Pflegeversicherung

(13/2192) Landtag des Saarlandes - 13.

Wie sieht die Vermögensstruktur älterer Menschen im Saarland aus?

Zu den Fragen 4 und 5:

Nach Auskunft des Statistischen Landesamtes ist im Saarland der Stichprobenumfang aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe mit etwas mehr als 800 Haushalten zu gering, um über Eckdaten hinaus gehende Ergebnisse darstellen zu können. Aufgrund des hohen Stichprobenfehlers sind somit leider auch keine nach dem Alter oder anderen soziodemografischen Merkmalen differenzierte Auswertungen möglich.

D. Familien

Wie stellen sich die Familienstrukturen älterer Menschen dar?

Liegen der Landesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie hoch der Anteil der allein lebenden älteren Menschen ist, wie viele ältere Menschen mit ihren Kindern in einem Haushalt leben, wie viele in räumlicher Nähe zu ihren Kindern leben, wie viele ältere Menschen von ihren Kindern bzw. ihren Verwandten gepflegt werden, wie hoch volkswirtschaftlich betrachtet der Transfer von älteren Menschen zu ihren (erwachsenen) Kindern einzuschätzen ist?

Die Zahl der Ein-Person-Haushalte ist bundesweit seit 1991 mit 22,4 % die am stärksten gewachsene Gruppe. Die Familienforscher gehen davon aus, dass der Trend zu kleineren Haushalten auch in der Zukunft anhält.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 23 Die Vermutung, dass diese Entwicklung gleichzusetzen wäre mit dem Auseinanderleben der Generationen trifft nicht zu. Die Bande zwischen den Generationen sind eng, intensiver und emotional positiver bewertet als in früheren Jahrzehnten. Eltern unterstützen ihre Nachkommen bei der Kinderbetreuung, im Krankheitsfall und finanziell. Umgekehrt profitiert auch die ältere Generation in hohem Maße von der Unterstützung durch ihre Kinder.

Hier stehen immaterielle Unterstützungsleistungen im Vordergrund, insbesondere bei der Führung des Haushaltes und der Versorgung im Krankheitsfall.

Die Familienforschung spricht von „Intimität auf Distanz" und meint damit örtlich verteilte Mehrgenerationenfamilien mit lebenslang belastbaren Kontakten. Auf die in 2007 gestellte Frage, welches die wichtigsten Bestimmungsfaktoren für Glück, Zufriedenheit und persönliches Wohlergehen sind, nannten 90 % der Befragten die Familie (2002 waren es noch 86 %).

Zu Frage 1: Laut Daten des Statistischen Amtes Saarland zählten 2007 von den 1.041.400 Bewohnern des Saarlandes 239.600 (23%) zu der Altersgruppe der 65-jährigen und älteren Menschen.

In dieser Altersgruppe lebten 2007 im Saarland 77.000 Menschen (32,1%) in Einpersonenhaushalten und 116.000 in Zweipersonenhaushalten (48,4%). Über die verbleibende Zahl von 46.600 älteren Menschen (19,5%) sind keine Angaben in der Statistik enthalten.

32.000 (13,4%) Bewohner des Saarlandes aus der Altersgruppe der 65-jährigen und älteren Menschen bestritten ihren Lebensunterhalt überwiegend aus Unterhaltszahlungen von Angehörigen.

Privathaushalte im Saarland 2007 nach Haushaltsgröße Alter des Haushalte HaupteinkommensHaushaltsmitglieder beziehers bzw. der EinperMehrpersonenhaushalte Haupteinkommens- Insges. sonen- Insges.2-Generationenhaushalte", nur in 1 % der Haushalte leben drei oder mehrere Generationen zusammen. In 6 % der Haushalte wohnen ältere (ab 65 Jahren) mit jüngeren Menschen zusammen.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 24 Rund 60 % der Eltern wohnen im selben Ort wie ihre erwachsenen Kinder, 80 % nicht weiter entfernt als eine Stunde Fahrt.

