliche Laufbahn ihrer Kinder zu begleiten und zu unterstützen.