Fördermittel

Förderung des Viehmarktes in Illingen:

Weiterhin fördert das Ministerium für Umwelt den jährlich stattfindenden, populären Viehmarkt in Illingen, der die Vielfalt der heimischen Haustierrassen ausstellt und der Züchtern und interessierten Bürgern eine Kommunikationsplattform bietet.

Projekt „Salami-Dreiklang":

Unter dem Motto „Esst, was Ihr erhalten wollt" hat das Ministerium für Umwelt im Jahr 2007 das von Slowfood Saarland durchgeführte Projekt „Salami-Dreiklang" gefördert.

Im Mittelpunkt des Projekts stand die Herstellung von drei Salami-Dauerwürsten, wobei die Rohstoffe von stark bis extrem stark vom Aussterben bedrohten und gefährdeten Haustierrassen stammten. Diese können nur dann in ihrer Art überleben, wenn man bewusst Produkte dieser Tiere kauft und dadurch die Verbreitung ihrer Haltung fördert.

Zum anderen stammen die Tiere von saarländischen Herden und tragen im Besonderen zum Erhalt und zur Pflege unserer Kulturlandschaft bei. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) wurden für diesen Zweck die Tierrassen Glanrind, Waldschaf und Thüringerwald-Ziege ausgewählt. Zudem wurde eine anschauliche Informationsbroschüre über das Projekt erstellt, in der u.a. über die Problematik des Artensterbens alter Haustierrassen aufgeklärt wird.

Förderung der Erhaltung von Streuobstwiesen: Streuobstwiesen sind im Saarland landschaftsprägende Elemente. Die Flächengröße ist nicht erfasst. Es wird von 2000-3000 ha auf Kleinstflächen verteilt ausgegangen, die sich zu großen Teilen im Privatbesitz befinden. Der Pflege- und Erhaltungszustand dieser Flächen variiert sehr stark.

In den Jahren 2001-2003 wurde eine „Obstsortenkartierung" durch den Verband der Gartenbauvereine Saarland-Pfalz e.V. durchgeführt. Dieses Projekt wurde finanziell durch die Saarland-Sporttoto GmbH unterstützt; das Ministerium für Umwelt hat sich für diese Förderung im Vorfeld engagiert eingesetzt.

Ziel war die Erfassung des Bestandes an Obstsorten und Abschätzung der Häufigkeit des Vorkommens (ländlicher Obstbau, Gartenobstbau) zum Zwecke der Sicherung der Obstsortenvielfalt. Insbesondere gefährdete alte Sorten sollen aufgefunden, in Sortengärten gesichert und ggf. wieder kultiviert werden.

Gesichert bestimmt werden konnten etwa 112 Apfelsorten, 8 Birnensorten, 5 Pflaumensorten (aus zeitlichen Gründen wurde das Steinobst nicht miterfasst). Ein erheblicher Teil der Proben (ca. 50%) konnte noch nicht bestimmt werden. Es liegt also eine enorme Artenvielfalt vor, die an das Vorkommen von Streuobstwiesen gebunden und mit deren Verschwinden gefährdet ist.

Daher fördert die Landesregierung seit fast 20 Jahren den Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen.

In der aktuellen Förderperiode 2007-2013 wird der „Erhalt und Pflege ökologisch wertvoller Streuobstbestände" (im Rahmen der saarländischen Agrarumweltmaßnahmen) gefördert.

Beihilfezweck ist die Aufrechterhaltung der erschwerten Bewirtschaftung von Streuobstbeständen, die für das Landschaftsbild im Saarland charakteristisch und für den Natur- und Artenschutz von hoher Bedeutung sind.

Zuwendungsempfänger sind land- und forstwirtschaftliche Unternehmen, Kommunen, natürliche Personen und Personengesellschaften sowie juristische Personen des privaten Rechts (da Streuobstwiesen in vielen Fällen von Privatpersonen und Vereinen gepflegt werden, wurden diese Gruppen als Zuwendungsempfänger aufgenommen).

Der Fördersatz: beträgt 450 /ha und Jahr. Für die aktuelle Förderperiode sind rund 340.000 Haushaltsmittel veranschlagt.

Bevorzugt werden Streuobstbestände, die in landschaftsökologischen Gutachten als ökologisch besonders wertvoll eingestuft wurden.

Zur Zeit bestehen etwa 35 Verträge; insgesamt werden 150 ha Streuobstwiesen gefördert.

Förderung der Keltereien: Indirekt gefördert wird der Streuobstanbau durch die Förderung von Kelteranlagen für Obstsäfte aus dem heimischen Streuobstanbau. Durch die saarländische Richtlinie zur Förderung von Kelteranlagen der Obst- und Gartenbauvereine werden einmalige Zuwendungen für Einrichtungen und Geräte zur Verarbeitung von Streuobst zu Säften seit Anfang der 90er Jahre gewährt.

Antragsteller können örtliche Obst- und Gartenbauvereine sein. Zuwendungsfähig sind Investitionskosten für neue Maschinen sowie Erhaltungsaufwendungen für bestehende Gebäude. Die Förderung beträgt 30% der Gesamtaufwendungen, höchstens jedoch 7.500.

Über 40 Vereine haben seit dem Programmstart eine Förderung beantragt, insgesamt fließen etwa 50.000 /Jahr an Fördergeldern an die Vereine.

Zudem hat das Ministerium für Umwelt die Anlage eines Obstsortenarboretums in der Nähe des Flughafens Ensheim unterstützt, in welchem seltene heimische Obstbäume in Kooperation von Naturlandstiftung und dem Verband der Obst- und Gartenbauvereine kultiviert werden. Ein weiteres Obstsortenarboretum befindet sich am Nackberg/Merzig. Die Möglichkeit einer Förderung wird derzeit geprüft.