68 % der Pflegebedürftigen wurden im September 2005 zu Hause gepflegt, das sind 1,54 Mio. (lt. Pflegeversicherungsstatistik), von denen zwei Drittel allein durch Angehörige gepflegt werden. Hier liegt ein erheblicher wirtschaftlicher Transfer von Jung zu Alt. Der Großteil der pflegenden Angehörigen sind Frauen (70 bis 80 %) im Alter zwischen 45 und 55 Jahren (lt. Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation" 2005).

Die Leistungen/der wirtschaftliche Transfer von älteren Menschen zu Ihren (erwachsenen) Kindern spiegelt sich auch in den Daten des „Allensbacher-Familienmonitors 2008". Darin geben die (erwachsenen)Kinder folgende Unterstützungsleistungen von ihren Eltern an: % haben durch ihre Eltern Unterstützung bei der Betreuung von Kindern erfahren, wenn sie abends allein ausgehen wollten, % geben an, dass sie von ihren Eltern beim Kauf von Kinderkleidung unterstützt wurden, % der Eltern haben die Betreuung der Kinder übernommen, während sie arbeiteten, % gaben an, dass sie Hilfe von ihren Eltern bei finanziellen Schwierigkeiten erhielten.

Wie beurteilt die Landesregierung den Stellenwert der Solidarität der Generationen innerhalb der Familien im Saarland?

Zu Frage 2: Unter Solidarität versteht die Landesregierung das Zusammengehörigkeitsgefühl von Individuen oder Gruppen in einem Sozialgefüge, das sich in gegenseitiger Hilfe und Unterstützung äußert. Bei zunehmend uneinheitlichen Voraussetzungen (z. B. wesentliche Verschiebung der Rahmendaten für den Generationenvertrag) müssen die Bedingungen für Solidaritätserfahrung immer stärker erarbeitet und organisiert werden. Zum Ausgleich von Benachteiligungen, z. B. von Minderheiten, gehört es für die Landesregierung zum solidarischen Handeln auch einseitige Unterstützung zu leisten bzw. einzufordern.

Der Zusammenhalt der Familien hat sich u. a. in gegenseitigen Hilfs- und Unterstützungsleistungen von Jung und Alt bewährt. Junge Eltern erfahren von den eigenen Eltern oder Schwiegereltern fast ausnahmslos Unterstützung in vielfältiger Form (wie bereits in der vorherigen Frage ausführlich dargestellt). Bei den Leistungen der Kinder für ihre Eltern stehen mehr praktische Hilfen im Vordergrund: So machen 70 % der jungen Väter und Mütter regelmäßig Besuche bei den Eltern und übernehmen Arbeiten im Haushalt oder im Garten (Allensbach-Familienmonitor 2008). Die Bereitschaft von Eltern zugunsten der Chancen ihrer Kinder Opfer zu bringen, ist quer durch alle Schichten groß. 80 % der Eltern aus der Unterschicht und 77 % aus der Mittelschicht sind bereit, für ihre Kinder auf vieles zu verzichten, um ihnen möglichst viele Chancen zu eröffnen. Neben der Vorsorge für das eigene Alter ist die Zukunft der Kinder das mit Abstand wichtigste Sparziel der Deutschen. Mehr als 3/4 aller Familienhaushalte sparen für die Kinder und legen im Schnitt rund 100 Euro zur Seite. 80 % der Eltern wollen damit vor allem die Ausbildung ihrer Kinder absichern (Studie der Deutschen Bank 2008). Im Umkehrschluss zeigt sich, dass die Bereitschaft der „erwachsenen Kinder" zur Pflege ihrer Eltern (mit 2/3) stark ausgeprägt ist. Bei denen, die nicht bereit waren, die Pflege zu übernehmen, spricht insbesondere die mangelnde Vereinbarkeit der Pflege mit dem Beruf oder die räumliche Distanz dagegen (Prognos-AG: Engagement-Atlas 2008).