Krebsrisiko im Saarland

Vorbemerkung der Landesregierung: Begriffsbestimmungen, Klassifizierung, epidemiologische Kennziffern

Mit dem Wort „Krebs" werden im allgemeinen Sprachgebrauch bösartige Tumorerkrankungen bezeichnet. Im Folgenden wird entsprechend der wissenschaftlichen Terminologie auch der Begriff „bösartige Neubildungen" benutzt.

Klassifiziert werden die bösartigen Neubildungen nach der von der Weltgesundheitsorganisation erstellten "Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) - ICD. Im Saarland wird vom Epidemiologischen Krebsregister Saarland für die Codierung der Tumorlokalisation bei der Inzidenz die ICD-9

Klassifikation benutzt. Bösartige Neubildungen umfassen nach ICD-9 die Ziffern ICD-9 140 bis ICD-9 208. Bei der Berechnung epidemiologischer Kennziffern werden in wissenschaftlichen Publikationen und Studien die „Sonstigen bösartige Neubildungen der Haut" (ICD-9 173) üblicherweise nicht einbezogen, da diese bösartigen Neubildungen zwar relativ häufig vorkommen, jedoch in der Regel nicht metastasieren bzw. zum Tod führen. Da das Epidemiologische Krebsregister ­ im Gegensatz zu vielen anderen Registern - auch diese Erkrankungen erfasst, können auch Kennziffern einschließlich ICD-9 173 berechnet werden. Um die nationale und internationale Vergleichbarkeit der Erkrankungsraten zu gewährleisten, werden im Folgenden die Raten zunächst ohne diese Sonstigen bösartigen Neubildungen der Haut aufgeführt, der Vollständigkeit halber werden die Gesamtraten einschließlich ICD-9 173 in Klammern angefügt.

Ein Näherungswert für das Risiko oder die Wahrscheinlichkeit eines Individuums, bis zu einem bestimmten Lebensalter an Krebs zu erkranken, ist die so genannte kumulative Inzidenzrate, wobei mit Inzidenz die Anzahl der Neuerkrankungen bezeichnet wird.

Die Rate wird ermittelt aus der Summe der altersspezifischen Inzidenzen des jeweils definierten Alterssegments. Um die Auswirkungen von Zufallsschwankungen zu verringern, werden Drei-Jahres-Mittelwerte für den Zeitraum 2003 bis 2005 gebildet. Die nachfolgenden Daten basieren ­ wie bei internationalen Studien üblich - auf der kumulativen Rate der Altersgruppe von 0 bis 74 Jahre, sie können damit als ein Maß für die Wahrscheinlichkeit, bis zum Alter von 74 Jahren an Krebs zu erkranken, interpretiert werden.

Da die kumulativen Inzidenzraten einen Näherungswert darstellen, werden sie ­ ähnlich wie die Lebenserwartung bzw. Sterbetafeln ­ nicht auf kleinräumigen Ebenen wie der Gemeinde- oder Kreisebene, sondern nur auf Landesebene berechnet. In Anbetracht der teilweise geringen Einwohnerzahlen der Gemeinden bzw. Kreise und entsprechend geringer Fallzahlen könnten statistische Ausreißer zu starken Verzerrungen führen.

Das Epidemiologische Krebsregister Saarland wurde als erste entsprechende Einrichtung in einem westdeutschen Flächenland bereits im Jahr 1967 eingerichtet. In den übrigen Bundesländern wurden erst wesentlich später ­ zumeist erst nach dem Inkrafttreten des Bundeskrebsregistergesetzes im Jahr 1995 ­ epidemiologische Krebsregister eingerichtet. Damit verfügt das Saarland als einziges Flächenland in Deutschland über die für Langzeitanalysen benötigen Erkrankungsdaten. Deshalb bilden die Daten des saarländischen Krebsregisters in vielen Bereichen immer noch die Grundlage für Berechnungen der Krebsmorbidität und -mortalität in Deutschland insgesamt. Ein Vergleich mit anderen Bundesländern ist nur sehr eingeschränkt möglich, weil sich in den meisten anderen Bundesländern die Epidemiologischen Krebsregister noch im Aufbau befinden oder bei einzelnen Krebsentitäten noch nicht den für wissenschaftliche Auswertungen erforderlichen Erfassungsgrad erreichen. Entsprechende Vergleichsdaten stehen deshalb nur für den Regierungsbezirk Münster in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg zur Verfügung. Für den Ländervergleich wurde ein 5-Jahres-Mittelwert über die Jahre 2000 bis 2004 gebildet.

a) Wie hoch ist das Krebsrisiko hier im Saarland (wenn möglich aufgeschlüsselt nach Gemeinden)?

b) In den restlichen deutschen Bundesländern?

Zu Frage 1 a) Wie bereits dargelegt, ist eine Aufschlüsselung des Krebsrisikos nach Gemeinden nicht möglich. Im Saarland lag die Erkrankungswahrscheinlichkeit im Mittelwert für den Zeitraum 2003 bis 2005 in der Altersgruppe von 0 bis 74 Jahre bei Frauen bei 27,5 Prozent (31,9 Prozent inklusive ICD-9 173), bei Männern bei 40,8 Prozent (47,1 Prozent inklusive ICD-9 173).

Die Erkrankungswahrscheinlichkeit im Saarland, im Regierungsbezirk Münster, in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2004 (Daten aus den genannten Ländern für das Jahr 2005 liegen noch nicht vor) zeigt die nachfolgende Tabelle:

Wie viele Krebsneuerkrankungen gab es seit 2000 im Saarland? (Aufgeschlüsselt nach Kreisen und nach Krebsarten)

Zu Frage 2: Die Zahl der Krebsneuerkrankungen seit dem Jahr 2000, aufgeschlüsselt nach Kreisen und Krebsarten, ergibt sich aus nachfolgender Tabelle: