Mit welchem Mittelaufwand organisatorisch und finanziell wäre es möglich in Kläranlagen die oben genannten Rückstände restlos

Gibt es im Saarland Langzeituntersuchungen über den Zusammenhang von Medikamentenrückständen im Wasser und deren gesundheitliche Auswirkungen auf Mensch und Tier?

Zu Frage 7: Im Saarland gibt es keine Langzeituntersuchungen über den Zusammenhang von Medikamentenrückständen im Wasser und deren gesundheitlichen Auswirkungen auf Mensch und Tier.

Mit welchem Mittelaufwand (organisatorisch und finanziell) wäre es möglich, in Kläranlagen die oben genannten Rückstände restlos herauszufiltern?

Zu Frage 8: In modernen, nach dem Stand der Technik arbeitenden Kläranlagen mit Phosphor- und Stickstoffelimination wird ein großer Teil der organischen Stoffe eliminiert. Kläranlagen sind aber zur Elimination von Arzneimittelwirkstoffen und endokrin wirksamen Substanzen nicht ausgelegt, trotzdem erfolgt ein teilweiser Abbau.

Zur weitergehenden Elimination kommen physikalisch-chemische Verfahren in Frage, wie

- Qxidationsverfahren, z. B. Ozonung, UV-Bestrahlung

- Aktivkohleadsorption

- Membranverfahren, z. B. Nanofiltration, Umkehrosmose.

Für eine weitgehende Elimination von verschiedenen Spurenstoffen aus dem medizinischen Bereich ist die Anwendung nur eines Verfahrens nicht ausreichend, vielmehr sind verschiedene Verfahren zu kombinieren. Nur detaillierte Untersuchungen des Kläranlagenablaufes und eine darauf basierende Verfahrensauswahl können zu einem wirtschaftlichen Ergebnis führen. Daher sind Kostenangaben nicht einfach und können nur eine weit gefasste Bandbreite wiedergeben.

In einer Studie für das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen MUNLV werden für eine Kläranlage mit 100.000 Einwohnerwerten die Kosten für eine Kombination aus Ozonung und Aktivkohledosierung mit 0,17 /m3 angegeben, eine Kombination aus Mikrosiebung, Ultrafiltration und Aktivkohledosierung mit 0,32 /m. Die spezifischen Kosten sind bei kleineren Kläranlagen, wie sie im Saarland vorwiegend vorhanden sind, ersichtlich höher.

Derzeit betreibt der EVS 133 Kläranlagen, darunter 56 Kläranlagen mit weniger als 1.000 Einwohnerwerten. Nicht bei allen kleinen Kläranlagen könnte eine zusätzliche Stufe zur Elimination von Spurenstoffen betrieben werden. Daher wird für den Kostenüberschlag angenommen, dass nur ca. 80% des im Jahr 2008 gereinigten Abwassers (162 Mio. m3 in einer entsprechenden Reinigungsstufe behandelt werden. Dies entspricht ca. 130 Mio. m. Damit wäre bei flächendeckender Nachrüstung mit zusätzlichen Kosten von rund 22 bis rund 42 Mio. pro Jahr zu rechnen, was etwa einer Beitragserhöhung beim EVS von 35% entsprechen würde.

a) Welche Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität werden bereits durch die Landesregierung durchgeführt/gefördert (Auflistung der Projekte)?

b) Sind im Falle saarländischer Krankenhäuser spezielle Maßnahmen in den nachgelagerten Kläranlagen vorgeschrieben, um dort in Umlauf gebrachte Medikamente aus dem Abwasser zu filtern?

Zu Frage 9: a) Folgende Maßnahmen haben bisher zur Entwicklung der Gewässergüte beigetragen.

- Umsetzung der EU- Kommunalabwasserrichtlinie und der IVU- Richtlinie,

Zur Verbesserung der Gewässergüte wurden ca. 134 kommunale Abwasseranlagen einschließlich der zugehörigen Kläranlagen, Sammler, Pumpwerke und Regenwasserbehandlungsanlagen durch den EVS ­ alleine in den letzten 10 Jahren mit fast einem Aufwand in einer Größenordnung von ca. einer Milliarde Euro ­ errichtet und/oder nachgerüstet. Auf diese Weise wurde zwischenzeitlich ein Anschlussgrad der Bevölkerung von ca. 95,5% an biologische Kläranlagen erreicht.

- Durchführung von Fremdwasserentflechtungs- und Regenwasserbehandlungsmaßnahmen, Renaturierungsmaßnahmen,

- Durchführung von Entwicklungs- und Forschungsvorhaben im Bereich der Abwasserreinigung (z.B. Membrantechnik).

Die kommunale Kläranlage Ihn wurde als Pilotanlage mit einer Ultrafiltration ausgestattet und im Jahre 2006 in Betrieb genommen. Sie erreicht eine vollständige Keimelimination, jedoch keine Elimination von Spurenstoffen. Die Maßnahme wurde mit Landesmitteln in Höhe von 745.000 finanziell unterstützt.

- Die Maßnahmenprogramme für die saarländischen Planungsgebiete betreffend der Wasserrahmenrichtlinie wurden veröffentlicht und sind damit behördenverbindlich. Nach dem Zeitplan der Wasserrahmenrichtlinie sind die Maßnahmen wasserrechtlich umzusetzen um im Jahre 2015 die Umweltziele erreichen zu können. Spezielle Maßnahmen zum Zwecke einer medikamenteninduzierten Abwasserfilterung an Kläranlagen, die auch Abwässer von saarländischen Krankenhäusern behandeln, sind nicht vorgeschrieben.