Förderung Kryobank:

Das saarländische Ministerium für Umwelt ist Schirmherr der 2003 begonnenen Stammzellensammlung im Fraunhofer-Institut für biomedizinische Technik (IBMT) am Standort Sulzbach. Im Jahr 2004 hat das Ministerium für Umwelt dort ein Kontingent für die 20jährige Lagerung von rund 15.000 Einzelproben zur Erhaltung genetischer Ressourcen gefördert. Seitdem wird in der „CRYO-BREHM"-Lebendzellbank fortlaufend Zellmaterial von Wildtieren und von gefährdeten und alten Haustierrassen bei 145o C eingelagert (Projektkoordination: Neunkircher Zoologischer Garten, Regionalgruppe der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH). Mit neuer Technik und Methoden zur Stammzellenisolierung dokumentieren Fraunhofer Forscher den weltweiten Tierbestand. Die Einrichtung gilt auf dem Gebiet der Kryokonservierung ­ insbesondere der Präparation, Kultur und Einlagerung der Lebendzellen ­ als weltweit führend. Neben der Konservierung bereits eingelagerter Zellen hält die Kryobank auch Kapazitäten für künftige Arterhaltungsprojekte zur Verfügung. Im Hinblick auf die bundesweiten Überlegungen zur Einrichtung einer Nationalen Kryoreserve sieht sich das Saarland hier als Vorreiter.

Wie schätzt die Landesregierung den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen auf die biologische Vielfalt allgemein und speziell im Saarland ein?

Zu Frage 4: Derzeit ist von landwirtschaftlicher Seite das Interesse am Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen gering. Bislang werden im Saarland keine GVO angepflanzt. Dies hängt einerseits mit den für die Landwirte ungünstigen Haftungsregelungen und dem Aufzeichnungs- und Meldeaufwand zusammen, andererseits ist die Mehrheit der Verbraucher gegen den Einsatz von GVO. Sollten gentechnisch veränderte Organismen für die heimischen Bauern irgendwann entscheidende, agronomische Vorteile bringen, kann es zu einer Verdrängung konventionell gezüchteter Sorten von der Anbaufläche kommen. Inwiefern gentechnisch veränderte Sorten einen Einfluss auf die Artenvielfalt von Begleitflora, verwandten Wildarten oder tierische Organismen haben, ist jeweils im Rahmen der Zulassung der gentechnisch veränderten Pflanzen zu überprüfen und kann pauschal nicht beantwortet werden.

Wie schätzt die Landesregierung den Einfluss der Fördermittelverteilung im Rahmen des Entwicklungsplans des ländlichen Raumes im Saarland 2007-2013 auf die biologische Vielfalt ein?

Zu Frage 5: Wie bereits zu Frage 3 bemerkt, stehen in der aktuellen Förderperiode über 18,5 Mio. für Agrarumweltmaßnahmen zur Verfügung. Inwieweit die Mittel abfließen hängt von der Akzeptanz der Maßnahmen durch die Landwirte ab. Nach der Erfahrung der letzten Jahre beteiligt sich ein Großteil der Betriebe an den Agrarumweltmaßnahmen. Daher ist davon auszugehen, dass die biologische Vielfalt auf diesen Flächen erhalten bleibt.

Wie schätzt die Landesregierung die Chancen zum Erhalt der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft vor dem Hintergrund eines wachsenden Flächenbedarfs in der Landwirtschaft ein?

Zu Frage 6: Ein steigender Flächenbedarf der Landwirtschaft hat allein keine Auswirkungen auf die Artenvielfalt der Kulturlandschaft. Zudem ist mit einer Ausweitung der bisherigen landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht zu rechnen.

Sollte sich die Anbaufläche des ökologischen Landbaus vergrößern, ist mit einer gesteigerten Artenvielfalt zu rechnen. Hingegen kann eine Intensivierung der konventionellen Landwirtschaft vereinzelt zu einem Rückgang der Artenvielfalt führen. Aufgrund der kleinräumig wechselnden, mosaikartigen Struktur der saarländischen Landesfläche (geringe Parzellengrößen, unterschiedliche Standortbedingungen) wird es voraussichtlich auch bei einer Intensivierung der konventionellen Landwirtschaft weiterhin Rückzugsflächen für seltenere oder gefährdete Arten geben.

Drucksache 13/1959 (13/1884) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 10 Welchen Beitrag leistet nach Auffassung der Landesregierung die ökologische Landwirtschaft für den Erhalt der Agrobiodiversität im Saarland?

Wie bewertet die Landesregierung diesen Beitrag im Vergleich mit dem Beitrag von Betrieben der konventionellen Landwirtschaft?

Zu Frage 7: Die ökologische Landwirtschaft leistet durch ihre vergleichsweise extensive Wirtschaftsweise, die weiten Fruchtfolgen, Zwischenfruchtanbau und den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel einen wertvollen Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der Agrobiodiversität.

Aber auch in der konventionellen Landwirtschaft wird im Saarland vorwiegend extensiv gearbeitet. Insbesondere durch die Teilnahme an den Agrarumweltmaßnahmen (mehr als 50% der saarl. Betriebe) wird die Agrobiodiversität gefördert (siehe auch Antwort zu Frage 3).

Insofern ist der Einfluss von ökologischer im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft auf die Agrobiodiversität im wesentlichen von der konkreten Bewirtschaftung abhängig. Eine „konventionelle" Streuobstwiese, die über Agrarumweltmaßnahmen gefördert wird, unterscheidet sich diesbezüglich vermutlich nicht von einer ökologisch bewirtschafteten Streuobstwiese. Ein konventioneller Weinberg verfügt aber sicherlich über eine geringere Biodiversität als ein ökologisch bewirtschafteter Weinberg.